Wie bezahlt mein Kind sicher im Onlineshop?

Auch Kinder finden bei Internethändlern eine bequeme und unkomplizierte Möglichkeit, ihre Kaufbedürfnisse zu stillen. Doch das Bezahlen im Internet hat auch seine Tücken. Die Empfehlungen vom Experten der Credit Suisse.
Für gemeinsame Shoppingtouren gebe ich meinen Töchtern, 13 und 14, jeweils ein kleines Sackgeld mit. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie wollen sie jedoch lieber online shoppen. Ich zögere, da sie meines Erachtens noch zu jung sind, um eine Kreditkarte zu besitzen. Gibt es ein alternatives Zahlungsmittel, mit dem ich meinen Kindern trotzdem erlauben kann, online einzukaufen?
Martin, 43, aus Baden AG
Lieber Martin

Durch die Corona-Pandemie hat das Onlineshopping einen starken Boom erlebt. Doch auch schon vorher waren Onlineshops allgegenwärtig. So ist es nicht verwunderlich, dass auch Ihre Töchter ihre Einkäufe über das Internet erledigen wollen.

Es ist aber durchaus verständlich, dass Sie Ihren Töchtern nicht einfach eine Kreditkarte für das selbständige Onlineshopping geben wollen. Schliesslich stellt der Umgang mit digitalem Geld für Kinder zu Beginn eine Herausforderung dar.
Da das Bezahlen im Internet – und zunehmend auch in Läden – bargeldlos und kontaktlos erfolgt, ist es für Kinder mittlerweile schwierig, generell einen Bezug zum Thema Geld herzustellen und ihre Aus­gaben unter Kontrolle zu halten. Anders als beim Bargeld halten sie das digitale Geld nicht physisch in den Händen und können daher nur schwer abschätzen, wie viel sie effektiv ausgeben.

Debitkarte statt Kreditkarte

Durch gespeicherte Kreditkartendaten oder hinterlegte Logins in Onlineshops oder App-Stores kann es schnell zu ungewollten Einkäufen auf Kosten der Familie kommen. Glücklicherweise gibt es aber eine Möglichkeit, wie Ihr Nachwuchs risikofrei den Umgang mit digitalem Geld lernen kann – und zwar mit einer Debitkarte.

Die meisten Banken bieten heutzutage onlinefähige Debitkarten wie zum Beispiel die «Debit Mastercard» in der Kombination mit einem Jugendkonto bereits ab 12 Jahren an. Haben Ihre Kinder ein Konto, auf das Sie jeweils einen bestimmten Betrag einzahlen, steht der Nutzung der Debitkarte in Onlineshops nichts im Wege. Die Karte funktioniert dabei ähnlich wie eine Kreditkarte – mit dem Unterschied, dass bei der Debitkarte der Geldbetrag direkt dem damit verknüpften Bankkonto belastet wird. Voraussetzung für eine erfolgreiche Zahlung ist demnach, dass das Konto über ein entsprechendes Guthaben verfügt. Zusätzlich haben Sie die Möglichkeit, eine Tages- oder Monatslimite einzurichten. Dadurch können Budget und Ausgaben unter Kontrolle gehalten werden.

Auf Risiken aufmerksam machen

Beim Umgang mit Geld schauen sich Kinder zudem viel von ihren Eltern ab. Deshalb lohnt es sich, Ihre Kinder in Ihre Überlegungen miteinzubeziehen und zum Beispiel die Höhe des Kartenlimits gemeinsam zu besprechen. Schliesslich soll die Begrenzung den Kindern einen gewissen Spielraum lassen.

Wichtig ist jedoch, dass Sie Ihre Kinder am Anfang begleiten und sie aufklären. Auf diese Weise können sie auch auf die Risiken und Gefahren des Shoppings im Internet aufmerksam gemacht werden und es hilft sicherzustellen, dass sie ihr Geld beispielsweise nicht an betrügerische Onlineshops verlieren, wenn sie im Internet einkaufen gehen.

Nehmen Sie dabei die Rolle des stillen Beobachters ein und greifen Sie nur ein, wenn Ihre Töchter eine Frage haben oder unbewusst ein Risiko eingehen, indem sie beispielsweise ihre Daten auf einer unseriösen Seite hinterlegen wollen. Auf diese Art und Weise lernen sie sehr schnell, was es beim Onlineshopping zu beachten gilt, und schon bald bewegen sie sich sicher durch die Welt der Onlineshops.

Mit Kindern über Schulden sprechen – so gehts

Damit Kinder einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalem Geld beim Bezahlen im Internet lernen, ist es auch wichtig, das Thema Schulden anzusprechen. Denn je früher Kinder über das Thema aufgeklärt werden, desto leichter fällt es ihnen, beim ­Onlineshopping die eigenen Ausgaben unter Kontrolle zu halten.

Im Internet können mit nur wenigen Klicks Einkäufe getätigt werden, welche das eigene Budget übersteigen. Merkt ein Kind, dass es den Überblick über seine Ausgaben verloren hat und den Eltern davon erzählen muss, kann das ein ungutes Gefühl in der Bauchregion ­auslösen.

Durch eine frühzeitige Sensibilisierung helfen Sie Ihrem Kind dabei, besser zu verstehen, was es bedeutet, bei jemandem in der Schuld zu stehen. Wichtig ist jedoch, dass Sie Schulden nicht dazu nutzen, um Ihrem Nachwuchs Angst vor den möglichen Auswirkungen zu machen. Vielmehr sollten Sie ihm aufzeigen, weshalb es sich lohnt, die eigenen Ausgaben stets unter Kontrolle zu haben.

Anstatt darauf hinzuweisen, welche Probleme mit Schulden einhergehen können, heben Sie lieber all die positiven Aspekte hervor, die daraus resultieren, wenn man die eigenen Finanzen im Griff hat. Dadurch fördern Sie, dass Ihr Kind bestrebt ist, einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld zu lernen. Diese Herangehensweise an das relativ heikle Thema ermöglicht es auch, dass Ihr Kind einen gesunden Bezug zu Geld und seinen Ausgaben aufbaut und weiss, wie es Schuldenfallen vermeiden kann.

4 Tipps für sicheres Onlineshopping

  1. Zeigen Sie Ihrem Kind, was es beim Bezahlen in Onlineshops zu beachten gilt.
  2. Vereinbaren Sie zusammen mit Ihrem Kind eine Monats- oder Tageslimite für die Debitkarte.
  3. Surfen Sie gemeinsam, um unseriöse Onlineshops und betrügerische Werbungen zu erkennen.
  4. Prüfen Sie mit Ihrem Kind die Zahlungs- und Lieferbedingungen sowie die Rückgaberechte.
In der Viva Kids World finden Eltern Ratschläge, Tipps und Tricks für die Finanzerziehung. Kinder entdecken die Finanzthemen gemeinsam mit der Viva Kids Bande. credit-suisse.com/vivakidsworld
Patrick Lehner ist Leiter Basisprodukte der Credit Suisse und Vater von vier Kindern.
Patrick Lehner ist Leiter Basisprodukte der Credit Suisse und Vater von vier Kindern.