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Berufswahl

Die Berufslehre – ein Erfolgsmodell

Die duale Berufslehre im Betrieb und in der Berufsschule gilt als Schweizer Erfolgsmodell schlechthin. In keinem anderen Land in Europa sind auch nur annähernd so wenige Jugendliche arbeitslos. Das liegt zwar nicht allein an der Lehre, es lohnt sich aber dennoch, an dieser Ausbildungsform festzuhalten.
Text: Stefan Michel
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Ornella Cacace/ 13Photo
An einem Berufsbildungskongress in Bern wunderte sich ein amerikanischer Bildungsexperte, dass man in der Schweiz drei Jahre brauche, um einen Bäcker auszubilden. In den USA genügten dafür drei Monate, sagte er.* Das merkt man dem amerikanischen Brot an, könnte man dem Herrn ebenso oberflächlich entgegenhalten. Die Berufslehre im Betrieb ist aus der Tradition der Zünfte hervorgegangen. Mit dem für die Schweiz typischen Perfektionismus wurde sie zu der fundierten Grundbildung ausgebaut, die sie seit Jahrzehnten ist. Bäcker können am Ende ihrer Lehrzeit eben nicht nur Brot backen, sondern auch eine Buchhaltung führen und einen Kunden in Englisch oder Französisch bedienen.

Die duale Berufsbildung steht, wie der Name sagt, auf zwei Pfeilern: der praktischen Ausbildung im Betrieb und dem theoretischen und allgemeinbildenden Unterricht in der Berufsschule. In Betrieben, die am Markt bestehen, erwerben die Schweizer Lernenden jene Fertigkeiten, die in der Berufswelt gefragt sind. Die Berufsschule vertieft das berufliche Wissen und hält ihnen nach der Lehre die Türen zur Weiterbildung offen.
In der USA wird ein Bäcker in drei Monaten ausgebildet.
Da sich die Betriebe laufend der technischen und wirtschaftlichen Entwicklung anpassen müssen, um profitabel zu bleiben, sind auch die meisten Lernenden auf der Höhe der Zeit, wenn sie die Lehre abgeschlossen haben. Untersuchungen zeigen zudem, dass sie ihre Sache schon während der Ausbildung so gut machen, dass sich ihre Mitarbeit für den Lehrbetrieb lohnt, dass sie also schon als Stifte mehr leisten, als sie kosten. Auch die integrative Wirkung der Lehre ist nicht zu unterschätzen – anders als in manchen anderen Ländern Europas machen in der Schweiz auch viele Jugendliche mit Migrationshintergrund eine Berufsausbildung.

Es gilt als sicher, dass die duale Berufsbildung ein wichtiger Grund ist für die tiefe Jugendarbeitslosigkeit. 3,4 Prozent Menschen zwischen 15 und 24, die weder in Ausbildung noch berufstätig sind, sind europaweit einzigartig. Deutschland und Österreich sind die nächsten in der Rangliste der tiefen Jugendarbeitslosigkeit, und auch sie pflegen ein duales Berufsbildungssystem. Natürlich hängt Jugendarbeitslosigkeit nicht nur von der Art der Ausbildung ab. Es braucht auch Betriebe und Nachfrage, um die frisch Ausgebildeten zu beschäftigen.

Die Berufslehre wird sich den veränderten Anforderungen der Arbeitswelt anpassen müssen, um erfolgreich zu bleiben. Solange die Unternehmen und die Jugendlichen an das Modell glauben und helfen, es aktuell zu halten, so lange stehen die Zeichen gut. Es wäre wünschenswert – nicht nur um weiterhin gutes Brot essen zu können.

* Erwähnt in einem Artikel von Patrik Schellenbauer (Avenir Suisse) im «Schweizer Monat», September 2014. In den USA wird ein Bäcker in drei Monaten ausgebildet.

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