Familienleben
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Mythos 6: Die emanzipierte Frau kann problemlos Beruf und Familie vereinbaren.

Falsch: Die Karrierefrau mit Kindern ist die Ausnahme.

Das Bild der beruflich erfolgreichen Mutter, die ihre Karriere verfolgt, während sie spielend drei Kinder aufzieht, ist heute genauso ideologisiert wie unlängst das überhöhte Bild der duldsamen Mutter, die sich für ihren Mann und ihre Kinder aufopfert. Beides hat mit der Realität wenig zu tun. Auch in den ehemaligen sozialistischen Ländern, in denen die Strukturen so ausgelegt waren, dass Mütter voll erwerbstätig waren, blieb die Karrierefrau mit Kindern die Ausnahme. Während Frauen vorwiegend assistierende Tätigkeiten ausführten, hatten die Männer die interessanten Jobs – Männer befahlen, Frauen dienten. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eine trügerische Behauptung von Wirtschaft und Politik. Dieses Hin und Her zwischen den Ansprüchen der Arbeitswelt und der Familie zehrt an der Substanz – bei Vätern wie auch bei Müttern. Trotzdem werden wir dazu angehalten, immer mehr und immer länger zu arbeiten.

In der Europäischen Union hat sich der Appell des «dual earner couple» – der Integration beider Elternteile in die Arbeitswelt – schon seit längerer Zeit etabliert. Beide Eltern sollen möglichst Vollzeit arbeiten, um eigenverantwortlich ihr Leben zu verdienen, während die staatlichen Leistungen ausgedünnt oder abgeschafft werden. Der Ruf nach der weiblichen Arbeitskraft hat nichts mit einem emanzipierten, selbstbestimmten Leben zu tun: Es geht nicht darum, den Frauen in der Arbeitswelt die gleichen Rechte wie den Männern einzuräumen oder ihnen einen Lohn zu bezahlen, mit dem sie eine Familie ernähren könnten. Will die Wirtschaft mehr weibliche Arbeitnehmerinnen, dann nur, um den Profit des Unternehmens oder die Wirtschaftskraft des Landes zu steigern.

Und wer fragt die Kinder? 

Bemerkenswert ist, dass bei der ganzen Vereinbarungsdebatte das Wohl der Kinder nicht im Zentrum steht. Noch vor 20 Jahren wurden Kinder bemitleidet, die eine Krippe besuchen mussten. Heute werden Eltern schräg angeguckt, die ihre Kinder nicht fremdbetreuen lassen – obwohl eine Studie aus dem Jahre 2012 die Qualität in Schweizer Kitas sogar als «durchzogen» beurteilt. Es fehle an Personal und finanziellen Ressourcen, um eine qualitative Betreuung zu gewährleisten. Es ist falsch, dass sich Familien den Bedürfnissen der Arbeitgeber unterordnen müssen. Kinder sollen nicht weggebracht, fremdbetreut und rumgeschoben werden, nur damit ihre Eltern als Arbeitskräfte verfügbar sind. Es muss umgekehrt sein: Die Arbeitswelt muss sich den familiären Bedürfnissen anpassen. In einer familienfreundlichen Gesellschaft darf die Vereinbarung von Beruf und Familie nicht dazu führen, dass Väter wie Mütter 100 Prozent arbeiten. 
Die Erwerbstätigkeit einer Zweitverdienerin lohnt sich laut Experten erst dann, wenn der Nettolohn einer Vollzeitanstellung nach Steuern und anderen Berufsauslagen mindestens 50000 Franken beträgt. 
Die Erwerbstätigkeit einer Zweitverdienerin lohnt sich laut Experten erst dann, wenn der Nettolohn einer Vollzeitanstellung nach Steuern und anderen Berufsauslagen mindestens 50000 Franken beträgt. 
Eher sollten sich Eltern für ein Familienmodell entscheiden, das ihnen am besten behagt: Wer von beiden weniger, gar nicht oder voll arbeitet, ist Privatsache. Ebenso, ob beide einem Teilzeitjob nachgehen. Das zu ermöglichen, wäre Aufgabe des Staates, der Wirtschaft und der Gesellschaft, die daran interessiert sein müssten, die Burnout-Diagnosen der angestellten Bevölkerung so niedrig wie möglich zu halten. Es wäre deshalb klug, einmal grundsätzlich über unsere Arbeitsstunden nachzudenken. Die Schweiz gehört zu den Ländern mit den höchsten Präsenzzeiten. Doch ist es tatsächlich sinnvoll, dass ein Arbeitstag acht oder achteinhalb Stunden dauert, wenn neurologische Studien beweisen, dass Menschen nicht mehr als vier Stunden täglich konzentrationsfähig sind? Würde es mit einem Arbeitstag von fünf oder sechs Stunden nicht ebenso gut funktionieren? In Göteborg experimentieren Unternehmen seit Kurzem mit einem Sechs-Stunden-Arbeitstag – bei gleichem Gehalt. Angestellte eines Pflegeheims, eines Krankenhauses, einer Fabrik und eines Tech- Start-ups arbeiten nur 30 Stunden pro Woche. 
Noch vor 20 Jahren wurden Kinder bemitleidet, die eine Krippe besuchen mussten.
Das Resultat lässt auf horchen: Die Angestellten sind nicht nur motivierter und weniger erschöpft, sondern auch zufriedener, weil mehr Zeit für die Familie bleibt. Apropos Skandinavien: Die Dänen – die 35-Stunden-Woche ist dort wie übrigens auch in unserem Nachbarland Frankreich längst die Regelstufen Familienleben und Freizeit höher ein als ihre Arbeit. Wer meint, in Dänemark seinem Chef mit langen Arbeitsstunden zu imponieren, sei auf dem Holzweg, schreibt Rahel Leupin, eine Doktorandin, die an der Universität Roskilde arbeitet und mit ihrer Familie seit zwei Jahren in Dänemark lebt, in einem Blog des «Tages-Anzeiger». Tue man das, trete das Gegenteil ein, man ernte besorgte Blicke von Kollegen und vielleicht sogar eine Verwarnung des Vorgesetzten, doch bitte die Familien- und Freizeit zu wahren. Spätestens um 16 Uhr wird die Bürotüre ganz selbstverständlich zugemacht – übrigens auch vom Chef. In Dänemark sorgt es noch nicht einmal für Erstaunen, wenn die Chefin der IT-Abteilung einer grossen Bank jeden Tag um 14.30 Uhr verschwindet, weil sie vier Kinder hat. Ja, Sie haben richtig gelesen: die Chefin der IT-Abteilung. Vier Kinder. Geht um halb drei nach Hause. In der Schweiz ist das die Zeit, in welcher der Sitzungsmarathon in vollem Gange ist
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Fotograf Jan von Hollebe

Die Bilder für dieses Dossier stammen vom deutschen Fotografen, Künstler, Illustrator und Autor Jan von Holleben. Zu seinem Universum gehören neben der Kamera, vielen kleinen und grossen Spielkindern und haufenweisen Alltagsgegenständen auch literweise Kräutertee, Tonnen an Müesli sowie kunterbunte Socken. Seine Website: www.janvonholleben.com

Infos, Links und Buchtipps zum Thema

  • Gemeinsam Regie führen. Ein Impuls der Gleichstellungsfachstellen der Kantone Bern, Luzern, Zürich, der Fachstelle UND sowie des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann: www.gemeinsam-regie-fuehren.ch

  •  Fachstelle UND, Familien- und Erwerbsarbeit für Männer und Frauen: www.und-online.ch

  • Informations- und Beratungszentrum Frau und Arbeit: www.frac.ch .


  • Sibylle Stillhart: Müde Mütter – fitte Väter. Warum Frauen immer mehr arbeiten und es trotzdem nirgendwohin bringen. Limmat- Verlag, 2015. 110 Seiten, Fr. 23.90

  • Michèle Roten: Wie Mutter sein. Echtheit-Verlag, 2013. 176 Seiten, Fr. 31.90

  • Marc Brost, Heinrich Wefing: Geht alles gar nicht. Warum wir Kinder, Liebe und Karriere nicht vereinbaren können. Rowohlt-Verlag, 2015. 240 Seiten, Fr. 18.30

  • Susanne Garsoffky, Britta Sembach: Die Alles-ist-möglich-Lüge. Wieso Beruf und Familie nicht zu vereinbaren sind. Pantheon-Verlag, 2014.  256 Seiten, Fr. 20.40

  • Stefanie Lohaus, Tobias Scholz: Papa kann auch stillen. Wie Paare Kind, Job und Abwasch unter einen Hut bringen. Goldmann-Verlag, 2015. 224 Seiten, Fr. 10.30

Sibylle Stillhart ist freie Journalistin und Buchautorin («Müde Mütter – fitte Väter»). Sie ist Mutter von drei Buben und lebt mit ihrer Familie in Bern.

Mehr zum Thema Vereinbarkeit: 

Dieser Text erschien innerhalb unseres Dossiers zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Lesen Sie alle Texte in der Ausgabe 11/16. Sie können diese hier bestellen.

Ausserdem haben wir ein grosses Online-Dossier zum Thema Vereinbarkeit für Sie zusammengestellt. 

21 Kommentare

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Von Doria am 09.07.2019 23:49

Diesen Artikel las ich, als er gerade frisch gedruckt im F&F-Magazin erschien.
Der Inhalt ärgert mich heute nicht weniger als damals.
Was mich besonders daran stört?

Der gesamte Text reproduziert traditionelle Stereotypen auf eine Art und Weise, wie es kaum zu ertragen ist.

Die Message lautet: Ihr Frauen, die Ihr glaubt, Euch an einem gleichberechtigten Leben aufreiben zu müssen, - seid doch nicht so dumm!
Die Vereinbarkeit ist eh unmöglich!
Regent Euch gefälligst Eurem biologischen Schicksal!

Ich empfinde die im Text zum Ausdruck gebrachte Haltung als sehr überholt und frauenfeindlich.
Warum wird nicht ausgewogener recherchiert?
Warum werden Frauen hier so dermaßen reduziert dargestellt?

Warum kommt man nicht mit wirklich konstruktiven Vorschlägen zur Erleichterung der Vereinbarkeit?

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Von Renata am 13.12.2018 09:20

Jammern auf hohem Niveau? Was ist denn mit euch los? Teilzeit zu arbeiten in der Schweiz ist leider seeehhr schwierig, nicht alle haben eine KV ausbildung, oder eine Ausbildung die erlaubt von Zuhause aus zu Arbeiten oder Teilzeit im Büro, mit Kind ist man nicht flexibel genug, höre ich immer und immer wieder von Arbeitgebern, 2 Tage am Stück zu arbeiten... schier unmöglich! Wir gehen nicht in die Ferien, haben ein Auto das auseinander fällt und kein Tag gewiss ist ob ich noch von A nach B komme, eine günstige Wohnung wo die hälfte nicht funktioniert und da lese ich kommentare wie, ob wir verweichlicht sind, damals war Frau allein, Hof, Tiere, Haus etc? Mal überlegt dass das Leben heute um einiges teurer ist? KK, Miete, Auto, Versicherung etc?? Früher waren viele selbstversorger was heute nicht mehr wirklich geht, oder wie erklärt ihr euch dass das viele Bauern nebenbei noch einen Vollzeitjob machen müssen, genau, weil es hinten und vorne nicht mehr reicht. Wenn man dann schon vergleicht zu früher dann bitte alles nicht nur ein teil davon. Die Schweiz ist in der Sache Familie in den 60 Jahren stecken geblieben, statt mehr KITA plätze zu schaffen wäre mal angebracht den Mutterschaftsurlaub zu verlängern. Im Grunde genommen will JEDE Mama für ihre Kinder da sein, das hat nichts mit dem zu tun das man nicht arbeiten will, aber wie in einem Komentar erwähnt, wenn Frau nicht am Ball bleibt wird der Berufseinstieg extrem schwierig. Also hört doch auf mit dem 5- und Weggli und jammern auf hohem Niveau, so und jetzt dürft ihr mich aufhängen.

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Von Eva am 11.12.2018 18:29

Ja, die Kinder kommen nicht zu Wort. Ich war vor 25 Jahren eines dieser Kitakinder die Bemitleidet wurden. Und ich war mächtig stolz auf meine Mutter, sie hatte ein schlechtes Gewissen. Ich war jedoch zufrieden, hatte viel Freunde und eine gute Zeit. Zudem ein sehr gutes Verhältnis zu meiner Mutter und hatte nie, das Gefühl zu kurz zu kommen. Sie jat zuerst 80% und dann wieder 100% gearbeitet. Ich habe nun selbst eine Tochter und arbeite 80% mit einem Tag Homeoffice. Meine kleine ist sehr zufrieden und ich liebe meinen Job. Wenn man 80% arbeitet entsteht weniger Hausarbeit , da wir ja auch nicht so viel zu Hause sind.

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Von Jacky am 20.02.2018 18:38

Bringt doch mal ein Beispiel einer Fabrikarbeiterin und ihrem Hilfsjob Ehemann! Dieser Bericht ist einfach nur jammern auf hohem Niveau! Wer es sich leisten kann zu Hause zu bleiben sollte einfach mal ruhig sein und zufrieden!

Von Cindy am 28.06.2018 07:30

Sehe ich genauso. Jammern auf hohem Niveau. Erlebe ich tagtäglich bei unseren "armen" Führungskräften. Aber der Artikel heißt ja auch Vereinbarkeit von Familie und "Karriere" und nicht Beruf! Wahrscheinlich beschäftigen diese Elternpaare eine Putzfrau und haben zudem ein AuPair zu Hause als Unterstützung oder könnten es sich zumindest leisten. Bei Familien, wo beide Elternteile aus finanziellen Gründen arbeiten müssen, wird das Thema nicht in den Mittelpunkt gestellt, weil man keine andere Wahl hat, da kein zweiter Großverdiener im Haushalt lebt.

Von Julie am 27.08.2018 21:51

Es muss nicht mal eine Fabrikarbeiterin und Hilfsarbeiter sein. Als „Bürogummiehepaar“ (beide nicht Kader) kannst dus auch vergessen, dass eins zu Hause bleibt. Es werden heute nicht mehr die gleichen Löhne bezahlt wie früher oder besser gesagt, die Lebenshaltungskosten sind gegenüber früher enorm gestiegen, die Löhne stagnieren...

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Von Nicky am 21.02.2018 09:40

Wir leben das traditionelle Familienmodell aber umgekehrt. Mein Mann übernimmt den grössten Teil des Haushaltes sowie der Kinderbetreuung. Ich arbeite nach 4 Monaten Mutterschutz wieder 100 Prozent, helfe aber zuhause viel mit im Haushalt und mit den Kindern.
Ich erlebe es so, dass viele Leute mir unterschwellig Vorwürfe machen und kein Verständnis haben, dass ich wieder voll arbeite.
Meiner Meinung muss sich zuerst das Rollenverständnis in der Schweiz in den Köpfen noch stärker ändern, dann werden auch Firmen nachziehen und die Bedingungen besser werden. Ich empfinde die Schweiz als konservativ.

Von Anna am 11.12.2018 09:13

Finde es toll, dass Euer Modell klappt. Habe mehrere Familien kennen gelernt, in denen SIE voll arbeitet und ER sich hauptsächlich um Kinder und Haushalt kümmert. Und ich als Frau, die im traditionellen Modell gefangen sitzt, habe nicht das Gefühl, dass die Männer an Männlichkeit einbüssen. Sie gehen am Abend auch ihren Hobbys nach und schauen zu sich. Das müssen wir Frauen erst lernen, damit jeder in dem gewählten Modell glücklich wird.

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Von Magdalena am 18.12.2018 11:39

Es gibt ein Thema im Artikel, mit dem ich nicht einverstanden bin: Es sei Privatsache der Eltern zu überlegen, wer Erwerbsarbeit wie reduziert bzw. aufgibt. Wie Renata und andere bereits richtig geschrieben haben, können sich viele Paare das gar nicht leisten.
Bei den anderen Paaren ist es nur einleuchtend, dass die Person reduziert, die weniger verdient. Aber das ist keine Privatsache! Frauen mit gleicher Ausbildung, gleichen Noten usw. erhalten in der Schweiz nach wie von 7% weniger Lohn für dieselbe Arbeit wie ein Mann!
http://www.snf.ch/de/fokusForschung/newsroom/Seiten/news-131218-medienmitteilung-lohnungleichheit-nfp60.aspx
Jeder Versuch, die in der Verfassung festgesetzte Lohngleichheit ein klein wenig zu kontrollieren, wurde bisher vom Parlament blockiert. Das ist keine Privatsache. Und solange das nicht bereinigt ist, ist auch der in hunderten Paaren jeweils individuell und unabhängig gefällte Entscheid, dass die weniger verdienende Frau ihre Erwerbsarbeit rezudiert, keine Privatsache.

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Von Katrin am 13.09.2017 11:04

Ich sage nicht, dass das Jonglieren einfach ist. Aber aus dem Ausland betrachtet, hoert sich das Dauerjammern des Schweizer Mittel- bis Oberstandes doch sehr verwoehnt an. Erstens GIBT es Teilzeitstellen. Zweitens sind die meisten Familien NICHT auf ein volles Doppeleinkommen angewiesen - schaut Euch mal auf der Welt um (oder OECD Statisken) und sagt mal danke fuer das durchschnittliche Lohnniveau! Dass viele Frauen die Wahl haben, sich die Frage zu stellen, ob und wie sie arbeiten moechten, ist ein Riesenprivileg!
Und der zweite Punkt ist die Mitarbeit des Partners. Ob diese in der Nacht aufstehen, einen Teil des Haushaltes uebernehmen oder am Sonntag morgen mal einen Ausflug mit den Kindern unternehmen - das ist nicht die Schuld der Wirtschaft oder des Gesestgebers, sondern eine Frage, die in der Partnerschaft ausgehandelt werden muss. Jammern hilft da gar nichts!
Und ja - Kind und Teilzeit und Karriere per sofort - da kommt schon der Gedanke nach Foifer-und-s'Weggli-Generation auf. Vielelicht ergibt sich das mit der Karriere ja, wenn die Kinder etwas groesser sind?

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Von Susanne am 09.09.2017 18:39

Ein schöner Artikel, der leider sehr wahr ist. Auch ich beschäftige mich mit dem Thema der Vereinbarkeit von Beruf und Familie auf meinem Blog berufung-und-familie.de. Irgendwas wird immer auf der Strecke bleiben, da man nicht allem und jedem gerecht werden kann, wie ich täglich erfahren muss.
Liebe Grüße
Susanne

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Von Simone am 27.01.2017 22:46

Aussagen wie "frühmorgens gab sie ihre Kinder in der Kita ab" sind unglaublich. Wieso wird der Mann nicht mit einbezogen? Nicht sie die Frau sondern sie das Paar geben ihre Kinder ab. Wieso machen Frauen diesen Wahnsinn mit? Eine berechtigte Frage!

Von Gordana am 06.05.2017 11:09

Das ist die beste Frage. Hinzufügen würde ich auch dass sich Frauen besonderes gegenseitig fertig machen. Denn dieser Komentar von Frauen die schwehr ihre Kinder in die Fremdebetreuung abgeben kommt meistens von Frauen. Auch in andere Richtung wenn Frauen arbeiten. Männer tun das nicht, denn sie haben wichtigeres zu tun. Nähmlich sich um ihre Karriere zu kümmern. Wir müssen zuerst unsere Irrtum sehen um Situation verändern zu können.

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Von Nancy am 25.11.2016 14:58

Besten Dank für diesen Text. Nach ausfüllenden, anstrengenden, interessanten erfolgreichen Jahren in der Arbeitswelt fällt es nicht immer einfach sich und anderen einzugestehen, dass ich nun einfach engagierte Vollzeit-Mami bin. Hausfrau. Dass ich sogar manchmal am Abend sehr erschöpft bin. Rechtfertigungen meinerseits lauten dann: Es ist halt auch viel, zwei Kleinkinder die liebevoll, mühevoll umsorgt und gefördert werden, ein Haus das in Schuss gehalten wird, der Hund der ja auch seine Bedürfnisse hat. Rechtfertigen tue ich mich deshalb, weil ich mich selber frage, wie bewältigten denn die vergangenen Generationen von Müttern, die vermutlich gar keine Unterstützung des Mannes geniessen konnten, das Kinderaufziehen hoch 5-10, Haushalten, ev. Arbeiten auf Hof oder im Geschäft des Mannes, Einkaufen, Backen, Kochen...
Bin ich verweichlicht? Sind wir die 5er-und Weggli-Generation von Müttern, die zuviel erwarten? Sind wir zu streng mit uns selber? Ist es uns zu wichtig, was die anderen von uns denken?
Ich komme für mich persönlich zum Fazit: ich habe jahrelang eine intensive Berufstätigkeit ausleben und trotz Stress geniessen dürfen. Nun werde ich meine Mutterschaft und die so innigen ersten Lebensjahre meiner süssen Kinder ebenso intensiv geniessen. Auch wenn es manchmal eintönig ist und die Bestätigung sich in Grenzen hält. Für mich stimmt es im Moment so. Was später kommt, weiss ich noch nicht. Zweifel bringen wahrscheinlich alle Familienmodelle mit sich, wenn man denn daran zweifeln lässt.

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Von Monika am 12.11.2016 22:20

Vielen Dank für diesen Artikel - er spricht mir aus dem Herzen! Ich bin selbst in die Falle getappt, habe über 7 Jahre versucht, Allem und Allen gerecht zu werden - ausser mir selbst. Das Resultat war ein Burnout, dass mich in meinen Grundfesten erschütterte und mich noch eine Weile begleiten wird.

> Auf diesen Kommentar antworten
Von Manuela am 12.11.2016 10:35

Wenn eine Frau aber ihre Arbeit zugunsten ihrer Kinder ganz aufgibt und einige Jahre keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgeht, hat sie danach so gut wie keine Chance mehr, in ihrem erlernten Beruf wieder eine Stelle zu finden. Schon gar nicht in einem Teilzeitpensum.
Wenn eine Frau einige Jahre in Teilzeit arbeitet, wird sie später für Weiterbildungen als zu alt und zu unflexibel (nicht mehr lernfähig) eingeschätzt. Sie habe ja jahrelang "nur Teilzeit gearbeitet und nichts mehr dazugelernt". Ausserdem ist Frau mit 45 oft "zu teuer", um bei einem Stellenwechsel oder einer Beförderung berücksichtigt zu werden!

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Von Ka am 10.11.2016 01:02

Danke für diesen Artikel. Genauso hab ich es auch erlebt. 10 Jahre habe ich Kaderjob, Partner, Haus, Kids, Familie, Freunde, Haushalt und Garten jongliert. Und es wurde nicht einfacher als die Kids älter wurden. Vom Chef musste ich mir mal sagen lassen, ich müsste halt meine Arbeit als Investition in meine Zukunft sehen...Es ist immer die Frage, welchen Preis man bereit ist zu zahlen, um alles unter einen Hut zu bringen. Irgendwann fragte ich mich für wen ich mich so abrackere....ich kam zum Schluss, dass meine Familie nix davon hat und habe den Job hingeschmissen. Ich bin eine dieser gut ausgebildeten Hausfrauen mit Tertiärabschluss, die nun Fulltime@home ist. Ist imfall ne ganz neue Erfahrung, die Wäsche mal tagsüber und nicht zwischen 21-24h zu erledigen.

Chapeau vor all jenen die das hinbekommen ohne selber auf der Strecke zu bleiben, ich hatte dazu zu hohe Erwartungen an mich und zu wenig Kraft den Dauerstress weg zu stecken.

Von Esther am 21.02.2018 20:45

Auch ich brauche die Arbeit auswärts. Sie befriedigt mich viel mehr als "nur" Hausarbeit.
Zum Glück habe ich eine gute Teilzeitstelle gefunden, bei der ich auch mit Home-Office arbeiten kann.
Wenn die Kids an meinem Büro-Tag krank sind schaut mein Mann - der kann das genau so gut!
Mein Haushalt ist sicher nicht top geführt - aber mich und meine Familie stört das nicht.

Es muss doch jede Frau selber wissen, was sie vom Leben will und wie sie das erreichen kann ohne sich kaputt zu machen.

Von Michelle am 05.02.2018 10:13

Danke für den Artikel, dem ich so zum Glück absolut nicht zustimmen kann. Vielleicht sind wir auch eine der wenigen Familien, die eine faire Aufteilung auch wirklich hinbringen. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Vereinbarkeit nicht Sache der Frau, sondern der ELTERN ist - und da gehört der Mann dazu. Wenn Männer wirklich die - sorry - Eier hätten, für Teilzeitjobs einzustehen, könnte die Last verteilt werden. Aber auch die Mütter müssten Ihre Rolle neu definieren und gewisse Verantwortung abgeben. Aber solange wir z.b. der Überzeugung sind, ein krankes Kind könne unmöglich von seinem Vater betreut werden, wird sich nichts ändern...

Loslassen und vertrauen sind meiner Meinung nach die Zauberworte für die Mütter.

Von Katrin am 13.09.2017 11:10

Ich glaube, im letzten Abschnitt sagst Du etwas wichtiges: zu hohe Erwartungen an sich selbst. Bei mir bleibt halt mal die Waesche liegen und es gibt ein ganz einfaches Wochenende-Menue. Aber mir tut es gut, auswaerts zu arbeiten, und fuer meine Familie ist das auch besser so, wenn es mir gut tegh. Und auch wenn Ende Monat etwas weniger uebrigbleibt: auslagern, soviel man kann - putzen, Waesche, Kindermenues kochen...

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Von Catherine am 09.11.2016 23:32

Danke für diese längst benötigte Demaskierung des Images einer leistungsmässig überagilen Mutter/Karrierefrau. Seelen gehen zu Bruch, Kinder nehmen Schaden, Beziehungen scheitern. All dies, weil Frauen suggeriert wird, emanzipiert zu sein bedeute 24 Stunden Verfügbarkeit - plus Nachtzeit ... Geändert hat sich wenig im Lauf der Jahre, die Frau hat einfach ein noch engeres Rollenkorsett erhalten: bei gleichgebliebener Hauptverantwortlichkeit im Bereich Kinder und Haushalt jetzt noch ein statusmässig bedingter, erschöpfender Vollzeitjob. Warum machen Frauen diesen Wahnsinn bloss mit?!

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