Wann rede ich mit meinem Kind über Sex? Mädchen schauen Aufklärungsbücher an
Sexualität
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In der Pubertät 

Eltern sollen Situationen im Alltag nutzen, um über entsprechende Themen zu reden. «Eine gute Möglichkeit, Gesprächsbereitschaft zu signalisieren, ist das Bereden von tagesaktuellen Themen, zum Beispiel das Comingout einer berühmten Person, die Vor- und Nachteile von hormoneller Verhütung, Schönheitsideale oder Geschlechterrollen in einer Fernsehsendung», so Annelies Steiner. 

Dann könne man dem Kind gleich mitteilen, dass es mit allen Fragen oder Themen, die es besprechen möchte, immer zu den Eltern kommen kann. Steiner: «Gleichzeitig gilt es aber zu akzeptieren, dass das eigene Kind nicht mehr alles mit einem besprechen möchte.» 

Übrigens dürfen bei solchen Gesprächen ruhig auch mal die Väter ran – von denen sich laut Umfragen und Erlebnisberichten die allermeisten fast vollständig aus dem Thema raushalten. «Unsicherheit schadet gar nichts», findet Sexual­pädagoge Lukas Geiser. «Gerade Buben dürfen ihre Väter auch in einer Situation der Unsicherheit erleben. Das zeigt, dass auch dies zur Männlichkeit gehört.»

Gutes Setting, positive Botschaft

Aber wie kommt man mit seinem Teenager ins Gespräch? «Zu sagen: ‹Wir setzen uns jetzt hin und du stellst mir deine Fragen›, wird kaum funktionieren», betont Lukas Geiser. Aber die Ansage: «Du hast jetzt einen Freund bzw. eine Freundin, und ich möchte dir ein paar Sachen für dein Leben mitgeben», sei völlig in Ordnung. Man dürfe dem Kind auch mal zumuten, eine Weile zuzuhören, wenn es eine Abwehrhaltung zeige. «Wenn es abblockt, heisst das nicht, dass es nichts mitbekommt von dem, was man sagt.» 

Die US-amerikanische Bestsellerautorin Peggy Orenstein («Girls & Sex») rät, solche Gespräche auf einem Spaziergang oder im Auto zu führen. «So muss man einander nicht in die Augen schauen. Das funktioniert aber nur, wenn man eine einigermassen gute Bindung zum Kind hat», so Orenstein. Ein weiterer Trick, um ins Gespräch zu kommen: «Suchen Sie interessante Artikel oder Podcasts zu dem Thema und stellen Sie Fragen: Wie siehst du das? Wie ist das bei euch an der Schule?» Ob man die Podcasts gemeinsam hört oder dem Kind zu hören gibt und später darüber spricht, ist jedem selbst überlassen. Wichtig sei vor allem die Botschaft: «Sex ist toll. Sexuelle Neugier ist natürlich.» Dabei muss man auch als Eltern nicht auf jede Frage eine Antwort haben oder über alles detailliert Bescheid wissen. Auch hier können Bücher oder Internetseiten, individuell oder gemeinsam angeschaut, hilfreich sein. 

Pornografie

Peggy Orenstein rät Eltern, sich auch mal pornografische Inhalte im Internet anzuschauen. Und zwar bereits dann, wenn die Kinder anfangen, das Internet selbständig zu nutzen – also in der Regel etwa im Alter von zehn Jahren. Denn nur wer weiss, worum es geht, sei glaubwürdig.

Dann kann man dem Kind sagen: «Es gibt viele Bilder und Filme im Internet, und es kann sein, dass du auch mal etwas siehst, das dir nicht schön vorkommt.» Im Unterschied zu Erwachsenen fragen sich Kinder und Jugendliche beim Konsum solcher Inhalte nicht «Was macht das mit mir?», sondern «Was sehe ich hier?», erklärt Sexualpädagoge Geiser. Es gehe darum, positives Material zum Thema Sex bereitzustellen, so Orenstein, und dann zu sagen: «Und Porno ist etwas anderes.» 

Wichtig sei es, auch mit Mädchen über pornografische Inhalte zu sprechen und sie zu fragen, was sie dazu denken und fühlen. Und ihnen zu sagen: «Ihr dürft auch Lust empfinden, wenn ihr so etwas seht. Aber lasst euch nicht unter Druck setzen, Pornos zu schauen, wenn ihr es nicht wollt.» 

Dieser Artikel stammt aus dem Dossier: «Die Sache mit dem Sex» zum Thema Aufklärung. Hier können Sie eine Einzelausgabe bestellen. 
Dieser Artikel stammt aus dem Dossier: «Die Sache mit dem Sex» zum Thema Aufklärung. Hier können Sie eine Einzelausgabe bestellen. 

Mehr lesen zum Thema Sex und Aufklärung bei Kindern und Jugendlichen: 

  • Wie geht Aufklärung heute?
    Noch keine Generation galt als so aufgeklärt wie die unserer Kinder. Im Internet sind alle Informationen Tag und Nacht verfügbar. Doch was wissen Kinder und Jugendliche wirklich über Sex? Wie sieht altersgerechte Aufklärung heute aus? Und welche Rolle spielen die Eltern dabei?

  • Fünf Fragen zu Liebe und Sexualität
    Die erste Menstruation – oder was tun als Eltern, wenn der Freund der Tochter zum ersten Mal über Nacht bleibt? Fragen und Antworten zum Thema Liebe und Sexualität aus unserem grossen 100-Fragen-Dossier.

  • Frau Wanka, was sollen Eltern tun, wenn sie das Kind beim Sex überrascht?
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  • Frau Schwager, wie schützt man Kinder vor sexuellem Missbrauch?
    Die Psychotherapeutin Regula Schwager sagt, jedes dritte bis fünfte Mädchen werde im Laufe seiner Kindheit sexuell missbraucht. Die Co-Leiterin der Beratungsstelle Castagna über erschreckend hohe Opferzahlen, Traumafolgestörungen und die Frage, was Eltern tun können, um ihre Kinder vor sexuellem Missbrauch zu schützen. 
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