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Verlieren und gewinnen: Tipps für Kinder-Spiele

Über die Festtage wird in vielen Familien wieder ausgiebig gespielt. Was tun, wenn ein Kind Mühe hat mit verlieren? Oder gar überhaupt nicht spielen will? Tipps von Spielentwickler Daniel Fehr. 
Interview: Florina Schwander
Autorenbild: Jonas Oswald, Header: Pixabay

Herr Fehr, spielen eigentlich alle Kinder gerne Gesellschaftsspiele?

Aus meiner Erfahrung spielen nicht alle Kinder gleich gerne Gesellschaftsspiele  – genau wie es auch Erwachsene gibt, die nicht gerne spielen. Weiter ist die Art des Spiels wichtig, gewisse Kinder mögen Würfelspiele, andere wollen etwas mit Action. Wieder andere etwas, bei dem sie Lösungen für knifflige Probleme finden müssen. Und dann kommt es auch noch darauf an, mit wem sie gerne oder eben nicht gerne spielen. 

Ab welchem Alter spielen Kinder? 

Schon Babies spielen gerne und oft, Kinder entdecken ihre Umgebung und lernen durch spielen. Gesellschaftsspiele sind eine besondere Form des Spielens. Diese sogenannten Regelspiele, also Spiele mit Spielregeln, machen Kindern ab vier oder fünf Jahren Spass. Sie können sich dann an die Regeln halten oder sie bewusst brechen. Was aber nicht heissen muss, dass sich nicht auch schon kleinere Kinder gerne mit Gesellschaftsspielen beschäftigen. Sie spielen dann nicht das Regelspiel, sondern sie spielen mit dem Spielmaterial. Sie können Spass haben an einzelnen Figuren, oder der Spielkarton allein ist ihr Highlight. 
Daniel Fehr ist Spieleautor und organisiert an seinem Wohnort Winterthur monatlich Spieletreffs für Erwachsene.
Daniel Fehr ist Spieleautor und organisiert an seinem Wohnort Winterthur monatlich Spieletreffs für Erwachsene.

Sollte man Kinder gewinnen lassen?

Es gibt Kinder, denen geht es hauptsächlich um die Tätigkeit,  da kommt es nicht auf gewinnen oder verlieren an. Bei Kindern, die gerne kompetitive Spiele spielen, kann ständiges Verlieren zu übermässig viel Frust führen und ihnen den Spass am Gesellschaftsspiel verderben. Umgekehrt merken Kinder, sobald sie ein Regelspiel beherrschen, wenn man sie gewinnen lässt. Das verdirbt ihnen verständlicherweise die Freude am Sieg. Es gilt also, die richtige Mischung zu finden. Und wenn man merkt, dass man als Erwachsener bei einem Spiel viel besser ist als das Kind, dann ist es Zeit ein anderes Spiel zu suchen, bei dem alle gleich grosse Chancen auf den Sieg haben.

Aber was tun, wenn ein Kind partout nicht verlieren kann und nach jeder Niederlage frustriert ist? 

Beim kompetitiven Spiel können nicht alle gewinnen, und so gehört das Verlieren zu dieser Form von Spiel. Wer ein guter Mitspieler sein möchte, muss also auch verlieren lernen.  Allerdings kann man das nicht erzwingen und ich würde bei Kindern, die Mühe haben mit dem Verlieren, erst einmal auf andere Spiele ausweichen. Es gibt viele Spiele, die kooperativ sind, bei denen man als Gruppe gemeinsam gegen das Spiel spielt. Da lernt man gemeinsam siegen und auch gemeinsam verlieren.
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Über die kommenden Festtage wird in vielen Familien ausgiebig gespielt. Welches sind aktuell Ihre Lieblingsspiele? 

Ich lerne am liebsten neue Spiele kennen. Mein Lieblingsspiel ist immer jenes, das mir eine neue Welt eröffnet. Das gelingt zwar nur wenigen Spielen, doch ich gebe gerne möglichst vielen Spielen die Chance dazu. Hier also fünf Spiele, die ich gerne ausprobiert habe: Dinosaur Island, Scythe, Santa Maria, Captain Sonar und Codenames. Das sind keine Familienspiele, sondern – zumindest die ersten drei – etwas für Vielspieler. 

Von Daniel Fehr konzipierte Spiele: 

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Für Geschichten- und Knobelfans:

Woodlands (von Daniel Fehr)

Märchen- und Sagen-Welten werden kombiniert mit Puzzles und verschiedenen Folien, so dass bekannte Geschichten wie Robin Hood oder die Sage von King Arthur neu erlebt oder erspielt werden können. 

Ab 10 Jahren, ca. 40 Fr. 
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Für flinke Sucher:

Wimmelspiel (von Daniel Fehr)

Schneller als sein Schatten: Bei diesem Spiel geht es darum, Sachen auf Karten schnell wiederzuentdecken. Achtung: Kinder sind schnell besser als die Eltern ... 

Ab 5 Jahren, ca. 15 Fr. 
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Für Kinder, die gerne mit vollem Körpereinsatz und im Team spielen

Gämsh Alpin (von Daniel Fehr)

Ohrenwackeln, ein leichtes Wippen mit dem Fuss oder eine hochgezogene Augenbraue: Die Zeichen für «Gemsch», ein Quartett mit Jasskarten, sind vielfältig. Daniel Fehrs Spiel erweitert den Spiele-Klassiker um ein paar zusätzliche Kniffe. 

Ab 8 Jahren, ca. 15 Fr. 

Daniel Fehr empfiehlt: 

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Für Kinder, die nicht verlieren können:

Leo muss zum Friseur
(von Leo Colovini)

Alle spielen gemeinsam und versuchen den Löwen Leo rechtzeitig zum Friseur zu bringen, bevor Affe Bobo seinen Salon schliesst.

Ab 6 Jahren, ca. 20 Fr. 
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Für Kinder, die gerne Action wollen beim Spielen:

Rhino Hero
(von Scott Frisco und Steven Strumpf)

In Rhino Hero geht es darum, geschickt und gewieft Kartenhäuser zu bauen und dabei dem tierischen Superhelden zu helfen, Gauner und Schurken zu fangen.

Ab 5 Jahren, ca. 10 Fr. 
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Für Kinder mit viel Fantasie:

Das magische Labyrinth
(von Dirk Baumann)

Als Zauberlehrlinge suchen Kinder im magischen Labyrinth nach Symbolen – und stossen dabei immer mal wieder mit der Nase auf eine unsichtbare Mauer.

Ab 6 Jahren, ca. 47 Fr. 

Daniel Fehr entwickelt Gesellschaftsspiele und schreibt Bilderbücher. Der 38-Jährige leitet den Schweizer Vorlesetag. Sein neues Spiel Woodlands wurde nominiert zum Spiel des Jahres 2018.  www.danielfehr.ch

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