Aufklärungsbuch «Nur für Boys»
Sexualität
Seite 2

Welche Vorgaben erhalten Lehrpersonen bezüglich Sexualkunde?

Aber wie geht man diesen Unterricht nun konkret an? Und welche Vorgaben und Anleitungen werden den Lehrpersonen gegeben? «Ich habe meinen Klassen immer angeboten, einzelne geschlechtergetrennte Lektionen durchzuführen, aber bisher war das nie gefragt», sagt Gaby Bär. Als Arbeitsmaterial stehen ihr Arbeitsblätter und teilweise auch Videos der Zürcher Hochschule für Pädagogik zur Verfügung. «Wir steigen immer mit etwas Spielerischem zur Auflockerung ein», so die Seklehrerin. «Zum Beispiel lasse ich die Kinder manchmal eine Kontaktanzeige schreiben, in der die Vorzüge eines anderen Teenagers beschrieben werden.» Dann folgt ein theoretischer Teil und je nachdem eine Diskussion im Plenum, eine Gruppenarbeit oder ein Spiel. «Sehr gut kommen Sketche an, die sie einstudieren und vorführen, zum Beispiel zum Thema Kondome kaufen.»
Dieser Artikel stammt aus dem Dossier: «Die Sache mit dem Sex» zum Thema Aufklärung. Hier können Sie eine Einzelausgabe bestellen. 
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Die persönliche Sexualität darf kein Thema sein

Peinlich sei ihr noch nie etwas gewesen, sagt Gaby Bär. «Ich achte immer darauf, dass weder meine eigene noch die persönliche Sexualität der Jugendlichen ein Thema ist», sagt sie. Wenn sie bemerkt, dass jemand im Gespräch zu weit geht, fragt sie nach, ob man das nicht lieber im Anschluss unter vier Augen besprechen möchte. Und noch etwas sollte einem als Lehrperson immer bewusst sein: «Es ist nicht an mir, Hintergründe zu hinterfragen, welche die Kinder von zu Hause mitbringen – zum Beispiel kulturelle oder religiöse.» Wenn ihr etwa ein Mädchen erzählt, sie werde ihren Mann dereinst nicht selbst aussuchen dürfen, kritisiert sie das als Lehrerin nicht. «Stellt diese Tatsache für das Mädchen allerdings ein grosses Problem dar und sie wendet sich damit an mich, muss man versuchen, gemeinsam mit der Schulsozialarbeit Lösungen zu finden.»

Vor den Reaktionen der Eltern habe sie sich übrigens am Anfang am meisten gefürchtet, gesteht Gaby Bär. Vor dem jeweiligen Unterricht sollen die Schülerinnen und Schüler zu Hause ein Informationsschreiben abgeben und dieses unterschreiben lassen. Die Eltern haben Gelegenheit, sich zu äussern. «Ich habe total angespannt auf negative Reaktionen gewartet», so die Pädagogin. «Bisher kam noch nie eine!» Im Gegenteil, sie höre öfter mal von Eltern, sie seien froh, werden die Themen in der Schule besprochen, so hätte man auch zu Hause einen Grund, darüber zu reden.
Ist Sexualkunde für alle Kinder Pflicht?
Bleibt noch die Frage, ob man seine Kinder vom Unterricht dispensieren lassen kann, wenn es um sexualkundliche Inhalte geht. Eine eindeutige Vorgabe hierzu gibt es nicht. Aber ein eindeutiges Urteil aus dem Kanton Basel-Stadt, wo zwei Familien ihr Dispensgesuch zuerst vor Bundesgericht und schliesslich sogar vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zogen. Dieses bestätigte im vergangenen Jahr das Urteil des Bundesgerichts, wies das Gesuch ab und unterstrich, dass Sexualkunde ein wichtiger Bestandteil der Schulerziehung sei.

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