Sexualität
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Die Medien setzen Teenager massiv unter Druck

Die Entdeckung der eigenen Sexualität ist eben trotz Internet nicht leichter geworden. Wenn in der Serie ein Junge keinen Spass mehr am Sex mit seiner Freundin hat, ein anderer sich mit den Problemen als Homosexueller herumschlagen muss und ein Dritter vor dem ersten Sex gar eine Panikattacke erleidet, ist das für den jugendlichen Zuschauer zwar unterhaltsam und witzig, aber ebenso tröstend und ungeheuer entlastend. Die Rat- und Hilflosigkeit der unterschiedlichen Protagonisten nimmt jungen Zuschauern die eigene Angst und zeigt, dass es ihnen nicht alleine so ergeht.

Schliesslich ist in der Pubertät die Sexualität wesentlicher Bestandteil der Ich-Findung. Nur schaffen die Medien eine Öffentlichkeit, die Kinder und Jugendliche massiv unter  Druck setzt. Im Netz und beim Zappen werden sie mit unterschiedlichsten Sexpraktiken konfrontiert. Da findet ein starker Bruch statt: auf der einen Seite die plakativen sexuellen Darstellungen – fast ohne Tabus; auf der anderen Seite der noch voll mit sich und der eigenen Entwicklung beschäftigte Teenager, was ein hohes Mass an eigener Intimität und Zurückgezogenheit benötigen würde. 

Zudem wollen Jugendliche meist nicht sofort mit aktiven Sexhandlungen und einem Partner beginnen, sondern zuerst sich, den eigenen Körper und die eigenen Bedürfnisse entdecken. 
Wenn in der Serie ein Junge keinen Spass mehr an Sex hat und ein anderer Panikattacken davor erleidet, kann das für Jugendliche tröstlich sein.
Bis es dann zum ersten gemeinsamen Entdecken und Ausprobieren mit einem Partner kommt, hilft neben «Sex Education» auch eindeutige Aufklärungsliteratur, die auch kommentarlos irgendwo in der Wohnung herumliegen kann. Bücher haben den Vorteil, dass sich die Jugendlichen damit zurückziehen können, um sich im eigenen Tempo mit dem Thema auseinanderzusetzen. Gleichzeitig bieten sie aber auch die Möglichkeit, sich mit vertrauten Menschen, etwa der allerbesten Freundin, über Sexualität auszutauschen.

Auch wir Eltern sollten dennoch als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, ohne uns aufzudrängen. Eltern können – fern von Sexbomben und Pornostars – eine gesunde und stabile Normalität vermitteln. Denn auch nach dem ersten Sex der Mädchen und Jungen gibt es immer noch sehr viele Fragen, die auch die beste Serie der Welt nicht beantworten kann. Wir Eltern aber schon.

Tipps zum Umgang mit dem Thema Sex: 

  • Sex ist zunächst mal etwas Schönes

  • Verhütung ist wichtig, darüber muss gesprochen werden

  • Bitte keine anzüglichen Reden und Zoten

  • Keine Witze über den Körper des Kindes

  • Rückzugsmöglichkeiten anbieten

  • Aufklärungsliteratur nicht aufdrängen, sondern herumliegen lassen

  • Ansprechpartner bei Fragen bleiben

  • Keine Verhöre zum Thema Sexualität und Freunde

  • Privatsphäre des Kindes akzeptieren; auch wenn kleine Kinder kein Problem mit der eigenen Nacktheit haben, wächst bei Kindern und Jugendlichen die Scham

  • Schauen Sie sich «Sex Education» an und machen Sie sich ein eigenes Bild

Zum Autor: 

Thomas Feibel, 56, ist der führende Journalist zum Thema «Kinder und neue Medien» in
Deutschland. Der Medienexperte leitet das Büro für Kindermedien in Berlin, hält Lesungen und Vorträge, veranstaltet Workshops und Seminare. 

Zuletzt erschien sein Elternratgeber «Jetzt pack doch mal das Handy weg» im Ullstein-Verlag. Feibel ist verheiratet und Vater von vier Kindern. 
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