Erziehungsmythen: Scheidungskinder sind beziehungsunfähig. Stimmt's?
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Scheidungskinder sind beziehungsunfähig. Stimmt's?

Erziehungsmythos 9:

Scheidungskinder sind beziehungsunfähig. Stimmt's?
Scheidungskinder sind beziehungsunfähig. Stimmt's?

Das sagen die Experten:

«Wenn Eltern den Kindern zuliebe zusammenbleiben möchten und von diesem Wunsch beseelt Anstrengungen zur Verbesserung ihrer Partnerschaft unternehmen, ist das ein valabler Grund. Wenn sie hingegen nicht in der Lage sind, ihren Kindern ein angemessenes Familienklima zu bieten, das getragen ist von Positivität und Wertschätzung, und chronische Spannungen und destruktive Konflikte das Zusammenleben vergiften, schadet dies den Kindern mehr als eine gelungene Trennung. Mehrere Studien zeigen, dass eine andauernd negative Familiendynamik für Kinder schädlicher ist als die Scheidung per se.»
<div><strong>Guy Bodenmann </strong>ist ordentlicher Professor für Klinische Psychologie mit Schwerpunkt Kinder / Jugendliche und Paare / Familien an der Universität Zürich. Er ist Direktor der Praxisstelle für Paartherapie und der Praxis- stelle für Kinder- und Jugendpsychotherapie am Psychotherapeutischen Zentrum der Universität Zürich und Buchautor.</div>
Guy Bodenmann ist ordentlicher Professor für Klinische Psychologie mit Schwerpunkt Kinder / Jugendliche und Paare / Familien an der Universität Zürich. Er ist Direktor der Praxisstelle für Paartherapie und der Praxis- stelle für Kinder- und Jugendpsychotherapie am Psychotherapeutischen Zentrum der Universität Zürich und Buchautor.
«Eine Trennung oder Scheidung fügt dem Kind keinen Schaden zu. Was ein Kind dagegen belastet, sind Eltern, die die Familien- und Paarebene nicht auseinanderhalten können, unverarbeitete Konflikte vor dem Kindern austragen und sie zum Spielball elterlicher Emotionen werden lassen. Kinder geraten dann zwischen die Fronten, ja sie werden zur eigentlichen Kampftrophäe, zum angeblichen Grund für den erbitterten Scheidungskampf. Wenn wir ihnen dies ersparen wollen, müssen wir zwei Punkte beachten. Erstens sollten wir uns bewusst sein, dass die Gefühle der Kinder dem anderen Elternteil gegenüber nicht identisch sind mit den Gefühlen, die wir für diese Person haben. Zweitens sollen wir darauf achten, alles zu unterlassen, was die Beziehung der Eltern zum anderen Elternteil gefährdet. Wenn wir uns bei allen Situationen während und nach der Trennung diese Punkte vor Augen halten und versuchen die jeweiligen Situationen mit den Augen der Kinder zu sehen, können auch Scheidungskinder glücklich aufwachsen.»
<div><strong>Oliver Hunziker </strong>ist Informatiker, Präsident der Beratungsorganisation Verein für elterliche Verantwortung (VeV Schweiz), Präsident des Dachverbandes GeCoBi – Schweizerische Vereinigung für gemeinsame Elternschaft, Präsident und Gründer des Männer- und Väterhauses ZwüscheHalt, Aargau, Bern und Luzern, Vizepräsident des International Council on Shared Parenting. Er lebt in seiner Patchworkfamilie im Kanton Aargau.</div>
Oliver Hunziker ist Informatiker, Präsident der Beratungsorganisation Verein für elterliche Verantwortung (VeV Schweiz), Präsident des Dachverbandes GeCoBi – Schweizerische Vereinigung für gemeinsame Elternschaft, Präsident und Gründer des Männer- und Väterhauses ZwüscheHalt, Aargau, Bern und Luzern, Vizepräsident des International Council on Shared Parenting. Er lebt in seiner Patchworkfamilie im Kanton Aargau.
«Bei Trennung oder Scheidung der Eltern ändert ungefähr jedes dritte Kind sein Verhalten in der Schule. Diese Kinder ziehen sich entweder zurück oder werden verhaltensauffällig. Schulische Schwierigkeiten treten oft im Alter von sechs bis acht Jahren sowie während der Pubertät auf. In diesen Phasen baut das Kind wichtige Stufen seiner Ich-Entwicklung auf – unter anderem die Konzentrationsleistung. Eine Trennung der Eltern kann diesen Prozess beeinträchtigen. Sie kann auch ein Kompensationsverhalten auslösen: eine verstärkte Nutzung von sozialen Medien einhergehend mit Sozialkontaktverlust oder ein verändertes Ess- und Schlafverhalten. Zudem ist es möglich, dass die Entwicklung des Kindes verzögert oder beschleunigt wird. Bei all diesen Folgen gilt: Je konfliktreicher eine Trennung – also je mehr Streitgespräche, Wut und Aggressionen –, desto schlimmer für das Kind und desto stärker die möglichen Folgen. In meiner Praxis stelle ich fest, dass Scheidungskinder als erwachsene Einzelpersonen später öfter Schwierigkeiten haben, sich in Beziehungen längerfristig zu binden. Auch der Selbstwert kann leiden. Vergessen wir aber nicht: Im besten Fall wird das Wohlbefinden des Kindes von einer Trennung überhaupt nicht beeinträchtigt und das Kind gewinnt an Selbständigkeit und Bewältigungsstrategien hinzu.»
<div><strong>Sonya Gassmann</strong> ist Psychologin lic.phil., Mediatorin und Dozentin. In der eigenen Praxis in der Stadt Bern berät sie Einzelpersonen, Paare und Familien. Dabei arbeitet sie auch direkt mit Kindern und Jugendlichen, die von einer Trennung betroffen sind. Gassmann war als Berufsschullehrerin und Schulleiterin tätig sowie als Expertin für Konfliktsituationen und Gesprächsführung beim Bundesamt für Sport.</div>
Sonya Gassmann ist Psychologin lic.phil., Mediatorin und Dozentin. In der eigenen Praxis in der Stadt Bern berät sie Einzelpersonen, Paare und Familien. Dabei arbeitet sie auch direkt mit Kindern und Jugendlichen, die von einer Trennung betroffen sind. Gassmann war als Berufsschullehrerin und Schulleiterin tätig sowie als Expertin für Konfliktsituationen und Gesprächsführung beim Bundesamt für Sport.

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