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Familienleben

«Unvorstellbar, wie krisenfest Kinder werden können»

Nach 21 Jahren Beziehung bricht die Ehe von Georges Morand auseinander. Die Scheidung stürzt die Familie in eine schwere Krise. Die Kinder, damals 14, 14, 16 und 19, entscheiden sich, zusammenzubleiben und beim Vater zu wohnen. Im Interview erzählen Vater und Kinder, wie sie damit umgegangen sind.
Interview: Fabian Grolimund und Stefanie Rietzler
Bild: Salvatore Vinci / 13 Photo

Georges Morand, wie haben Sie die Trennung von Ihrer damaligen Frau erlebt?

Georges Morand: Die Familie war neben dem Beruf mein grosser Traum. Ich musste Abschied nehmen von diesem Traum und dem, was ich mir für das Aufwachsen meiner Kinder gewünscht hatte. Die ganze Situation konnte ich kaum einordnen. Da war so viel Wut, Trauer, Verzweiflung. Ich war überfordert. Plötzlich musste ich für mich einen Umgang damit finden und mir gleichzeitig überlegen, wie die Kinder das schaffen. Ich musste ja auch 100 Prozent weiterarbeiten und wusste nicht, wie das alles gehen soll.

Sie haben sich viele Sorgen um die Kinder gemacht?

Georges Morand: Ja. Ein zerbrochenes Elternhaus ist immer schwer für Kinder. Ich weiss, dass kein perfektes Lebensumfeld nötig ist, aber ich fand, dass unsere Trennung zu umgehen gewesen wäre.

Für euch kam die Trennung ähnlich überraschend?

Nadine: Ja. Mama und Papa haben sich vor uns nie gestritten. In unserem Umfeld waren sie oft ein Vorbild für andere Paare. Ich war damals 19 und hatte eine sehr enge Beziehung zu meiner Mutter und hätte nie gedacht, dass sie sich einfach so neu verlieben könnte. Ich glaube, deswegen war es besonders tragisch, weil meine Eltern vorher so ein gutes Team waren.
«Papa braucht uns mehr als unsere Kollegen beim Feiern.»
Nicola: Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, an dem wir erfahren haben, dass Mama sich neu verliebt hat. Das war ein riesiger Schock. Nach dem emotionalen Gespräch meinte mein Vater, dass er uns für diesen Tag von der Schule abmelde. Aber ich wollte trotzdem hin, den Alltag normal weitermachen. In der Schule habe ich gemerkt, dass das nicht so einfach ist. Aber wir hatten in den ersten Monaten alle die Hoffnung, dass unsere Eltern wieder zusammenkommen und alles wieder gut wird.
Viola: Als wir aber realisierten, dass wir als gesamte Familie nicht zusammenbleiben können, war es für uns Kinder eine unfassbare Tragödie. Wir haben viel geweint. Ich konnte mir kaum vorstellen, was nun auf uns zukommt, wie sich ein Zuhause ohne unsere Mutter anfühlt und wann wieder Normalität und der «Alltag» einkehren. 
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Wie seid ihr damit umgegangen?

Patric: Für mich brach eine Welt zusammen. Ich fiel in ein Loch, war wütend und konnte es nicht verstehen. Wir verloren einen Teil der Familie, damit konnte ich nicht umgehen.
Nicola: Am Anfang mussten wir alle einfach funktionieren. Wie Papa immer gesagt hat, waren wir jetzt eine WG, und alle mussten mit anpacken. Die Aufgaben im Haushalt wurden aufgeteilt: kochen, Wäsche machen, putzen.
Viola: Mein Zwillingsbruder Nicola und ich haben sicher ein Stück weit auf unsere Pubertät verzichtet. Andere gingen am Wochenende aus, wir wollten lieber daheim wieder Normalität und der «Alltag» einkehren.

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