Teeanger konsumieren Porno im Internet
Sexualität

Herr Geiser, schadet der frühe Pornokonsum den Kindern?

Welchen Einfluss der Konsum von Pornos auf die Sexualität eines Jugendlichen hat, hängt unter anderem von der Beziehung zu seinen Eltern ab, sagt der Sexualpädagoge Lukas Geiser. 
Interview: Sandra Casalini
Bild: Helena Lopes/Pexels & zVg

Lukas Geiser, wie tickt die Jugend von heute in Sachen Liebe, Beziehungen und Sexualität? 

So wie ich das erlebe – und das zeigen auch Umfragen – denkt ein Grossteil der Jugend recht traditionell. Sie wünscht sich Partnerschaften, ein erfülltes Liebesleben, träumt von einer Familie. Es gibt aber auch solche Jugendliche, die sich lieber ausprobieren und Vielfalt leben wollen. Dazu haben sie heute auch viel mehr Möglichkeiten als frühere Generationen. 

Spielen die Eltern im Internet-Zeitalter überhaupt noch eine Rolle bei der Aufklärung?

Teenager holten sich auch vor der Existenz des Internets Informationen aus anderen Quellen, wie Heftli und Büchern. Es ist wichtig, dass man sich mit zunehmendem Alter nicht nur bei den Eltern informiert. Trotzdem spielen sie eine zentrale Rolle. Sie dienen nach wie vor als Vorbilder, zeigen mit ihrer Gesprächsbereitschaft Interesse am Kind und an seinem Leben. Wer nie gemeinsame Erlebnisse geteilt oder Interesse von den Eltern gespürt hat, wird kaum begeistert sein, wenn die Mutter oder der Vater plötzlich mit einem über Sex reden will. 
Zur Person:Lukas Geiser ist Dozent für Sexualpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Zürich. Er ist Lehrbeauftragter an verschiedenen Fachhochschulen sowie Autor von Lehrmitteln und Publikationen. 
Zur Person:
Lukas Geiser ist Dozent für Sexualpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Zürich. Er ist Lehrbeauftragter an verschiedenen Fachhochschulen sowie Autor von Lehrmitteln und Publikationen. 

Eine Studie besagt, dass ein grosser Teil der Mädchen zu Hause aufgeklärt wird – vornehmlich von der Mutter – während Buben eher angeben, dass sie ihre Informationen in der Schule, von Freunden oder im Netz beziehen. Woran liegt das?

Das hat verschiedene Gründe. Einer ist die Angst der Eltern, dass ihre Tochter schwanger werden könnte, ein zweiter die einsetzende Menstruation. Da kommen Mütter eher mit ihren Töchtern ins Gespräch. Dazu kommt auch die Sorge vor sexueller Gewalt, der Gedanke, dass man Mädchen schützen muss. Bei Buben denkt man eher, die merken dann schon, wies läuft. 
<div>Dieser Text gehört zum <a href="https://www.fritzundfraenzi.ch/dossiers/aufklarung"><strong>Dossier Aufklärung</strong></a>. Lesen Sie hier alle Artikel zum Thema.&nbsp;</div>
Dieser Text gehört zum Dossier Aufklärung. Lesen Sie hier alle Artikel zum Thema. 

Dabei sind Buben genauso verunsichert wie Mädchen, gerade in Zeiten der «Me too»-Debatte. 

Der entscheidende Punkt muss sein, dass wir unabhängig vom Geschlecht erstmal darüber reden, wie man mit Respekt auf andere Leute zugeht, über Einvernehmlichkeit und Gleichstellung, bevor man den Jungen eintrichtert, sie sollen ihre Finger bei sich behalten und den Mädchen, sie sollen sich gegen Übergriffe wehren. Dann können sie viel besser einschätzen, welches Verhalten sie tolerieren und gegen welches sie sich zur Wehr setzen möchten. Wer mit den Kindern nur über Übergriffe im Zusammenhang mit Sex redet und den schönen Teil weglässt, löst natürlich Verunsicherung aus. 
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