Sexualität

Fern von Pornos: Reden wir über Sex

Mit seinen Kindern über Sexualität zu reden, ist so wichtig wie eh und je. Das Internet ist hier kaum eine Hilfe, im Gegenteil. Aber: Versuchen Sie es doch einmal mit der Netflix-Serie «Sex Education»!
Text: Thomas Feibel
Illustration: Petra Dufkova/Die Illustratoren
«Sex Education» heisst eine britische Serie des Streamingdienstes Netflix. Allein der Titel dürfte manchen Eltern einen Schrecken einjagen. Er klingt nach einer modernen Aufklärungsdoku mit expliziten Darstellungen. Tatsächlich ist «Sex Education» eine ganz normale Unterhaltungsserie mit Protagonisten im Teenageralter. 
Die Handlung der insgesamt acht Folgen verläuft etwa so:
Im Mittelpunkt steht der 16-jährige Otis, Sohn einer Sexualtherapeutin, die offen promiskuitiv lebt. In der Schule fühlt sich Otis von Maeve angezogen, dem Mädchen mit den rosa Haaren und dem schlechten Ruf.

Durch Zufall entdecken beide, dass Otis seinen Klassenkameraden erstaunlich gute Sextipps geben kann. Die chronisch klamme Maeve macht daraus ein cleveres Business: Sie besorgt aus der Schülerschaft die zahlungskräftigen «Klienten», und Otis erteilt ihnen in seiner empathischen Art Ratschläge – obwohl er selbst extrem gehemmt ist und gar keine eigenen sexuellen Erfahrungen hat. Noch nicht einmal in Sachen Masturbation.

Weil die ersten beiden Folgen sehr klamaukig und übertrieben fröhlich daherkommen, schalten Erwachsene vermutlich schon nach wenigen Minuten ab. Frei nach dem Motto: Bitte nicht noch eine alberne Teenager-Serie! Doch dranbleiben lohnt sich unbedingt. Bereits in der dritten Folge ändert sich die Tonalität – es wird ernst, traurig und sehr berührend.
Wann haben Sie das letzte Mal mit ihren Kindern über Sex gesprochen?
Die Serie ist ein guter Anlass, mal darüber nachzudenken, wann wir das letzte Mal mit unseren Kindern über Sex gesprochen haben.
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Internetpornos wirken verstörend 

Solange Kinder klein sind, fällt es vielen Eltern leichter, sie aufzuklären, flankiert vom sachlichen Biologieunterricht, der auch Fortpflanzung und Verhütung behandelt. Doch Sexualität ist weitaus komplexer. Wenn Sex immer noch eines der grossen Tabuthemen in der Erziehung ist, liegt das nicht allein an uns Eltern. Vielmehr ist es deshalb so schwierig, mit Teenagern offen über Sexualität zu sprechen, weil es ihnen besonders unangenehm und peinlich ist, mit den Eltern darüber zu reden.

Jetzt könnten wir Erwachsene auf die verwegene Idee kommen, dass die Entdeckung der eigenen Sexualität in Zeiten des Internets viel einfacher sein müsste als bei uns seinerzeit. Durch das Web kommen Kinder spielend leicht an pornografische Inhalte heran. Das Netz ist heute der einfachste und anonymste Weg, um die eigene Neugier zu befriedigen. Falls Sie das nicht glauben, können Sie ja mal den Begriff Porno in der Bildersuche von Google eingeben und staunen, was da erscheint.

Hinzu kommen eindeutige Websites wie YouPorn, denen kaum ein Jugendlicher in einem unbeobachteten Moment zu widerstehen vermag. Dieser digitale Zugang mag zwar vieles vereinfachen, allerdings können deren Inhalte das Bild der Jugendlichen von Sexualität auch in negativer Weise beeinflussen. Sie beschädigen es sogar, wenn bestimmte Videoaufnahmen bei Mädchen und Jungen den Eindruck vermitteln, dass Sex ein Leistungssport mit mechanischen Bewegungen sei. Von allerhand abnormen Varianten mal ganz abgesehen.

Kein Wunder also, wenn Jugendliche aus solchen Angeboten eher verstörter als aufgeklärter hervorgehen. Einige von ihnen machen durch diese falschen Vorbilder körperlich schmerzhafte Erfahrungen und finden vielleicht darum keinen Gefallen mehr am Sex.

In solchen Zeiten übernimmt die Serie «Sex Education» eine ganz besondere Funktion, die über gute Unterhaltung weit hinausgeht.

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