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Familienleben

6 Fragen an den Schlafforscher

Können Kinder zu wenig schlafen? Und warum sind eigentlich die Erwartungen der Eltern so hoch? Wir haben mit Schlafforscher Peter Hunkeler gesprochen.
Text: Claudia Landoldt
Foto: 
Gabi Vogt / 13 Photo
Herr Hunkeler, können Kinder zu wenig schlafen?
Nein. Ein gesundes Kind nimmt sich den Schlaf, den es braucht.

Kinder können Schlafdefizite gut wegstecken?
Kurzzeitige Defizite auf jeden Fall. Bei einer Studie unter Jugendlichen zeigte sich beispielsweise kein Einfluss auf die Gedächtnisleistung und Aufmerksamkeit, ob sie während vier Nächten fünf oder neun Stunden schliefen. Die Tiefschlafdauer blieb bei allen Teilnehmern konstant.

Manchmal will der Nachwuchs einfach nicht ins Bett, was zu unschönen Szenen führt.
Das ist eine Frage der Normvorstellungen. Wir stellen fest, dass Eltern generell eine bestimmte Erwartungshaltung an ihr Kind haben, sei es in Bezug auf deren Verhalten, auf die schulischen Leistungen oder eben an deren Schlafbedürfnis.

Was heisst das konkret?
Sie beharren beispielsweise auf einer festen Schlafdauer und überschätzen nicht selten den kindlichen Schlafbedarf. Kinder sind aber sehr verschieden.

Was bedeutet das für die Praxis?
Man muss die Bettzeit an das individuelle Schlafbedürfnis anpassen, sonst kommt es zu den unschönen Szenen. Die Fehlinterpretation des kindlichen Schlafbedarfs, fehlende Tagesstrukturen sowie falsche Einschlafgewohnheiten sind die häufigsten Ursachen für Schlafstörungen im Kindesalter.

Fast jedes dritte Kind hat Mühe, ein- oder durchzuschlafen. Warum sorgen sich die Eltern so?
Wenige Eltern sprechen über die Schlafprobleme ihrer Kinder, weil sie denken, dass es sich um ein erzieherisches Problem handelt. Sie denken, sie seien der Fehler im System. Das kann zu grosser Verunsicherung und vielen Sorgen führen.
Dr. Peter Hunkeler Bild: zVg
Dr. Peter Hunkeler Bild: zVg

Dr. Peter Hunkeler
ist Kinderarzt FMH mit Schwerpunkt Entwicklungspädiatrie und Oberarzt an der Abteilung Entwicklungspädiatrie am Kinderspital Zürich.

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