Gestresste Eltern im Lockdown
Sexualität
Seite 3

Das hört sich ein bisschen anstrengend an.

Ab und zu ja, aber als Paar und besonders auch als Eltern sind Sie ein Team. Und diesen Team-Gedanken verlieren viele Eltern mit der Zeit. Sie fangen an, gegeneinander, statt zusammen zu arbeiten. Statt sich zu überlegen, was man am Gegenüber nicht gut findet, ist es besser zu sagen: Ok, wir sind jetzt in dieser Situation. Wie gestalten wir sie gemeinsam? In anderen Worten: Mehr miteinander verhandeln, was man will, statt darüber zu reden, was man nicht will. 

Aber was tun mit der Wut auf den Partner oder die Partnerin? Oft verschwindet sie ja nicht einfach so.

Sie ist ein Hinweis darauf, dass Sie Ihre Grenzen spüren. Das ist etwas sehr Gesundes, vor allem in einer Beziehung. Was passiert, wenn Sie nicht auf Ihr inneres Nein hören und dann Ihre Grenzen nicht ziehen? Sie werden wütend. Zuerst auf Ihren Partner oder Ihre Partnerin. Und später auf sich selbst, weil Sie nicht für sich einstehen und kommunizieren, was Sie für sich brauchen, damit es Ihnen gut geht.

Welche Themen werden in dieser Corona-Krise in der Familie aus Ihrer Sicht zu wenig thematisiert?

Über den Umgang mit einem möglichen Todesfall eines Familienmitglieds wird zu wenig oder gar nicht geredet. Abschiednehmen, Trauermahl … all dies ist jetzt noch viel schwieriger. Allein die Logistik ist ein Kraftakt. Auch Finanzprobleme oder die Angst vor Jobverlust sind in diesen Zeiten die grossen Stressfaktoren, die auf Familien und Paare einwirken. Den individuellen Freiraum zu verhandeln fällt momentan auch vielen schwerer, weil sie sich verpflichtet fühlen, mehr aufeinander Rücksicht zu nehmen. Was auch ein Tabu-Thema ist: Affären in der Corona-Krise. 
«In der Corona-Krise fliegen Affären eher auf»

Ein heikles Thema, das jetzt wohl noch explosiver geworden ist … 

Nun: Man muss jetzt eine sehr gute Ausrede finden, um länger aus dem Haus wegzubleiben. Das fällt mir gerade sehr auf in der Praxis. Männer und Frauen mit Affären, haben es derzeit sehr schwierig, sich zu treffen. Die Sehnsucht nach der Geliebten oder dem Geliebten ist nun teilweise noch grösser, was sich auch auf die Hauptbeziehung auswirkt. 
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Was ist die Folge? 

Affären fliegen eher auf. Es fällt halt auf, wenn der Partner oder die Partnerin nervös ist und ständig am Handy hängt. Das macht misstrauisch. Auf der anderen Seite fühlt sich auch die Affäre sehr vernachlässigt, weil sich der Affärenpartner nicht mehr so viel melden kann – oder will.

Könnte man also auch sagen, die Krise bringt die wirklichen Probleme ans Licht?

Es ist beides. Es gibt Leute, die bislang verdrängt haben, dass ihr Leben nur noch aus Alltagstrott besteht und die vor lauter 24/7 plötzlich ausbrechen und sagen: Ich möchte das nicht mehr. Das ist dann natürlich eine Art Befreiung, weil diese Menschen danach handeln, wie sie sich fühlen. Aber es gibt auch die anderen, die sagen, zum Glück kann ich das mal erleben. Vor lauter Arbeit hätte ich es fast verpasst, wie meine Kinder aufwachsen. Viele Männer geniessen übrigens die Zeit mit ihren Kindern zu Hause. Und die Kinder auch, da jedes Elternteil unterschiedlich ist, was Abwechslung in den Familienalltag reinbringt. 

Die Coronazeit macht auch die Partnersuche kompliziert, für alleinerziehende Mütter und Väter ist diese aktuell wohl noch schwieriger. 

Das Onlinedating ist nach wie vor aktuell. Singles sind fast aktiver, als vorher, weil sie nicht alleine sein möchten. Kreativ ist zum Beispiel das Zürcher Projekt «be my quarantine», das im Frühling und Sommer Dates via Zoom organisierte. Aber klar: Alleinerziehende Mütter und Väter haben es zurzeit tatsächlich schwerer, weil das Daten ohne Babysitter nur über Online-Plattformen möglich ist. 

Beziehungs-Tipps

  • Seien Sie mutig und wagen Sie ab und zu etwas Neues.

  • Updaten Sie sich gegenseitig über die aktuellen Gedanken und Wünsche. So bleiben Sie interessant füreinander.

  • Verhandeln Sie miteinander, was Sie möchten in der Beziehung, statt darüber zu reden, was Sie alles nicht wollen. 

  • Speziell in Coronazeiten: Reduzieren Sie die tägliche News-Dosis. Viele Menschen werden dadurch noch gereizter. Es ist schon so: Worauf sich der Fokus richtet, dorthin fliesst die Energie. Die Umstände können wir nicht verändern aber die Art und Weise, wie wir darauf reagieren schon. Fragen Sie sich als Paar: Wie möchten wir damit konstruktiv umgehen? 

  • Überraschen Sie einander immer wieder mal mit etwas Aussergewöhnlichem.

  • Elternpaare müssen sich die Zeit für (erotische) Zweisamkeit nehmen. Ganz wichtig: Sie als Paar sind der Kern der Familie und nicht die Kinder. Sich Zeit nur zu zweit zu nehmen, diese zu pflegen, ist auch ausserhalb der Coronasituation wichtig. 

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