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Berufswahl

Buchhalter? Malerin? Pilot? Eltern-Tipps für die Berufswahl

Es ist eine der wichtigsten Entscheidungen im Leben: Welchen Beruf will ich lernen? Ein Lehrer erzählt, wie die Schule die Jugendlichen in der Berufswahl begleitet und wie die Eltern ihre Kinder am besten unterstützen. 
Text: Samuel Zingg
Arbeiten Sie noch in dem Beruf, den Sie einst gelernt haben? Wenn ja, sind Sie heute eher die Ausnahme. Die Zeiten, als man Schreiner, Lehrer, Maurer oder Kaufmann lernte im Glauben, diesen Beruf bis zur Pensionierung auszuüben, sind vorbei. Auch definiert man sich in der heutigen Gesellschaft zunehmend nicht mehr nur über den Beruf. Der Druck auf Jugendliche, sich für den einen richtigen Beruf zu entscheiden, müsste also abgenommen haben.
Meine Erfahrung ist eine andere. Ich bin Klassenlehrperson einer zweiten Sekundarklasse und stehe mit den Jugendlichen gerade mitten im Berufswahlprozess. Es zeigt sich: Aus über 230 Berufen den richtigen zu wählen, stellt immer noch eine grosse Herausforderung dar. Was machen wir in der Schule? Und was können Eltern zu einem gelungenen Berufswahlprozess beitragen?

Auch Fächer wie Musik, Werken und Sport sind wichtig

Die «Berufliche Orientierung», so heisst das Fach im neuen Lehrplan, startet im Frühling der ersten Sekundarschulklasse und dauert bis in den Herbst des letzten obligatorischen Schuljahres. Bis dann sollten sich die meisten Schülerinnen und Schüler in einem Bewerbungsprozess befinden. Bis dahin sollten sie wissen, was sie können und was sie mit ihren Voraussetzungen machen wollen.
Meist wissen Jugendliche beim ­Besuch eines Betriebs bereits 
nach zwei Stunden, ob ihnen ein Beruf zusagt oder nicht.
In einem ersten Schritt habe ich versucht, den Schülern viele Möglichkeiten zu geben, um sich selbst kennenzulernen: Worin bin ich gut? Was mache ich gerne? Welches sind meine Stärken und Schwächen? Die Schule fördert die persönlichen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler, um sie zu befähigen, eine gute Entscheidung zu treffen: Sie schreiben über sich selbst, lernen Ad­­­jektive und Verben, werden – auch provokativ – mit persönlichen Fragen konfrontiert, be­­kommen verschiedene Aufgaben, die unterschiedliche Kompetenzen wie Fingerspitzengefühl, logisches Denken oder Handgeschick erfordern. 
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Wir versuchen, an der Schule ein Umfeld zu schaffen, in welchem die Jugendlichen ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten entdecken können.

Wichtig sind auch Fächer wie Musik, Werken, Handarbeit, Kochen und Sport, die ich als Klassenlehrperson nicht oder nur selten mit allen unterrichte – ich vernetze mich dafür mit den anderen Lehrpersonen. Gelingt der Prozess der ersten Selbstfindung gut, können sich die Jugendlichen in der Regel gut auf die Berufswahl einlassen. Können sie sich von Gruppendynamiken lösen, dann kommen sie meist auch zu einer guten Entscheidung.

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