Chiara und Curdin Erni-Biondi: «Irgendwann reichts»
Familienleben

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«Irgendwann reichts»

Bei Chiara, 40, und Curdin Erni-Biondi, 41, aus Scuol GR kommen Beziehungskrisen jeweils im Winter: Den verbringt der Familienvater mehrheitlich auf dem Berg, was seine Frau oft an die Grenze bringt. Dafür haben die Eltern von Andri, 10, Lia, 9, und Charlie-Corsin, 2, im Sommer selten Streit.
Text: Virginia Nolan 
Bild: Rita Palanikumar / 13 Photo
Chiara: «Als wir uns vor 16 Jahren kennenlernten, suchten wir beide keine feste Beziehung.»
 
Curdin: «Gefallen haben wir uns schon. Wir feierten öfter gemeinsam.»

Chiara: «Wir hatten eine Abmachung: Wenn wir uns im Ausgang über den Weg laufen, gehen wir zusammen heim – aber es werden keine Nummern getauscht.»
 
Curdin: «Dann rief sie trotzdem an.»

Chiara: «Die Leichtigkeit von damals haben wir uns bewahrt. Wir sind Kindsköpfe und lachen oft.»

Curdin: «Manchmal rennt Chiara noch vor den Kindern auf die Schaukel. Diese unbändige Fröhlichkeit ist toll. Sie kann aber auch beim Streiten aufdrehen.»
 
Chiara: «Streiten hat Curdin mit mir gelernt. Er wusste nicht, wie man Probleme anspricht.»

Curdin: «Stimmt. Ich mag es halt nicht, wenns laut wird.»

Chiara: «Dagegen haben wir eine Strategie ­entwickelt: Wenn abends im Bett das Licht aus ist, darf jeder drei Dinge anbringen, die er für verbesserungswürdig hält.»

Curdin: «Im Winter arbeite ich viel. Ich bin ­stellvertretender technischer Leiter bei den Bergbahnen und gestalte den Snowpark für Freestyler. Je nach Schneefall dauert der Einsatz bis spät in die Nacht oder beginnt morgens um drei Uhr. Ich arbeite sechs Tage am Stück.»
 
Chiara: «Wenn ich im Alleingang die Kinder betreuen, den Haushalt schmeissen und meinen 40-Prozent-Job als Pharmaassistentin stemmen muss, gehen mir am Tag fünf oft Puste und Nerven aus.»

Curdin: «Leider habe ich auf meine Arbeitszeiten nur bedingt Einfluss. Oft macht mir das Wetter einen Strich durch die Rechnung.»

Chiara: «Wie am Geburtstag unserer Tochter: Da musste er ausrücken, bevor die Familie eintraf, und war erst vor Mitternacht zurück. Ich hätte die Wand hochgehen können.»
 
Curdin: «Ich liebe meinen Job. Aber es tut mir weh, zu sehen, wie viel dadurch an Chiara hängen bleibt.»

Chiara: «Curdin ist so glücklich auf dem Berg, das freut mich. Trotzdem bin ich manchmal gefrustet: Sein Job gibt ihm viel, das kann ich vom Kochen und Haushalten nicht behaupten. Meinen Beruf mag ich, aber er ist eine organisatorische Herausforderung, wenn ich zu Hause allein am Ruder bin. Ich bin gerne mit den Kindern zusammen, aber auch da reichts irgendwann mal.»

Curdin: «Was uns als Paar durch den Winter hilft, ist die Aussicht auf den Sommer. Dann habe ich normale Arbeitszeiten – und Papitag am Freitag.»
 
Chiara: «Im Sommer gibts fast nie Krach.»
 
Curdin: «Da zeigt die Tatsache, dass wir Anfang Jahr wenig voneinander haben, ihre Wirkung: Wir geniessen unsere Zeit zusammen.»
 
Chiara: «Dass wir in den kalten Monaten oft getrennt sind, führt wohl dazu, dass wir uns im Sommer heiss lieben. Und noch heute nicht die Finger voneinander lassen können – das geniessen wir beide sehr.»

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