Francois Höpflinger über moderne Opas
Familienleben
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Drei Monate zuvor: Es ist der 3. Februar 2020, François Höpflinger gibt uns ein Interview im Café Oskar am Zürcher Hauptbahnhof. Es geht um die Rolle der Grosseltern in den Familien. Darum, welche Bedeutung Enkel im Leben von Grossvätern und Grossmüttern spielen und wie nah sich die Generationen sind – und hoffentlich irgendwann wieder sein werden. 

Herr Höpflinger, sind Sie ein engagierter Grossvater? 

Das müssen Sie meine vier Enkel fragen. Mittlerweile sind diese zwischen 11 und 14 Jahre alt und brauchen nicht mehr viel Betreuung. Aber als die Kinder meiner Tochter klein waren, haben meine Frau und ich sie an zwei Tagen die Woche gehütet. Zwei weitere Tage haben die anderen Grosseltern übernommen und einen Tag der Vater. Meine Tochter ist wissenschaftlich tätig, anders wäre es für sie nicht möglich gewesen, ihren Beruf auszuüben. 
«65-jährige Männer können wieder rumtoben und sich die neuen Medien erklären lassen.» 

Respekt, das hört sich nach einem grossen Einsatz und südeuropäischen Verhältnissen an. Den Familien in Ländern wie Spanien oder Italien sagt man einen grossen Zusammenhalt nach.

Grosseltern, die sich in südeuropischen Ländern um ihre Enkel kümmern, sind meist vollamtlich engagiert. Das ist richtig. Sie haben aber auch keine andere Wahl, wenn sie ihre eigenen Kinder unterstützen wollen. Die Infrastrukturen in diesen Ländern sind so schlecht ausgebaut, dass die erwachsenen Kinder gezwungen sind, auf ihre Eltern zurückzugreifen. Ansonsten könnten sie nicht arbeiten. Und auch arbeitslose Eltern sind auf die Unterstützung durch die Grosseltern angewiesen. Dies führt oft zu Spannungen innerhalb der Familie.  

Und das ist in Mittel- und Nordeuropa anders?  

In Schweden beispielsweise, wo das Krippensystem prima ausgebaut ist, haben die Grosseltern die Wahl, inwiefern sie sich engagieren möch ten, was dazu führt, dass sich die Grosseltern weniger intensiv, dafür aber häufiger um die Grosskinder kümmern. Das Verhältnis der Generationen zueinander wird durch gute sozialpolitische Strukturen verbessert. Somit gehören Schweden, Deutschland und die Schweiz zu den Ländern, in denen sich die Grosselternschaft positiv auf die Lebenszufriedenheit auswirkt.
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Dabei ist das Betreuungsnetz hierzulande auch nicht optimal ausgebaut und einen Krippenplatz kann sich nicht jeder leisten.

In der Schweiz müssen die Grosseltern mehr Betreuungsarbeit übernehmen als beispielsweise in Deutschland. Da haben sie recht. Grosseltern sind hierzulande eine wichtige Ressource im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Um Zahlen zu nennen: Das Bundesamt für Statistik hat berechnet, dass Grosseltern jährlich 160 Millionen Stunden ihre Enkelkinder hüten und geschätzte 8 Milliarden Franken unbezahlte Betreuung leisten. Doch kommt es darauf an, welche Kosten man berücksichtigt: nur das Geld, das Eltern den Krippen für einen Platz zahlen müssten, oder auch den Verdienstausfall der – noch berufstätigen – Grosseltern? Seitens einiger Grossmütterinitiativen regt sich diesbezüglich Widerstand. 
«Man kann die eigenen Eltern nicht erziehen, am besten hilft gegenseitige Toleranz.» 
«Man kann die eigenen Eltern nicht erziehen, am besten hilft gegenseitige Toleranz.» 

Sie setzen sich dafür ein, dass ihr Engagement gesellschaftlich mehr wertgeschätzt und zum Teil auch finanziell entschädigt wird.

Es ist nicht so, dass diese Frauen ihre Enkel nicht hüten wollen. Sie möchten vielmehr eine Wahlfreiheit, die es ihnen ermöglicht, selbst entscheiden zu können, wie viel beziehungsweise intensiv sie betreuen. Diese Grossmütter setzen sich für den Ausbau von Krippen und ausserschulischen Tagesstrukturen ein.  

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