«Mitfühlende Kinder sind glücklicher»
Entwicklung
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Und wenn trotz alledem aus der ­kleinen Flamme ein Waldbrand wird?

Dann können die Kinder jemanden fragen, der ihnen bei dem Konflikt hilft. Auch das lernen sie in diesem Unterricht. Ich stelle mich manchmal vor die Klasse und sage etwas wie: «Ah, schaut mal, jetzt bin ich in der Sturm-Zone. Ich bin megawütend, weil das gerade nicht geklappt hat. Könnt ihr mir helfen?» Meine Schülerinnen und Schüler wissen, dass wir uns alle manchmal so fühlen. Diese Erfahrung ist sehr hilfreich, um das Gegenüber zu verstehen und entsprechend zu reagieren.

Studien haben gezeigt, dass bei ­Teenagern das Ansehen von Leistung weit vor dem sozialen Engagement steht. Wie nehmen Ihre Schülerinnen und Schüler dieses Fach wahr?

Mich hat sehr berührt, wie sie diesen Unterricht und die dort erworbenen Kompetenzen reflektieren. Ein Kind hat gesagt: «Ich habe das Gefühl, ich lerne mich besser kennen.» Eine andere Schülerin hat zusammengefasst: «Das, was wir in Glück lernen, ist ganz echt.» Ich bin sehr froh, dass der neue Lehrplan 21 diese überfachlichen Fähigkeiten berücksichtigt. Die sozialen und emotionalen Kompetenzen werden darin stärker gewichtet. Mitfühlende Kinder sind glücklicher. Die Einsicht «Aha, was mir guttut, hilft vielleicht auch anderen» macht innerlich sicherer. Wenn wir uns gegenseitig unterstützen, fällt es jedem Einzelnen und dann auch der Gemeinschaft leichter.

Ein Ziel von SEE Learning ist auch, die Atmosphäre im Klassenzimmer zu verbessern. Warum reicht es nicht, einfach Regeln des sozialen ­Miteinanders aufzustellen und auf deren Einhaltung zu bestehen?

Die Lehrerfahrung zeigt, dass das Androhen von Konsequenzen wenig Einfluss auf den Umgang der Schülerinnen und Schüler miteinander hat. Die Kinder halten sich viel ­stärker an Vereinbarungen, die wir gemeinsam gemacht haben und von denen sie überzeugt sind. Wenn ich weiss, dass mein Gegenüber genauso mit Unsicherheiten, Ängsten und Stress zu kämpfen hat wie ich, wenn ich weiss, dass ich ihm helfen kann und wie das geht, dann schafft das eine andere Grundlage. Wenn ich weiss, dass mein Gegenüber das Bedürfnis teilt, sich in der Klasse wohlzufühlen, hilft mir diese Einsicht, mich an unsere Klassenvereinbarungen zu halten.

In den meisten Schulklassen treffen heute Kinder aus unterschiedlichen Kulturen und mit verschiedenen Erfahrungen aufeinander. Ist es ­wirklich so einfach, eine gemeinsame Basis zu schaffen?

Ich habe das noch nie als Problem wahrgenommen. Kinder sind sich doch sehr ähnlich in ihren Bedürfnissen und in dem, was sie spielen wollen und wie sie miteinander agieren. Was manchmal Schwierigkeiten bereitet, ist der religiöse Hintergrund der Eltern. Ich hatte in einer Klasse Eltern, die in einer christlichen Freikirche waren und sich wegen des Dalai Lamas sorgten, dass SEE Learning ein buddhistischer Religionsunterricht sei. Ich war froh, dass sie ihre Bedenken angemeldet haben, so konnte ich sie in den Unterricht einladen und sie haben ihre Befürchtungen schnell abgelegt. Es geht um eine säkulare Ethik. Um Mitfühlen, Respekt, Freundlichkeit. Das sind universelle Werte.
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Sie unterrichten «Glück» ein Mal pro Woche. Reicht das aus?

Diese einzelne Stunde würde nicht ausreichen. Aber ich komme nicht nur fürs «Glück», ich komme auch zum Mathematik- und Förderunterricht. Das Herz des Curriculums ist, dass es ein Bestandteil von allen Fächern ist. Auch die Kollegen und Kolleginnen wenden die Vereinbarungen und Strategien in ihrem Unterricht an. Diese Kompetenzen müssen immer wieder trainiert werden, damit sie selbstverständlicher Teil des täglichen Miteinanders sind.

<div><strong>Barbara Jüsy</strong> ist schulische Heilpädagogin, Lehrerin und Vorstandsmitglied im Verein «Achtsamkeit – Schule – Bildung».</div>
Barbara Jüsy ist schulische Heilpädagogin, Lehrerin und Vorstandsmitglied im Verein «Achtsamkeit – Schule – Bildung».

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