Drogensüchtige Jugendliche: Was tun, wenn das Kind abhängig wird?
Familienleben
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Wie wird aus einem pubertären Ausprobieren ein gefährliches Suchtverhalten?

Wie schnell aus einem pubertären Ausprobieren ein gefährlicher Substanzkonsum werden kann, macht Ganzer auch am Entwicklungsstand und am Leistungsniveau fest. Einmal an einer Party mit Gleichaltrigen Alkohol zu trinken oder Cannabis zu probieren, sei in diesem Sinn weniger riskant für einen 17-Jährigen, der seinen Alltag auf die Reihe bekommt, regelmässig in die Schule geht, dort gute Noten erhält und Hobbys pflegt, als für einen 14-Jährigen, der die Schule nicht mehr regelmässig besucht und bereits sozial verkümmert, weil er zum Beispiel in der Welt der sozialen Medien und Computerspiele lebt.  
Der Alkoholkonsum von ­Jugendlichen ist in der Schweiz seit fünf, sechs Jahren konstant. Aber es verfestigen sich Muster wie das Rauschtrinken. (Bild: GettyImages)
Der Alkoholkonsum von ­Jugendlichen ist in der Schweiz seit fünf, sechs Jahren konstant. Aber es verfestigen sich Muster wie das Rauschtrinken. (Bild: GettyImages)
Damit Eltern hier als Seismo­grafen fungieren und mutmasslich riskante Entwicklungen rechtzeitig erkennen können, hilft ein wohl­wollender und wertschätzender Umgang mit dem Nachwuchs. Studien zeigen, dass auch Intelligenz und die sozioemotionale Reife Schutzfaktoren sein können. Doch eine Garantie gibt es nicht. Auch Kinder aus den behütetsten Familien werden drogensüchtig, während umgekehrt Jungen und Mädchen aus suchtbelasteten oder desolaten Elternhäusern zwar ein höheres Risiko haben, aber ebenso suchtfrei ins Erwachsenenleben starten können.  

Es bildet sich ein Suchtgedächtnis 

Abhängig machende Substanzen zu konsumieren, ist generell schädlich für die körperliche und seelische Gesundheit, egal, wie alt der Konsument ist. Aber: Je früher jemand mit dem Konsum süchtig machender Substanzen beginnt, desto schwieriger ist es, davon wieder loszukommen. Und dabei gilt eine weitere Faustregel: Je früher im Leben damit begonnen wird, desto stärker greifen die Substanzen in den Entwicklungsprozess ein. 

«So ist Alkohol per se ein Zellgift und toxisch, das zeigt sich auf vielen Ebenen, von der Magenschleimhaut bis zur Funktion der Nervenzellen», sagt Ganzer. Zudem prägen sich gewisse Reaktions­muster ins Gehirn, ein sogenanntes Suchtgedächtnis bildet sich. Der Raucher lernt, dass ihn nach einem schwierigen Gespräch eine Zigarette entspannt, der Trinker weiss, dass ein paar Flaschen Bier ihn locker machen und Ängste verschwinden lassen. Aber auch indirekt hat ein Substanzkonsum Folgen. So kann es beispielsweise zu alkoholbedingten Stürzen und Unfällen kommen, oder Jugendliche gehen nicht in die Schule, weil sie verkatert sind. 
Je früher jemand mit dem Konsum von Suchtmitteln ­beginnt, desto schwerer kommt er davon wieder los.
Eine Abhängigkeit ist immer eine dysfunktionale Form der Problembewältigung. Einer der wichtigsten Ansätze, wenn man den Weg in die Sucht als Option ausschliessen möchte, ist es daher, Kindern und Jugendlichen so früh wie möglich beizubringen, wie sie mit Problemen umgehen können. «Bezugspersonen sollten ihnen zeigen, wie man Emotionen regulieren kann, sie annimmt, reflektiert und mit ihnen umgeht», sagt Ganzer. Wer gelernt hat, dass es absolut okay ist, wenn man bei Liebeskummer eine Weile lang traurig ist und es einem vielleicht hilft, mit Freunden zu reden oder sich beim Sport auszupowern, der greift weniger wahrscheinlich zu Suchtmitteln. Das Problem aktiv angehen, statt vor den unangenehmen Gefühlen zu fliehen und zu resignieren, lautet das Motto. 
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