Wie findet Aufklärung wirklich statt?
Sexualität
Seite 2

Ich erzähle: «Weisst du noch mit der Banane?»

Daniela und ihre Töchter Luna, 13, und Lilly, 10, ­wohnen gemeinsam mit dem Vater der Mädchen in einem Dorf im Kanton ­Zürich. Daniela ist gelernte Krankenschwester. «Mami ist mein Google», sagt Luna.
Daniela: «Das eine Aufklärungs­gespräch gab es bei uns nicht.
Wir reden immer über alles beim Essen. Auch über Sex.»
Lilly grinst.
Daniela: «Du hast erstmals gefragt, als du etwa fünf warst.»
Luna: «Das weiss ich noch. Ich habe damals gesagt, ich würde es ihr nach dem Essen erklären.»
Daniela: «Sie hat dann aber einen Rückzieher gemacht. Also habe ich das Buch ‹Woher die kleinen Kinder kommen› hervorgeholt und es mit beiden zusammen angeschaut und ihre Fragen beantwortet.»
Luna: «Es gab nie etwas, von dem ich das Gefühl hatte, dass ich es Mami nicht fragen kann. So wusste ich auch über die Periode Bescheid, als ich sie mit elf Jahren bekam. Das war keine grosse Sache.»
Lilly: «Ich frage auch immer Mami, wenn ich etwas wissen will.»
Luna: «Papi zu fragen bringt nichts. Er sagt dann: ‹Frag Mami!›»
Lilly: «Weisst du noch mit der Banane?»
Daniela: «Luna war etwa acht, als sie beim Znacht fragte, ob man eigentlich auch Sex haben könne, ohne schwanger zu werden. Also haben wir über Verhütung und Geschlechtskrankheiten gesprochen, und ich habe kurzerhand ein Kondom und eine Banane geholt und es ihnen vorgeführt. Mein Mann fragte nachher, ob das nicht weniger anschaulich gegangen wäre.»
Luna: «Im Sexualkundeunterricht in der 6. Klasse haben sie das Kondom über eine Gurke gezogen.»
Daniela: «Die armen Buben! Da hat offenbar niemand über realistische Grössenverhältnisse nachgedacht!»
Luna: «Ich hatte nicht das Gefühl, in der Sexualkunde etwas zu erfahren, das ich nicht weiss. Aber einige andere wussten schon nicht wirklich viel. Denen ist es vielleicht peinlich, ihre Eltern zu fragen. Mir nicht. Auch wenn ich nicht immer alles erzähle.»
Daniela: «Ich glaube, ich merke, wenn Luna verliebt ist. Aber ich quetsche sie nicht aus. Ich vertraue darauf, dass sie zu mir kommt, wenn es etwas zu erzählen gibt.»
Luna: «Einen Freund hatte ich noch nie. Mir gefallen aber eher ältere Buben. Die in meinem Alter sind kindisch. Ich würde einen Freund auch mit nach Hause bringen.»
Daniela: «Sie dürften dann auch allein in ihrem Zimmer sein. Ich vertraue ihr da völlig. Aber natürlich gibt es Dinge, die nicht gehen. Zum Beispiel, wenn er sehr viel älter ist als sie.»
Luna: «Ich rede mit meinen Freundinnen schon auch über Jungs oder unseren Körper. Aber über Sex nicht. Das interessiert uns noch nicht so.»
Daniela: «Ich muss nicht über alles im Leben meiner Töchter Bescheid wissen. Wichtig ist, dass sie wissen, dass sie jederzeit über alles mit mir reden können.» 

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