Unterwegs

Einfach mal Kind sein

100 Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Familien konnten ihre Sommerferien im Kinderdorf Pestalozzi verbringen und im unbeschwerten Spiel wichtige Erfahrungen sammeln.
Text: Lukrecija Kocmanic
Bild: Stiftung Kinderdorf Pestalozzi

Dieser Text entstand in Zusammenarbeit mit der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi
Unser Kinderdorf soll den Kindern und Jugendlichen als Ort in Erinnerung bleiben, an dem sie so sein können, wie sie wollen. Niemand muss, jeder und jede kann. Die Teilnehmenden stehen im Mittelpunkt aller Aktivitäten. Die Pädagoginnen und Pädagogen sowie Jugendarbeiter und -arbeiterinnen versuchen, die individuellen Lebenswelten zu reflektieren und in Verbindung zur Gesellschaft zu bringen. Dabei spielt die Orientierung an den alltäglichen Erfahrungen, Bedürfnissen und Interessen der jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine zentrale Rolle. 

Denn im Verlauf der kindlichen Entwicklung orientiert sich der heranwachsende Mensch nicht mehr nur im familiären Umfeld, sondern immer mehr auch nach aussen hin – vor allem an Gleichaltrigen. Die Gruppe der Gleichaltrigen ist das ideale Trainingsgelände für soziales Verhalten. Erstmals fanden in diesem Sommer zwei Ferienlager im Feriendorf statt, die sich auch an Kinder von Eltern richteten, die über ein nur geringes Einkommen verfügen. Und die ihren Kindern ansonsten keine Ferien ermöglichen könnten. Mitinitiiert wurde das Lager von der Stiftung Elternsein, der Herausgeberin des Schweizer ElternMagazins Fritz+Fränzi, der es ebenfalls sehr am Herzen liegt, allen Kindern ein schönes Ferienerlebnis zu bescheren.

Sich inspirieren und begeistern lassen

Vielfalt ist im Kinderdorf Programm. So konnten die Kids in den Ferienlagern sehr unterschiedliche Angebote besuchen und täglich aus bis zu vier Programmpunkten wählen. Dabei entdeckte die eine ihr Talent im Bogenschiessen, der andere seine Lötkünste beim Roboterbauen oder beim Feuermachen im Wald. In den Worten einer Teilnehmerin: «Hier kann ich so unterschiedliche Sachen machen, zu Hause hätte ich nie die Möglichkeit dazu und würde dann doch nur abhängen und immer das Gleiche tun.» Das vielfältige Angebot zielt darauf ab, dass die Kinder und Jugendlichen mit ihren ganz unterschiedlichen Hintergründen lernen, sich für Neues zu begeistern. So konnten rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre eigenen Potenziale erkennen und auch fördern. Hoffentlich werden sie nach den Ferien damit weitermachen – inspiriert von neuen Ideen, neuen Möglichkeiten
und neuen Freundschaften.

Gerade in Corona-Zeiten braucht es informelle Bildung

Seit seinen Anfängen unterstützt das Kinderdorf Kinder und Jugendliche aus ganz unterschiedlichen Situationen in ihrer persönlichen Entwicklung. Auf diesem Weg haben die nonformale und die informelle Bildungsarbeit unser pädagogisches Handeln geleitet und geprägt. Gerade in der derzeitigen Situation, in der das Corona-Virus unser aller Denken durchdringt und als Unsicherheit in unsere sozialen Beziehungen einfliesst, brauchen Kinder und Jugendliche ein vertrauensvolles Umfeld, in dem sie eigene Erfahrungen machen und daran wachsen können. Während des Lockdowns wurde die nonformale und informelle Seite der Bildung quasi vergessen, verkam bestenfalls zur schönen Nebensache. Anbieter aus diesem Bildungsbereich mussten mit viel Engagement für Aufmerksamkeit sorgen, um in der allgemeinen Panik nicht vergessen zu werden. Es gab gute Konzepte, die neben der formalen Bildung der Schule jedoch kaum Beachtung fanden. Wünschenswert ist ein gleichberechtigtes Nebeneinander, von dem vor allem Kinder und Jugendliche profitieren würden.

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