wie lernt man Selbstliebe?
Entwicklung
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Wie stützt man Kinder mit weniger Selbstbewusstsein?

Und was können Eltern eines wenig selbstbewussten Kindes im Alltag tun? «Zunächst einmal geht es darum, herauszufinden, was ein Kind besonders gut kann, also die Stärken zu betonen, statt auf den Schwächen herumzureiten», erklärt Basil Eckert, leitender Schulpsychologe des Kantons Schwyz. 

«Eltern können sich überlegen, welche positiven Charaktereigenschaften es hat und was es besonders interessiert. Diese Stärken gilt es zu loben und zu fördern. Vielleicht blüht es mit einem bestimmten Hobby, im Sportverein oder in der Musik auf. So erleben Eltern ihr Kind auch wieder von einer anderen, selbstbewussteren Seite.»
Raphaela und Marcel wünschen sich, dass ihre Kinder ihre Talente voll entfalten können. Ihre Geschichte lesen Sie im Dossier des Printmagazins 12/19.
Raphaela und Marcel wünschen sich, dass ihre Kinder ihre Talente voll entfalten können. Ihre Geschichte lesen Sie im Dossier des Printmagazins 12/19.
Möchte man Kinder nachhaltig stärken, empfiehlt die Psychologin Sarah Zanoni Eltern, regelmässig mit ihrem Kind über seine Stärken zu sprechen.  Seien Sie gewiss: Der Fortschritt kommt mit der Übung. Das Ziel ist, sich als wertvoll anzuerkennen. Das klingt leicht, ist aber schwer, denn entsprechende Glaubenssätze wie «Ich werde diese Aufgabe nicht lösen können» oder «Die anderen haben keine Lust, mit mir Zeit zu verbringen» wurden über Jahre hinweg antrainiert. 

Doch glücklicherweise steht uns im Ringen mit den Selbstzweifeln unsere gesamte Entwicklung zur Seite. Denn «das durchschnittliche Selbstwertgefühl steigt ab der Jugend kontinuierlich an und erreicht im Alter von etwa 60 bis 70 Jahren seinen Höhepunkt», so Ulrich Orth.

Um psychische Gesundheit zu erhalten oder zu erlangen, empfehlen Experten, ebenso «Selbstmitgefühl» einzusetzen. Die australische Psychologin Sarah L. Marshall fand in einer Studie mit 2500 Jugendlichen heraus, dass die negativen Effekte eines niedrigen Selbstwertgefühls abgemildert werden können, wenn man sich selbst in Krisen mitfühlend, mit Verständnis begegnet. Das sei deswegen eine so gute Nachricht, weil es einfacher sei, bei Menschen das Selbstmitgefühl zu steigern als das Selbstwertgefühl.

Hat Ihr Sohn oder Ihre Tochter also irgendwann Zweifel an sich selbst, können Sie sein beziehungsweise ihr Mitgefühl stärken. Erkennen Sie an, was ist: «Das ist jetzt einfach eine schwierige Situation», «Das tut weh!» oder «Das ist echt blöd gelaufen». Und fragen Sie dann: «Was würde dir jetzt gerade guttun?» 

Machen Sie zusammen eine Pause. Atmen Sie durch. Schreiben Sie auf, was das Kind besonders gefreut hat oder worauf es stolz war. Und bleiben Sie dran. Wohlwollen zu kultivieren, braucht Zeit.

<div><strong>Claudia Landolt</strong> liebt es, sich bei ihren Recherchen durch meterweise Wissenschaftsliteratur zu lesen. Als Mutter von vier Schulkindern und Yogalehrerin ist ihr das Thema Selbstliebe besonders nah.</div>
Claudia Landolt liebt es, sich bei ihren Recherchen durch meterweise Wissenschaftsliteratur zu lesen. Als Mutter von vier Schulkindern und Yogalehrerin ist ihr das Thema Selbstliebe besonders nah.

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