Ernesta von Holzen: «Wer nie gelernt hat Probleme zu lösen, hat Mühe bei der Berufswahl»
Berufswahl

«Wer nie gelernt hat Probleme zu lösen, hat Mühe bei der Berufswahl»

Die Psychotherapeutin Ernesta von Holzen sagt, die Entwicklung des Gehirns erinnere während der Pubertät an eine Grossbaustelle. Die Laufbahnberaterin über die Berufswahl in einer Zeit, in der sich die Psyche von Jugendlichen stark verändert – und die Geduld der Eltern auf eine harte Probe gestellt wird.
 Interview: Stefan Michel
Bild: rawpixel.com

Frau von Holzen, die Berufswahl fällt für viele mit der Pubertät zusammen. Wie wirkt sich das aus?

In dieser Entwicklungsphase geht vieles einher: Die Jugendlichen lösen sich von ihren Eltern, sie entwickeln ihre eigene Identität. Gleichzeitig findet ein kompletter Umbau des Gehirns statt, Tau­sende Synapsen werden gelöscht und neue gebildet. Die Jugendlichen haben deshalb einen Mangel an Selbststeuerung, sind impulsiv. Es können auch leichter psychische Schwierigkeiten entstehen.

Wie verändert sich das Verhältnis von Jugendlichen zu ihren Eltern in dieser Zeit?

Vorher haben die Eltern die Regeln definiert und das Kind musste sich daran halten. Mit Teenagern müssen sie viel mehr aushandeln. Die Eltern müssen aber weiterhin Leitplanken setzen, innerhalb derer sich ihre Kinder bewegen dürfen. Wenn die Eltern selber Mühe mit der Ablösung haben, überfürsorglich werden oder viel kontrollieren wollen, wird es für beide Seiten schwierig. Ebenso, wenn Vater und Mutter ihrem Kind schon zu viel Verantwortung geben, indem sie sagen: Das kannst du selber entscheiden, du wirst ja jetzt erwachsen. Zu viel Verantwortung überfordert Jugendliche.
Ernesta von Holzen studierte Psychologie und ist eidgenössisch anerkannte Psychotherapeutin. Sie arbeitet als Teamleiterin bei ask! – Beratungsdienste für Ausbildung und Beruf. ask! bietet im Auftrag des Kantons Aargau die Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung, den Jugendpsychologischen Dienst sowie weitere psychologische und psychotherapeutische Beratungen an. 
Ernesta von Holzen studierte Psychologie und ist eidgenössisch anerkannte Psychotherapeutin. Sie arbeitet als Teamleiterin bei ask! – Beratungsdienste für Ausbildung und Beruf. ask! bietet im Auftrag des Kantons Aargau die Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung, den Jugendpsychologischen Dienst sowie weitere psychologische und psychotherapeutische Beratungen an. 

Haben Sie eine Erklärung dafür, weshalb in dieser Phase der Ablösung die Eltern von den Kindern trotzdem als so wichtig angesehen werden?

Die Familie gibt Stabilität in einer Zeit, in der alles instabil geworden ist. Eltern, die ihren Kindern mit Rat und Tat zur Seite stehen und die Geduld haben, sie in ihrer Entwicklung zu begleiten, sind enorm wertvoll.

Die Gleichaltrigen sind für die Jugendlichen aber auch wichtige Bezugspersonen.

Ja, aber die haben keine Berufs­erfahrung. Auch im Jugendalter lernen die Kinder am Modell ihrer Eltern. Wie haben sie es gemacht? Wussten sie, was sie wollten? Haben sie ein Zwischenjahr absolviert? Wenn die Beziehung zu den Eltern gut ist, sind die Eltern auch wichtiger als alle anderen erwachsenen Bezugspersonen wie Lehrpersonen oder Berufsberatende.
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Zur Ausbildungswahl und Lehrstellensuche gehört, dass man ständig beurteilt wird. Welche Folgen hat das für Jugendliche?

Es kommt hinzu, dass sich viele Jugendliche sowieso schon stark miteinander vergleichen. Für die Selbstsicheren mit guten Noten ist das kein Problem, denn sie erfüllen die Anforderungen. Für die anderen hingegen ist das schwierig, umso mehr, wenn sie immer wieder Absagen erhalten.

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