«Corona war in der ersten Welle für uns sehr weit weg»
Familienleben

Serie: Familien und Corona weltweit – Teil 8

«Corona war in der ersten Welle weit weg»

Wie geht es Familien im Ausland in der Corona-Zeit? Was wünschen sie sich und wie werden sie Weihnachten verbringen? Wir haben uns auf die Suche gemacht und einige Familien in anderen Ländern befragt. Hier berichtet Elke Perzl, wie die Situation in Spanien aussieht.
Redaktion: Hanna Lauer
Bilder: Privat /
Elke Perzl
Elke und Jesús leben mit ihren zwei Kindern Marta, 7, und Theo, 5, seit 2015 in Madrid. Elke ist selbstständig im Online-Marketingbereich und Jesús ist Strategieberater.

Wie ist aktuell die Situation mit dem Coronavirus in Ihrem Land?

In Spanien wurde nun schon zum zweiten Mal der Notstand (estado de alarma) ausgerufen. Nach einem kompletten Lockdown von Mitte März bis Mitte Juni, als man das Haus zunächst nur zum Einkaufen und dann nur eine Stunde am Tag zu bestimmten Tageszeiten verlassen durfte, gibt es eine allgemeine Maskenpflicht im öffentlichen Raum. Zudem gilt die Ausgangsperre nachts und die Begrenzung von privaten Treffen oder im öffentlichen Raum liegt bei sechs Personen. Dies ist unabhängig von Haushalten geregelt und bedeutet, dass wir uns nicht mit einer zweiten Familie treffen dürfen, weil dann die maximale Personenzahl überschritten würde. Dafür sind aber Restaurants und Geschäfte mit reduzierter Kundenzahl geöffnet. Auch Museen oder Fitnessstudios sind mit angepasstem Hygienekonzept geöffnet.
 
Wir bleiben nach der Schule deshalb grösstenteils unter uns und laden nur ab und zu einzelne Kinder zu uns in den Garten zum Spielen ein, glücklicherweise erlaubt das das Wetter in Madrid noch.

Die Kinder gehen aber ganz normal in die Schule und es gibt sogar ausgewählte ausserschulische Aktivitäten nachmittags, wie Fussball oder sonstige Sportarten draussen. Die Kinder müssen ab sechs Jahren den gesamten Schultag über die Masken tragen. Daran haben sie sich aber unglaublich schnell gewöhnt und demnach läuft der Schulalltag fast ganz normal. 

Wie ist die Arbeitssituation bei Ihnen und Ihrem Mann?

Ich arbeite freiberuflich und immer von zuhause aus. Mein Mann geht seit September nur in Ausnahmefällen ins Büro, die meiste Zeit arbeitet auch er im Homeoffice. 

Wie ist die Kinderbetreuung organisiert?

Die Schule und die ausserschulischen Aktivitäten laufen bisher ganz normal weiter, daher sind die Kinder täglich bis 14 Uhr in der Schule und nachmittags wechseln wir uns mit der Kinderbetreuung ab. Dies ermöglicht uns sogar eine flexiblere Einteilung, da die nachmittägliche Kinderbetreuung bisher allein bei mir lag. Da mein Mann nun zuhause ist, kann auch er dies übernehmen. 
Natürlich müssen wir dadurch aber auch abends nochmal arbeiten. 

Im totalen Lockdown war die zusätzliche Kinderbetreuung und Homeschooling während des Homeoffice eine extreme Belastung, weil ja alles gleichzeitig passieren musste. Das hat uns zeitweise schon an unsere Grenzen gebracht. 
Daher hoffen wir, dass die künftigen Massnahmen so aussehen, dass Schulen so lange wie möglich geöffnet bleiben.
Anzeige

Wie nah ist Corona? Waren Sie selber schon in Isolation oder Quarantäne?

Seltsamerweise war Corona in der ersten Welle für uns persönlich sehr weit weg. Wir kannten niemanden in unserem engeren Umfeld, der Corona hatte und auch von verstorbenen Angehörigen hatten wir nur im entfernteren Kreis gehört. Allerdings waren wir auch aufgrund des totalen Lockdowns und der extrem hohen Arbeitslast mit Homeschooling und Arbeit gleichzeitig mit wenig Leuten in Kontakt. Da kriegt man auch viel weniger mit.

Jetzt ist alles viel näher. Enge Freunde waren infiziert, Klassenkameraden unserer Kinder in Quarantäne. Persönlich sind wir bisher aber verschont geblieben. Wir mussten bisher nicht in Quarantäne, allerdings kann uns die Aussicht auf 10 Tage Quarantäne nach unserem dreimonatigen Komplett-Lockdown auch nicht so sehr erschrecken. 

Ist Impfen schon ein Thema bei Ihnen?

In Spanien ist die Impfung bisher noch nicht zugelassen, aber natürlich ist auch hier die Hoffnung gross, dass die Impfung in absehbarer Zeit wieder etwas Normalität bringt.

Weihnachten steht vor der Tür: Wissen Sie schon, wie Sie feiern werden?

Da wir sehr weit weg von all unseren Familienangehörigen wohnen, werden wir Weihnachten dieses Jahr im ganz kleinen Kreis feiern. Reisen ist ja aktuell keine gute Idee. Dafür haben wir aber schon Pläne für gemeinsames Musizieren über Videokonferenz geschmiedet, um trotzdem mit unseren Lieben in Kontakt sein zu können. Und dann holen wir die persönliche gemeinsame Zeit hoffentlich bald nach. 

Wie erleben Sie die Situation als Ganzes: Hat Corona dem Familienleben ungewohnte Türen geöffnet oder eher für zusätzlichen Stress gesorgt?

Generell geht es uns damit recht gut. Wir hatten uns im ersten Lockdown trotz allem Stresses ganz tolle kreative Projekte ausgedacht, die wir als Familie gemeinsam erlebt haben. Für solche Dinge war in unserem normalen Alltag bisher kaum Zeit. Wir haben unglaublich viel gebastelt, gemeinsam Tänze einstudiert, uns Theaterstücke ausgedacht, Mottoparties zu viert veranstaltet …

Mit der Zeit wurde dies natürlich weniger und je länger der Lockdown dauerte, umso anstrengender wurde es. Trotzdem hat uns die Zeit zusammen gutgetan und wir haben uns erstaunlich gut vertragen.

Was wünschen Sie sich für 2021?

Obwohl diese Zeit für uns ganz persönlich auch von einigen positiven Dingen geprägt war, war natürlich die dramatische Gesamtlage vor allem hier in Spanien und die Unsicherheit immer sehr präsent. Sehr sehr viele Familien haben geliebte Menschen verloren. Der Lockdown auf engstem Raum hat viele in finanziell dramatische Lagen gebracht und dieses Wissen hat uns sehr belastet und umgetrieben.
 
Daher wünschen wir uns sehr, dass die Impfung eine schnelle Rückkehr in die Normalität bringt. Vor allem möchten wir unsere Familien gerne wiedersehen und unsere Lieben mal wieder umarmen dürfen.
 
Dennoch wünschen wir uns auch, dass wir einige kleine Rituale aus dieser Zeit beibehalten.

Lesen Sie in Teil 9 unserer Serie Familien im Corona-Alltag auf der ganzen Welt wie die Situation in England aussieht. Alle bisher erschienen Familienporträts können Sie hier nachlesen: Familien und Corona weltweit.

Mehr zum Thema Corona:


  • «Niemand kann zur Corona-Impfung gezwungen werden»
    Die angekündigte Impfung gegen Corona bringt für viele Leute Hoffnung, bei vielen kommen aber gleichzeitig viele Ängste hoch. Franziska Sprecher, Direktorin des Zentrums für Gesundheitsrecht und Management im Gesundheitswesen, über ein Impf-Obligatorium für besondere Personengruppen und die Frage, ob Schulen eine Impfung verlangen können.

  • Wie viel Corona können Eltern ihren Kindern zumuten?
    Die zweite Corona-Welle ist hier und täglich sind wir mit Nachrichten über Neu-Infektionen und neuen Vorgaben konfrontiert. Wieviel davon sollen Eltern ihren Kindern zumuten? Und wie reagiert man, wenn das Viruswirklich nah ist; Freunde, Verwandte oder das Kind selbst betrifft? Jugendpsychologin Nadine Messerli-Bürgy gibt Antworten.

  • Dossier Coronavirus
    In diesem Dossier werden laufend alle Artikel gesammelt, die relevante Themen für Familie beinhalten.

0 Kommentare

Zugehörige Tags

Hat Ihnen unser Artikel gefallen? Unterstützen Sie unser Engagement für Eltern mit einer Spende!

Diesen Artikel kommentieren

Diese Webseite nutzt Cookies. Cookies werden zur Benutzerführung und Webanalyse verwendet und helfen dabei, diese Webseite zu verbessern. Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit unserer Cookie-Police einverstanden. Mehr Infos hier.