Gotte sein – nein danke!

Ein Patenamt zu übernehmen, ist eine zwiespältige Erfahrung. Unsere Kolumnistin möchte sie nicht noch einmal machen.
Es war der 2. Juli 1979. Ein heisser Sommertag. Ich war das glücklichste Mädchen der Welt. Meine Schwester hatte vor ein paar Stunden ihr erstes Kind geboren. Catherine war just an meinem Geburtstag auf die Welt gekommen. Meine Mutter holte mich an diesem Abend vom Bahnhof ab. «Es isch es Meiteli», flüsterte sie mir ins Ohr und drückte mich so fest, dass ich fast keine Luft mehr bekam. «Und du wirsch Gotti!» Ja, ich wurde Gotti. Und ich hätte platzen können vor Stolz. 

Ich hatte Kinder schon immer sehr gern gehabt, aber das erste Baby in unserer Familie war natürlich etwas Besonderes. Dass sich meine Eltern so sehr freuten, erstaunte mich allerdings. Catherine war nicht geplant gewesen, meine Schwester hatte hochschwanger geheiratet. Ein Umstand, der für meine sehr katholischen Eltern schwer zu verdauen war. Aber dann war die Kleine da und entzückte uns alle. Stundenlang konnte ich sie beobachten, ihre kleinen Händchen, das zuckersüsse Näschen, den Kussmund. Und meine Schwester war froh, dass ich ihr unter die Arme griff und sie in vielem unterstützte. Manchmal, wenn ich sie in den Armen hielt, hatte ich das Gefühl, Catherine wäre mein Kind. Und wenn ich mit ihr spazieren ging und die Leute sagten: «Ganz die Mutter!», nickte ich zustimmend.

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