Zuhause

Unsere Buchtipps für den Sommer 2019

Ferien! Endlich Zeit wieder in eine Geschichte abzutauchen und den Kindern die Liebe für Bücher nahezubringen. Ob auf dem Balkon oder in der Ferne: diese persönlichen Lieblingsbücher empfiehlt unsere Redaktion diesen Sommer. Welcher Autor hat wohl gleich zwei Herzen erobert?
Text: Fritz+Fränzi-Redaktion
Foto:  Perfecto Capucine / Pexels

Biografien für Kids

Isabel Sánchez Vegara: Jane Austen, 32 S. Insel Verlag, 2019 (Auf Deutsch erscheint das Buch Ende September 2019), ca. 24 Fr. 
Isabel Sánchez Vegara: Jane Austen, 32 S. Insel Verlag, 2019 (Auf Deutsch erscheint das Buch Ende September 2019), ca. 24 Fr. 
Keiner zu klein für eine Biografie! Die Reihe «Little People, Big Dreams» ist der Hit: Die toll illustrierten Bilderbücher erzählen die Biografien bekannter Persönlichkeiten wie David Bowie oder Frida Kahlo. Mir hat es besonders Jane Austen angetan, als ehemalige Englische Literaturstudentin habe ich die Geschichte weitergesponnen und weitere Details dazu erzählt und erzählt, bis mich die Kinder irgendwann gefragt haben, ob das eine Freundin von mir sei, diese «Dschein» ...  Florina Schwander

Wortgewaltiges über unser Bewusstsein für die Eltern

T.C. Boyle: Das Licht. Hanser Verlag, München 2019, ca. 30 Fr.
T.C. Boyle: Das Licht. Hanser Verlag, München 2019, ca. 30 Fr.
Ich liebe und verehre T.C. Boyle. Ich habe die meisten der bisher 16 Romane des amerikanischen Autors gelesen – «Wassermusik», «Talk Talk», «Drop City» und natürlich «World’s End». Ich mag Boyles wortgewaltige Sprache, seine Liebe zum Detail und seine oft realistischen, mitunter absurden Geschichten.
 
Nach historischen Romanen über den Cornflakes-Erfinder John Harvey Kellogg («Willkommen in Wellville») und den Sexualforscher Alfred Charles Kinsey («Dr. Sex») kümmert sich Boyle in seinem jüngsten Werk erneut um eine reale Figur der amerikanischen Kulturgeschichte. In «Das Licht» erzählt er die Geschichte von Professor Timothy Leary, der in den frühen Sechzigerjahren an der Harvard Universität mit Drogen experimentierte und später LSD-Kommunen gründete.
 
Zweite Hauptfigur in Boyles Stück ist der aufstrebende wissenschaftliche Assistent Fitzhugh Loney, der auf eine LSD-Party seines Professors Leary eingeladen wird. Fitz erhofft sich davon einen wichtigen Karriereschritt, merkt aber bald, dass Learys Ziele weniger medizinischer Natur sind; es geht dem Psychologen um eine Revolution des Bewusstseins. Fitz wird mitgerissen von dieser Vision, mit Frau und Sohn schliesst er sich der Leary-Truppe an: Sie leben in Mexiko, später in der berühmten Kommune in Millbrook, mit Drogen und sexuellen Ausschweifungen ohne Ende.
 
Boyles neustes Buch ist eine Wucht, ein Donnerschlag, ein kreischend greller Trip an die Grenzen des Bewusstseins und darüber hinaus. T. C. Boyle at his best.
 
Boyle war nach eigenen Angaben früher selber Teil der Drogenkultur. Seine LSD-Trips seien aber fast alle schrecklich gewesen, hat er neulich der «NZZ» anvertraut. Wenn er nicht arbeiten könnte, wäre er innerhalb von zwei Woche ein Junkie – «ich würde aus Langeweile Drogen nehmen, aus Selbstverachtung und aus Hass auf die Gesellschaft.»
 
Die Frage «Warum brauchen wir Drogen oder Alkohol?» hat Boyle neulich so beantwortet: «Weil unser Bewusstsein so bedrückend ist. Wir müssen dem entfliehen. Speziell in unserer ständig eingestöpselten Gesellschaft. Wie viele Menschen haben noch Naturerlebnisse? Gehen Sie raus, ziehen Sie die Stöpsel aus den Ohren! Riechen Sie mal, wie gut das duftet.» Nik Niethammer

Zärtliche Freundschaftgeschichte für Mamas und Lehrerinnen

Zsuzsa Bánk: Schlafen werden wir später. Fischer Taschenbuch, 2017, 688 Seiten, ca. 15 Fr.
Zsuzsa Bánk: Schlafen werden wir später. Fischer Taschenbuch, 2017, 688 Seiten, ca. 15 Fr.
Eine Sache, die ich an meiner Wahlheimat Basel liebe, ist, dass immer wieder Bücher am Strassenrand liegen und neue Besitzer suchen. So habe ich auch «Schlafen werden wir später» gefunden. Zum Glück, denn sonst wäre dieser Roman ungelesen geblieben. Die Vorbesitzer hatten das nagelneue Buch eindeutig nicht einmal angelesen.

Es handelt sich um einen E-Mail-Roman zweier Freundinnen Mitte 40 deren Leben unterschiedlicher kaum sein könnte. Die eine ist Lyrik-Autorin in Frankfurt mit drei Kindern und Dauerchaos. Die andere ist kinderlos und wohnt nach einer Trennung und Krebserkrankung allein im Schwarzwald und führt ein ruhiges Leben, das sie immer wieder auf sie selbst zurückwirft. Beide verbindet eine gemeinsame Kindheit. Und die grosse Liebe zur Literatur.

Und die Liebe zur Sprache spürt man in jeder Zeile der E-Mails, die die Freundinnen sich nachts und früh am Morgen schreiben. Dafür, dass der Roman fast 700 Seiten stark ist, passiert erstaunlich wenig und doch hatte ich nie das Bedürfnis, ihn zur Seite zu legen, weil er sich liest wie Streicheleinheiten. Die Frauen sind so weit voneinander entfernt und sich zugleich so nah, wie zwei Menschen es nur sein können. Bei jedem Schicksalsschlag, jeder Wende, jedem sich in eigenen Gedanken verfangen, ist die andere da. Ein wunderschönes Buch zum selbst lesen oder der besten Freundin schenken. Bianca Fritz

Mädchenpower geht auch in rosa

Annette Roeder: Rosa Räuberprinzessin. cbj Verlag 2018, 176 Seiten, ca. 25 Fr.
Annette Roeder: Rosa Räuberprinzessin. cbj Verlag 2018, 176 Seiten, ca. 25 Fr.
Rosa – Sie meinen, der Name ist Programm? Nicht bei Familie Rangel. Die Eltern haben ihre einzige Tochter zwar auf den Namen Rosa getauft, stehen aber ganz und gar nicht auf die Klischee-Mädchen-Farbe. Ganz anders als Rosa selbst, die die T-Shirts und Latzhosen ihrer drei älteren Brüder auftragen muss, sich aber nichts sehnlicher wünscht, als ein rosa Prinzessinnenkleid. 

Ihr Motto:
 Rosa, Rüschen, Rausche-Roben find ich richtig toll!
 Meine Eltern klagen, fragen, was der Unfug soll?
 Sie wollen, dass ich mach, was nur ein cooles Mädchen tut …
 doch rennen, raufen, rempeln kann ich ganz genauso gut!


Auf das Verständnis ihrer Eltern braucht Rosa aber erst mal nicht hoffen. Zum Glück hat sie ein eigenes Einhorn – einen Esel, in dem nur sie das Zauberwesen sieht – und der ihr mit Rat und Tat zur Seite steht.

Rosa zeigt sehr deutlich, dass Rosa nur eine Farbe unter vielen ist, die nicht ihr Wesen bestimmt. Auch wenn ihre (ziemlich alternativen) Eltern sich ein wenig sträuben, darf Rosa am Ende alle Facetten ihres Mädchenseins ausleben. Lustige, manchmal spannende Geschichte, die mit dem Rosa-Mädchen-Klischee spielt. Für Mädchen (und Buben) ab 6 Jahren. Evelin Hartmann
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Kurzgeschichten, die hängen bleiben

Benedict Wells: Die Wahrheit über das Lügen. Diogenes 2018, 256 Seiten, ca 34 Fr. 
Benedict Wells: Die Wahrheit über das Lügen. Diogenes 2018, 256 Seiten, ca 34 Fr. 
Ich bin ein grosser Fan von Benedict Wells und lese alles vom sympathischen Jungautor mit Schweizer Wurzeln, was mir unter die Augen kommt. «Die Wahrheit über das Lügen» besteht aus zehn Kurzgeschichten, die ich innert kürzester Zeit verschlungen habe. Und das will etwas heissen, bin ich abends doch meist zu müde zum Lesen.  Wells schreibt packend und man ist schneller drin in den Kurzgeschichten. Einige der Geschichten hängen mir bis heute nach – Kurzfutter mit Langzeitwirkung, quasi. Florina Schwander

Flügge werden im Sog der Grossstadt

Benedict Wells: Spinner. Diogenis Verlag 2016, 320 Seiten, ca. 18 Fr.
Benedict Wells: Spinner. Diogenis Verlag 2016, 320 Seiten, ca. 18 Fr.
Das waren aufregende Zeiten, als man damals auszog aus dem elterlichen Nest, hinein in die Grossstadt, kleine Wohnung, noch kleineres Auto – viele Fertiggerichte im Kühlschrank und jede Menge Leben aufgesogen. Benedict Wells Romanfigur Jesper Lier zieht es in «Spinner» nach dem Abitur ins aufregende Berlin. Der Leser merkt sehr schnell, wie wenig Jesper dem Sog der Grossstadt entgegensetzen kann. Tagsüber treibt er durch die Strassen, nachts schreibt er an seinem Erstlingsroman. Jesper schläft kaum noch, isst nicht mehr, verwahrlost zunehmend. 

Und dann kommt noch eine Schreckensmeldung: sein Mentor und Freund, ein ehemaliger Germanistik-Professor, ist verstorben. Das wirft ihn noch weiter aus der Bahn. Jesper zieht sich zunehmends zurück und leidet unter dieser Einsamkeit, die er mittlerweile auch in Gesellschaft spürt. 

Spätestens da fängt man als Leser an, sich um diese tragisch komische Figur zu sorgen und hofft, dass es doch noch gut ausgeht mit diesem jungen Mann, dem man so manches Mal unter die Arme greifen und über den Kopf streichen möchte. Aber es geht wohl gut aus, denn «Spinner» ist Benedict Wells (ziemlich autobiographischer) Erstlingsroman, dem viele weitere erfolgreiche gefolgt sind. Beeindruckend! Evelin Hartmann

Ein besonderer Hörgenuss für Gross und Klein

Wir entdecken Komponisten. Hörspiel-Reihe, Deutsches Grammophon, ca. 17 Fr. pro Folge
Wir entdecken Komponisten. Hörspiel-Reihe, Deutsches Grammophon, ca. 17 Fr. pro Folge
Wussten Sie, dass Johann Sebastian Bach sieben Geschwister hatte und bereits im Alter von neun Jahren Vollwaise war? Ist Ihnen bekannt, dass Ludwig van Beethoven jähzornig und grob sein konnte? Und dass Johannes Brahms Zeit seines Lebens an seinen Meisterwerken zweifelte?
 
«Wir entdecken Komponisten» ist eine zauberhafte Hörspielreihe, die uns die Marotten und den Alltag grosser Komponisten näher bringt. Jede Folge beschäftigt sich auf kindgerechte, aber auch für Erwachsende äusserst unterhaltsame Weise mit einem der grossen Komponisten unserer Zeit. Neben Mozart, Bach, Händel und Chopin sind beispielsweise auch Vivaldi und Schubert vertreten.
 
Interessante Details aus ihren Leben, aus der jeweiligen Epoche sowie die Wege und Wirrungen zu ihren grossen musikalischen Werken werden kompakt und leicht verständlich zusammengetragen. Die Erzählungen werden bereichert mit Ausschnitten der wichtigsten musikalischen Erzeugnisse des jeweiligen Komponisten.
 
Als Sprecher konnte seinerzeit der inzwischen verstorbene Theaterschauspieler Willi Quadflieg gewonnen werden, dessen grossartige Stimme den Hörer in die damalige Zeit entführt.
 
Wer also Lust verspürt, sein eigenes Wissen über klassische Musik aufzufrischen oder wer seinen Kindern einen spielerisch unterhaltsamen Zugang zu den grössten Komponisten der Weltgeschichte ermöglichen möchte, dem sei diese Hörspielreihe ganz besonders ans Herz gelegt. Nik Niethammer

Altes Kinderbuch neu entdeckt

Marta Koci und Edgar Breuss: Schwarzack. Nordsüd, 1981, 32 Seiten. (Das Buch ist leider vergriffen, aber gebraucht noch erhältlich.)
Marta Koci und Edgar Breuss: Schwarzack. Nordsüd, 1981, 32 Seiten. (Das Buch ist leider vergriffen, aber gebraucht noch erhältlich.)
Es gehört für mich zu den grossen Freuden des Mutterseins, meine alten Kinderbücher von früher wiederzuentdecken. So geschehen auch bei Schwarzsack. Eines meiner Lieblingsbücher aus meiner Kindheit. Noch heute muss ich jedes Mal die Tränen zurückhalten, wenn die Sonnenblume über das mutige Mädchen Marie und ihren neuen Freund Schwarzack wacht. Mehr sei hier nicht verraten, es ist ein grossartiges Kinderbuch mit viel Tier- und Lebensliebe.  Florina Schwander

Für verliebte Väter

Steffen Weinert: Läuft bei uns. Ein Vater-Tochter-Roman. Rohwohlt Taschenbuch, 2019. 208 Seiten, ca. 16 Fr.
Steffen Weinert: Läuft bei uns. Ein Vater-Tochter-Roman. Rohwohlt Taschenbuch, 2019. 208 Seiten, ca. 16 Fr.
Puh, ganz ehrlich: Mit der 14-jährigen Mathilda möchte ich nicht tauschen. Ihr Vater Sebastian ist eine echte Glucke. Steffen Weinert schreibt ein hochkomisches Buch darüber, wie sich der alleinerziehende Teenager-Vater in alle möglichen Katastrophen hinein denkt, die seinem kleinen Schatz blühen könnten.

Dabei wünscht sich Mathilda doch einfach nur ein klein wenig mehr Unabhängigkeit. Was sie stattdessen bekommt? Ein Handy mit Schnüffelsoftware darauf und einen ungewollten Test, ob das Töchterlein nicht vielleicht doch hochintelligent ist. Ein klarer Anti-Ratgeber in Romanform. Liebeswürdig und lustig. Und mit 208 Seiten selbst für Lesemuffel als Sommerferienlektüre geeignet. Bianca Fritz

Macht auch beim Vorlesen Spass

Steven Kellog: Malwine in der Badewanne. Oetinger, 1979, 32 Seiten, ca. 17 Fr. 
Steven Kellog: Malwine in der Badewanne. Oetinger, 1979, 32 Seiten, ca. 17 Fr. 
Ich habe ein Herz für Tiergeschichten und dazu gehört das Buch über das liebe Ungeheuer Malwine. Das harmlose Geschenk vom Onkel aus Schottland entwickelt sich nicht wie erwartet zu einem Frosch, sondern wächst weiter und weiter …

Schon bald hat Malwine in der Badewanne nicht mehr Platz und eine kreative Lösung muss her! Die Geschichte ist liebevoll gezeichnet und hält ein paar Augenzwinker-Momente für Gross und Klein parat. Florina Schwander

Der süsseste Sprachfehler zum Vorlesen

Max Kruse: Das dicke Urmel-Buch. Thienemann 2011, S. 328. ca. 15 Fr.
Max Kruse: Das dicke Urmel-Buch. Thienemann 2011, S. 328. ca. 15 Fr.
«Urmel» ist unser absoluter Lese-Liebling. Wir haben alle möglichen Ausgaben, CDs und Filme zu Hause. Eine Kunstfigur, ein Hybrid aus Dinosaurier und Drache, kann «Urmel» daher fliegen und ist superschlau, superfrech und extrem wählerisch, was das Essen angeht. Im Prinzip also das, was Kinder gerne sind oder gerne sein möchten. So könnten sie zum Beispiel davon fliegen, wenns Broccoli gibt oder das Zimmer aufgeräumt werden muss.

Erfunden hat den liebenswerten grünen Kerl Max Kruse (1921-2015). Sein Urmel, ein kleiner, lispelnder Dinosaurier, ein Urzeittier, das nach Jahrmillionen aus einem tiefgefrorenen Ei schlüpft und bei Professor Habakuk Tibatong auf der Insel Titiwu ein Zuhause findet, wurde zu einem Klassiker der Kinderbuchliteratur.

Urmel ist ein verzogenes, neugieriges Nesthäkchen in einer grossen Familie, zu der auch Waran Wawa oder Pinguin Ping gehören. Das Buch entdeckte ich, als mein Sohn einen leichten Sprachfehler hatte. Ihm fiel im Kindergarten das sch schwer. Urmels Freund Ping Pinguin sagt statt sch immer pf . Was häufig vorkommt, denn in Urmel-Büchern geht es immer um Schiffe (Pfiffe), Fische (Fipfe) sowie Muscheln (Mupfeln). Ein wunderbares Buch, um gemeinsam zu kuscheln und zu lachen. Claudia Landolt

Eine Weihnachtsgeschichte für den Sommer

 Barbara Robinson: Hilfe, die Herdmanns kommen. Oetinger 2016, 95 Seiten, Taschenbuch ca. 15 Fr.
 Barbara Robinson: Hilfe, die Herdmanns kommen. Oetinger 2016, 95 Seiten, Taschenbuch ca. 15 Fr.
Erziehung ist ja so eine Sache. Als Eltern weiss man ganz genau, wie man es gerne hätte. Vielleicht ganz genau deswegen lesen Kinder gerne Geschichten von Familien, in denen es komplett anders zu und her geht. Da ist zum Beispiel die Familie Herdmann.  Erfunden hat die Story 1972 die US-Amerikanerin Barbara Robinson. In den USA gehört diese Kinderbuchserie zu den absoluten Klassikern. Im deutschsprachigen Raum wurde sie bekannt, als Paul Maar, der wunderbare Autor der «Sams,-Bücher, sie übersetzte. Seine Frau illustrierte. 

Legendär ist der erste Satz: «Die Herdmann-Kinder waren die schlimmsten Kinder aller Zeiten.» Darüber ist sich der ganze Stadtteil einig: Sie lügen, klauen, rauchen Zigarren, bringen die Nachbarn zur Verzweiflung und können ein Klassenzimmer mit Hilfe ihrer halb wilden Katze in der Rekordzeit von drei Minuten leer fegen.

Klar, dass dieses Buch Kindern gefällt, oder? Mein zweitjüngster Sohn hat das Buch, das eigentlich eine Weihnachtsgeschichte ist, gerade wieder hervorgekramt. Er sagt, es sei perfekt, um sich schon jetzt gedanklich auf die Wunschliste zu Weihnachten einzustimmen ... Claudia Landolt

Für Kids, die lieber vor der Spielkonsole sässen

Eric Nieudann: Escape Room: Panik im Hyperspace. Lösen Sie die Rätsel und entkommen Sie aus dem Buch.  Ullmann,  2019, 288 Seiten, ca 16 Fr.
Eric Nieudann: Escape Room: Panik im Hyperspace. Lösen Sie die Rätsel und entkommen Sie aus dem Buch.  Ullmann,  2019, 288 Seiten, ca 16 Fr.
Ein Buch, das einiges abverlangt, was Konzentration und dranblieben, angeht, wie mein ältester Sohn betont. Es geht um ein Raumschiff, das unterwegs in den Weltraum ist, und zwar mit unbekanntem Ziel. Jemand Drittes hat die Kontrolle des Raumschiffs übernommen, und mithilfe von vielen Rätseln muss der oder die Leser/in die Kontrolle zurückgewinnen. Ein Buch für verregnete Tage oder langweilige Sonntage – und für alle, die lieber vor einer Konsole sitzen, aber auf Geheiss der Eltern ein Buch lesen sollen. Claudia Landolt

Starke Frauenfiguren

Franziska Hauser: Die Gewitterschwimmerin.  btb 2019, S. 432, ca. 13 Fr.
Franziska Hauser: Die Gewitterschwimmerin.  btb 2019, S. 432, ca. 13 Fr.
Schon als junge Frau habe ich Bücher, die weiblicher Selbstfindung und Emanzipation thematisierten, geliebt, ja sogar meine Matuararbeit darüber geschrieben. Je unkonventioneller die Frauen, desto besser, dachte ich und war fasziniert von grossartigen Frauenfiguren.

Daran hat sich wenig geändert, und so habe ich die Lebensgeschichte der eigensinnigen Tamara Hirsch und ihrer Familie regelrecht verschlungen. Die Hirschs waren Verfolgte, Widerstandskämpfer, Opportunisten, Künstler. Ein Jahrhundert deutsche Geschichte hat sie geprägt, und die Hirschs taten nicht wenig, um dem Jahrhundert ihrerseits einen Stempel aufzudrücken. Der Grossvater, der während des zweiten Weltkriegs nach England floh und anschliessend das Schulsystem der neu gegründeten DDR mitaufbaute. Der Vater, der im französischen Widerstand gegen Nazis kämpfte und es später als Schriftsteller zu einiger Bekanntheit brachte. Die Mutter, die ihre Töchter im Stich liess. Ihre Schwester, die sich zu Tode trank.

Eine wahre Geschichte. Die Autorin berichtet, sie habe für dieses Buch sieben Jahre gebraucht. «Entstanden ist die Idee aus der Frage, warum meine Mutter so ein Biest geworden war. Ich fing an, in der Vergangenheit zu wühlen und plötzlich fielen mir so viele ungeheuerliche Zusammenhänge auf, die weit auseinanderliegende Ereignisse miteinander vernetzten, dass ich anfangen musste, diese Verknüpfungen aufzuschreiben und aufzuzeichnen. » Claudia Landolt

Detektivroman aus Afrika

Helon Habila: Öl auf Wasser. Unionsverlag 2019, 230 Seiten. ca 20 Fr.
Helon Habila: Öl auf Wasser. Unionsverlag 2019, 230 Seiten. ca 20 Fr.
Als ich noch Studentin war und gefühlt über ein endloses Zeitbudget verfügte, gründete ich mit Freundinnen einen Lesezirkel. Wir trafen uns alle paar Wochen und nahmen unsere liebsten Bücher mit, über die wir sprachen. Danach gingen wir essen und tanzen bis in die Nacht.

Eines der Bücher, das mich an jene Zeit erinnert, ist jenes von Helon Habila. Eine Freundin, die heute selbst in einem Lesezirkel ist, hat es mir empfohlen, denn entdeckt hätte ich es wohl selbst nicht. Der Band ist Bildungsroman, Liebesgeschichte, Ökokritik und Politthriller in einem.

Die Handlung: Eine Frau verschwindet im Nigerdelta. Dies wäre keine Nachricht in den Medien wert, wurde es sich nicht um eine Britin, die Ehefrau eines hochrangigen Mitarbeiters einer ausländischen Ölgesellschaft, handeln. Als eine Lösegeldforderung eingeht, wittert der junge Journalist Rufus die Chance zu einer grossen Story und macht sich mit dem gealterten, schwerkranken Starreporter Zaq auf die Suche nach der Entführten, eine Reise ins Delta des Nigers hinein, ins Herz der Finsternis, eine apokalyptische Welt.

Mit wachsendem Entsetzen nimmt Rufus die Zerstörung der Umwelt wahr, die Eskalation der Gewalt, die Entmenschlichung auf beiden Seiten der Front. Man liest die Geschichte fassungslos, und der Roman raubt einem schier der Atem. Habilas Thriller liegt eine wahre Katastrophe zugrunde: Eine von internationalen Grosskonzernen verschuldete gigantische Ölpest im Nigerdelta, die nicht nur die gesamte Tierwelt der Region bedroht, sondern auch das Leben von 30 Millionen Menschen. Der Schriftsteller Ken Saro-Wiwa, der diese Missstände in neu neunziger Jahren anprangerte, ist dafür in einem Schauprozess zum Tode verurteilt und  hingerichtet worden. Claudia Landolt

Für Krimifans ab 13

Karen McManus: One of us is lying. , cbt, 2018. 448 Seiten. ca 30 Fr.
Karen McManus: One of us is lying. , cbt, 2018. 448 Seiten. ca 30 Fr.
Wer in Sachen Jugendbücher auf Thriller steht und sich nicht an etwas klischierten Protagonisten stört, hat mit diesem Buch die perfekte Ferienlektüre. Teenager ab 13 Jahren werden es lieben!

In vier Perspektiven wird die Handlung verfolgt und das Verbrechen aufgeklärt. Mein zweiältester Sohn findet es «spannend bis zum Schluss» und wollte gar nicht mit Lesen aufhören. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass das Buch viel von einem Schulalltag im vierten Schulzyklus, also der Oberstufe, abbildet – inklusive der sozialen Medien. An einem Nachmittag sind fünf Schüler in der Bayview High zum Nachsitzen versammelt.

Bronwyn, das Superhirn auf dem Weg nach Yale, bricht niemals die Regeln. Klassenschönheit Addy ist die perfekte Homecoming-Queen. Nate hat seinen Ruf als Drogendealer weg. Cooper glänzt als Baseball-Spieler. Und Simon hat die berüchtigte Gossip-App der Schule unter seiner Kontrolle. Als Simon plötzlich zusammenbricht und kurz darauf im Krankenhaus stirbt, ermittelt die Polizei wegen Mordes. Einer der Jugendlichen wollte gerade einen Hatepost im Netz posten. Claudia Landolt

Noch mehr Buchtipps:

War noch nichts für Sie dabei? Wir von der Redaktion sind ziemliche Leseratten und haben daher schön häufiger unsere Lieblingsbücher präsentiert.


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