Wie findet Aufklärung wirklich statt?
Sexualität
Seite 3

Ich erzähle: «Mit Mia ist es ­wesentlich einfacher als mit ihrem ­Bruder»

Corinne ist Mutter von Mia, 16, und Luca, 12, und lebt mit Mann und ­Kindern in der Agglomeration von ­Zürich. Bei ihrer Tochter habe die Aufklärung früh auf natürliche Art ­begonnen, als sie mit dem zweiten Kind schwanger war.
«Ich habe manchmal das Gefühl, bei Luca haben wir die Aufklärung im Kleinkindalter etwas verpasst. Bei Mia passierte das sozusagen natürlich, als ich mit Luca schwanger war. Da wollte sie wissen, wie das Baby in den Bauch gekommen war, und wir erklärten es ihr anhand von Bilderbüchern. Als Luca vier Jahre alt war, war sein Gotti schwanger, und ich grub die alten Bilderbücher wieder aus. Aber es interessierte ihn mehr, wann er denn endlich mit dem neuen Gspänli spielen konnte, als wie dieses in Gottis Bauch gekommen war. 

Auch später fand und heute finde ich es mit Mia wesentlich einfacher als mit ihrem Bruder. 
Sie fragt, er nicht. Als sie fünf war und ich beim Einkaufen eine Packung Tampons aufs Band 
legte, erklärte ich ihr an der Supermarkt-Kasse, was das ist. Als sie vor zwei Jahren einen 
Freund hatte, redeten wir über Sex und Verhütung. Als es voriges Jahr einen Fall von Sexting an ihrer Schule gab, sprachen wir darüber. 

Das tat ich dann auch mit Luca, weil das Thema ja nicht nur Mädchen angeht. Beziehungsweise sprach ich, und er hörte zu – oder auch nicht. 

Ich glaube, einige seiner Freunde sind schon wesentlich «weiter» als er. Mädchen interessieren ihn noch nicht wirklich. Ich habe ihn zwar kürz­lich beim ­Onanieren erwischt, aber ich denke, bei ihm hat das mehr mit guten Gefühlen als mit konkreten Vorstellungen oder Wünschen zu tun. Das zeigt auch der Fakt, dass es mir peinlicher war als ihm. Ich habe aber die Gelegenheit wahrgenommen und ihm später gesagt, dass das vollkommen in Ordnung sei, aber zu seiner Privatsphäre gehöre, und er doch die Zimmertür zumachen solle, wenn er das mache.»

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