Sexualität
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Wann ist der richtige Zeitpunkt, ein Kind aufzuklären? In der Pubertät? 

Das wird schwierig, wenn Sexualität vorher totgeschwiegen wurde – dann ist sie nicht implementiert im Familiensystem und es wirkt unglaubwürdig. Man sollte sich Aufklärung nicht für einen bestimmten Zeitpunkt aufheben. Sexualität ist per se Thema. Wir sind sexuelle Wesen. Von Geburt an bis ins hohe Alter.
«Wir hatten gerade Sex miteinander. Das tut uns als Paar gut.» Beate Wanka plädiert dafür, dass Eltern ganz offen mit ihren Kindern über Sexualität sprechen. Bild: iStock
«Wir hatten gerade Sex miteinander. Das tut uns als Paar gut.» Beate Wanka plädiert dafür, dass Eltern ganz offen mit ihren Kindern über Sexualität sprechen. Bild: iStock

Was sollte man seinen Kindern in Sachen Sexualität auf jeden Fall mit auf den Weg geben?

Eltern sollten ihre Kinder darin bestärken, ihre aktuellen sexuellen Bedürfnisse auszusprechen und die Wünsche ihres Gegenübers zu respektieren. So, dass ein Junge seiner Freundin oder ein Mädchen seinem Freund sagen kann: Ich finds extrem heiss, dich zu küssen, aber ich möchte noch keinen Geschlechtsverkehr. Und falls sich im Verlauf der Begegnungen dieses Bedürfnis doch noch einstellt, sollte er oder sie in der Lage sein, diesen Wunsch zu äussern.

Was halten Sie von der gängigen Aufklärungsliteratur? 

In vielen Büchern, die auch in Schulen verwendet werden, findet man nichts Realistisches zur weiblichen Lust oder dazu, wie die Klitoris in Wirklichkeit aussieht. Aus meiner Sicht werden Erwachsene wie Heranwachsende dadurch manipuliert: durch Weglassen beziehungsweise Auslassen. 
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Auch der Wortwahl vieler Aufklärungsbücher gegenüber sind Sie kritisch.

So ist es. Schamlippen, Schambein, Schambehaarung. Es ist befremdlich, dass diese Begriffe noch heute gedruckt und nicht durch Worte wie Labien, Venusbein und Intimbehaarung ersetzt werden. Meiner Meinung nach müssen wir uns von «Scham» im Schoss trennen, denn Worte prägen unser Denken. Und ich will keine Scham in meinen Genitalien. 
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Heute existiert eine Art Trend um die Vulva in Medien, Kunst und Mode. Wird unseren Kindern damit nicht sowieso ein offener und unverkrampfterer Umgang mitgegeben?

Leider nein. Das macht es aus meiner Sicht verkrampfter. Ein Trend stellt noch mehr fremdbestimmte Bilder her. Welche Frau traut sich beispielsweise heute noch, ihre Intimbehaarung lang und wuschelig zu tragen? Meiner Meinung nach leben wir in einer übersexualisierten Gesellschaft, die keinen entspannten Umgang mit Sexualität und Nacktheit hat. Es existieren so viele Bilder, wie Sex auszusehen und zu funktionieren hat, schon Kinder kommen mit Pornografie in Berührung. Gleichzeitig fehlen grundlegendes Wissen, Eigenverantwortung und Dialog: zwischen Paaren, mit den Kindern und in der Gesellschaft. 

Der Zugang von Kindern zu Porno­grafie ist ein viel besprochenes Problem. Welchen Umgang würden  Sie empfehlen?

Sobald die Kinder damit in Berührung kommen können: altersgerecht thematisieren und aufklären. Die Kinder müssen erkennen können, dass Pornografie mit der Realität, wie Sexualität zwischen zwei Menschen funktioniert, nichts zu tun hat. Zunehmend wachsen Jugendliche durch das schambesetzte Schweigen darüber mit einem falschen Verständnis von Sexualität auf. 

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1 Kommentar

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Von Eli am 29.03.2019 23:18

Sehr fragwürdige Aussagen einer Frau, bei der sich alles nur um Sex dreht.

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