Ein gutes Gefühl
Entwicklung
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Jungen erhalten weniger Inputs, wie Männer mit Emotionen umgehen

Eltern sind die ersten empathischen Vorbilder, die ein Kind kennenlernt. Zwischen elterlichem und kindlichem Einfühlungsvermögen gibt es immer einen Zusammenhang, sagt Empathieforscher David Lätsch. Das Vorleben von Empathie ist dabei ein zentraler Aspekt, die emotionale Bestärkung des Kindes ein anderer.

70 bis 80 Prozent der 6- bis 11-jährigen Kinder und der 12- bis 16-jährigen Jugendlichen finden Werte wie Empathie, Solidarität, Respekt und Hilfsbereitschaft wichtig, das hat eine Studie im Auftrag der Bepanthen-Kinderförderung in Deutschland ergeben. 
Wer Empathie im ­frühen Kindesalter nicht erlernt hat, kann sich diese auch noch als Erwachsener antrainieren.
Die Mädchen haben sich in dieser Studie als mitfühlender und hilfsbereiter dargestellt als ihre männlichen Altersgenossen. «Das liegt auch daran, dass Jungen viel weniger Inputs bekommen, wie ihre Väter und ganz allgemein Männer mit Emotionen umgehen. Buben erhalten auch nicht so viel Hilfe dabei, wie sie Gefühle wie Wut zeigen können», sagt Caroline Märki. Ihnen fehlten dafür oftmals die Worte, stattdessen reagierten sie mit Aggression. «Dem Kind muss geholfen werden, seine Frustration genau zu bestimmen und sie in einer weniger destruktiven Art auszudrücken.» Das Bewusstsein dafür ist laut ­Märki gestiegen: Viele junge Väter arbeiteten inzwischen daran, ein anderes, empathischeres Männerbild zu etablieren.

Wer Empathie nicht im frühen Kindesalter erlernen konnte und als Erwachsener bei sich Defizite bemerkt – vielleicht auch ausgelöst durch die Elternrolle –, der muss nicht mit diesem Manko leben. Das menschliche Gehirn ist in der Lage, sich ein Leben lang zu verändern und an neue Verhältnisse anzupassen, das zeigt auch eine Studie des Leipziger Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften. Dort wurde untersucht, wie sich ein Mitgefühlstraining bei Erwachsenen auswirkte. Bei diesem Mentaltraining wurde unter anderem mit speziell entwickelten Meditations- und Achtsamkeitsübungen gearbeitet. Das Ergebnis war, dass die Empathiefähigkeit messbar stieg und bei den Studienteilnehmern ausserdem der Stresslevel und die Entzündungswerte im Körper sanken.

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