Berufswahl: Das grosse Vermessen
Berufswahl

Schritt 3: Stärken und Anforderungen

Das grosse Vermessen

Jede Berufslehre und jede Schule hat ihre spezifischen Anforderungen. Für junge Berufssuchende bedeutet das, dass sie entweder intensiv an ihren Fähigkeiten arbeiten oder sich eine weniger anforderungsreiche Berufslehre suchen sollten. 
Text: Stefan Michel
Bild: Roshan Adhihetty 
Die Berufswahl ist ein Realitätscheck. Jugendliche werden damit konfrontiert, was ihre Fähigkeiten und ihr in der Schule gesammelter Wissensschatz wert ist. Für viele, vielleicht sogar die Mehrheit, ist das kein Problem, da ihre Schulnoten und ihre Bewerbung einen guten Eindruck machen und sie die gewünschte Lehrstelle ohne grosse Umwege finden. Andere aber müssen erkennen, dass es mit ihrem Leistungsausweis schwierig wird, zu einem Bewerbungsgespräch und zu einer Schnupperlehre in ihrem anvisierten Beruf eingeladen zu werden. 

Anforderungen: Ansporn oder Hindernis?

Manche beginnen, sich richtig reinzuknien. «Gewisse Jugendliche, die die Schule einfach nicht ernst genug genommen haben, merken, dass sie die Anforderungen erfüllen können, wenn sie sich Mühe geben», sagt Berufsberaterin Sigrid Weber. Umso grösser ist das Erfolgserlebnis, wenn das Engagement tatsächlich mit einem Lehrvertrag oder der Aufnahme in die gewünschte Schule belohnt wird.

Daneben gibt es aber auch viele, die trotz schlechter Chancen an ihrem Wunschberuf festhalten und Absage um Absage sammeln. Manche brauchen einfach mehr Zeit, zum Beispiel ein 10. Schuljahr. In dieser Zeit können sie gezielt an den Fähigkeiten arbeiten, die den Anforderungen noch nicht genügen.
Die Berufswahl ist ein Realitätscheck: Jugendliche erfahren, was erlerntes Wissen wirklich wert ist.
Auch gibt es die Möglichkeit, die dritte Sekundarschulklasse in einem höheren Niveau zu wiederholen und die Lehrstellensuche mit einem besseren schulischen Leistungsausweis fortzusetzen.

Statt sich den Anforderungen der Wunschausbildung anzunähern, gibt es in der Berufswahl auch eine andere Strategie: den Beruf dem eigenen Leistungsvermögen anzupassen. Berufsberaterin Weber erklärt, wie das geht: «Automatiker ist eine sehr anspruchsvolle, vierjährige Lehre. Wer keine guten Noten in Mathematik und weiteren Fächern mitbringt, hat kaum eine Chance auf eine Lehrstelle. Die Lehre zum Automatikmonteurn hat etwas weniger hohe Anforderungen, ist aber im gleichen Berufsfeld angesiedelt. Sie ist eine gute Alterna­tive für nicht ganz so starke Schüler.»

In vielen Berufen gibt es Grundbildungen auf verschiedenen Niveaus, sodass sowohl die schulisch Starken wie die eher praktisch Begabten den passenden Einstieg finden. Nach einer Lehre als Heizungsmonteur kann man die Ausbildung zum Heizungs­installateur als verkürzte Zweitlehre absolvieren und ist mit etwas zeitlicher Verzögerung im Wunschberuf angekommen.

Leistungstests werden immer wichtiger

Schulzeugnisse haben weiterhin einen hohen Stellenwert. Besonders in gefragten Lehrberufen können die Schulzeugnisse ein erstes Selektionskriterium sein. Ebenso wichtig sind Tests (z. . Stellwerktest, Multicheck oder Kompass), mit denen die Fähigkeiten und Neigungen der Jugendlichen auf andere Weise ermittelt werden.

Zudem haben viele Branchenverbände ihre eigenen Eignungsprüfungen entwickelt, welche die Lehrbetriebe mir den Kandidatinnen und Kandidaten durchführen. Grosse Unternehmen haben oft ihre eigenen, mehrstufigen Auswahlverfahren. Der KV-Lernende Silvan Studer sagt: «Ich hätte gerne in diverse Betriebe hineingeschaut, um herauszufinden, ob ich dort überhaupt eine Lehre machen möchte. Leider war das an vielen Orten nicht möglich, bevor ich nicht alle Tests bestanden hatte.»
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Die Wahl der passenden Ausbildung nach der Sekundarschule lässt sich in sieben aufeinanderfolgende Aufgaben einteilen. Es empfiehlt sich, die sieben Schritte in dieser Reihenfolge auszuführen, wobei man auch immer wieder eine oder zwei Etappen zurückgehen kann, wenn sich etwas geändert hat.
Die Wahl der passenden Ausbildung nach der Sekundarschule lässt sich in sieben
aufeinanderfolgende Aufgaben
einteilen. Es empfiehlt sich, die sieben Schritte in dieser Reihenfolge auszuführen, wobei man auch immer wieder eine oder zwei Etappen zurückgehen kann, wenn sich etwas geändert hat.
  • Schritt 1: Eigene Interessen und Stärken kennenlernen
    Bevor Jugendliche entscheiden können, welche Ausbildung sie nach der Sekundarschule in Angriff nehmen wollen, müssen sie ein paar grundlegende Fragen an sich selber beantworten. Keine leichte Aufgabe mitten in der Pubertät, die ohnehin schon voller Fragen ist.

  • Schritt 2: Berufe und Ausbildungen kennenlernen
    In die Lehre oder weiter zur Schule? Diese Frage stellen sich viele in der Oberstufe. Dabei schliessen sich die beiden Wege nicht aus. Die wichtigsten Bildungsangebote im Überblick.

  • Schritt 3: Eigene Stärken mit den Anforderungen von Berufen und Ausbildungen vergleichen

  • Schritt 4: Interessante Berufen in einer Schnupperlehre kennenlernen
    Eine Schnupperlehre, auch Berufswahlpraktikum genannt, gibt einen ersten Eindruck vom Arbeitsleben, von einem Beruf und vom Klima im möglichen Lehrbetrieb. Sie ist so etwas wie der ultimative Realitäts­­­check für junge Lehrstellensuchende.

  • Schritt 5: Mögliche Berufe und Ausbildungen überprüfen und eine Entscheidung fällen
    Berufsberaterin Sigrid Weber kennt die Qual der Berufswahl, die viele Jugendliche durchleben. Lieblingsfächer und Hobbys seien erste Hinweise auf die ­passende Ausbildung, in Schnupperlehren lasse sich viel lernen – und manchmal helfe auch ein Münzwurf, sagt die Psychologin. Bei der Entscheidung müsse aber vor allem das Gefühl stimmen.

  • Schritt 6: Eine Lehrstelle suchen oder sich bei einer Schule anmelden
    Nach der Wahl des passenden Berufs folgt die Suche nach dem geeigneten Lehrbetrieb. Gross oder klein, familiär oder formell, hierarchisch oder kollegial? Je mehr verschiedene Formen man durch Schnuppern kennenlernt, desto besser weiss man, was einem zusagt.

  • Schritt 7: Sich auf die Lehre oder Schule vorbereiten oder Brückenangebote abklären
    Das zehnte Schuljahr gilt als Notlösung für die, die keine Lehrstelle gefunden haben. In Wahrheit ist es ein sinnvolles Bildungsangebot, um schulische und andere Lücken zu schliessen oder in der Berufswahl zu einer Entscheidung zu gelangen. Weitere Brückenangebote helfen, wertvolle Kenntnisse zu gewinnen und Weichen zu stellen.

Das sagen die Jugendlichen:

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