Entwicklung
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Wenn der Sohn ein Raufbold ist – was sollen Eltern tun?

Körperliche Auseinandersetzungen gehören zur männlichen Biografie. Wichtig ist, dass ein Junge zwischen einem Spasskämpfli und einer Rauferei unterscheiden kann. Wie geht das? Indem das Kind eine Art innere Stimme als Leitplanke hat. Und die bekommt es nur, wenn es Eltern hat, die ihm Grenzen setzen. Die ihm beibringen, was fair ist und was unfair, die ihm sagen, dass es sofort aufhören muss, wenn der andere «Stopp» oder «Nein» sagt – und dass der Kopf des Gegenübers tabu ist. Raufereien grundsätzlich zu verbieten, halte ich für falsch. Die Kinder müssen aber lernen, wie man damit umzugehen hat.

Allan Guggenbühl, Psychologe, Psychotherapeut und Experte für Gewaltfragen

Wie wichtig ist es, dass ich mein Kind Kind sein lasse?

Die Kindheit ist ein unveräusserlicher Schatz, der im eigentlichen Wortsinn unantastbar ist. Denn wir sind alle nur einen Teil unseres Lebens Kinder. In unserem Inneren aber leben wir ein ganzes Leben davon, dass wir Kinder waren – wirkliche, echte Kinder. Wenn wir jetzt den Kindern keine Kindheit mehr zugestehen, weil wir sie lieber gleich fit für den Job machen wollen – dann ist es vielleicht an der Zeit, uns zu fragen: Was genau suchen wir im Leben?

Herbert Renz-Polster, Kinderarzt

Wie viel Spielzeug braucht ein Kind?

Im Vorschulalter braucht ein Kind maximal vier Spielzeuge. Generell gilt: Weniger ist mehr. Allerdings sind Kinderzimmer ohne Plüschtiere und Spielzeug trostlos. Deshalb gehören in jedes Kinderzimmer Spielsachen.

Problematisch wird es, wenn zu viele Spielsachen herumliegen. Denn diese strahlen aus der Sicht des Kindes eine Erwartung aus, nämlich die, mit ihnen zu spielen. Eine Überreizung führt dazu, dass Kinder gar nicht in ihr Spiel versinken können, weil sie dauernd diese Aufforderung spüren.

Ideal sind Spielsachen, die nicht festgelegt sind, also Bälle oder Klötze oder Konstruktionsspiele. Sie lassen der kindlichen Fantasie freien Raum, und das Schöne an diesen Spielen ist die vielseitige Anwendbarkeit: Kinder konstruieren in jeder Phase ihres Lebens etwas anderes daraus. Als Baby nehmen sie ein Spielzeug in den Mund, werfen es herum. Später wird aus einem Baustein ein Auto. Und noch später kommen die Rollenspiele. In der Regel sind solche Spiele immer besser als festgelegte Spiele.

André Zimpel, Erziehungswissenschaftler

Wie wichtig ist es, dass Kinder frei spielen können?

Spielen ist wichtig, weil das menschliche Gehirn vor allem ein Sozialorgan ist, das sich durch Erfahrungen entwickelt. Kinder können besser «nachäffen» als unsere nächsten Verwandten, die Schimpansen, denen wir genetisch immerhin zu mehr als 98 Prozent ähneln.

Spielen ist also keine verschwendete Zeit, sondern die effektivste Form des sozialen Lernens. Nichts macht Kinder so klug wie das selbstvergessene, frei gewählte Spiel. Wenn Kinder beim Spielen in die unterschiedlichsten Rollen schlüpfen oder Alltagsgegenständen eine neue, spielerische Bedeutung verleihen, fördern sie dadurch ganz automatisch ihr abstraktes Denkvermögen.

Diese Fähigkeit ist die wichtigste Voraussetzung, um später beispielsweise Naturwissenschaften oder Fremdsprachen zu lernen. Gleichzeitig wachsen sie dabei spielerisch in die Erwartungen ihrer Umwelt hinein. Das bedeutet: Sie steigern ihre soziale Kompetenz.

André Zimpel, Erziehungswissenschaftler
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Was braucht es für ein erfolgreiches Leben?

Es braucht drei Dinge, damit ein Kind längerfristig erfolgreich ist. Erstens: ein gutes Selbstkonzept. Das heisst, das Kind empfindet sich als guten Menschen und hat Vertrauen in sich und seine Fähigkeiten.

Der zweite Punkt: Es muss eine gewisse Frustrationstoleranz haben. Also in der Lage sein, eine Hürde zu meistern, ohne aufzugeben oder ohne dass Mami und Papi zeigen, wie es geht.

Drittens: Neugier. Das ist etwas, das ein Mensch braucht, um in der Schule erfolgreich, leistungsbereit und lernmotiviert zu sein. Und es sollte lernen, weil dies ein Bedürfnis ist, das aus ihm selbst herauskommt und nicht aus dem Druck der Eltern entsteht.

Das sind die Persönlichkeitsmerkmale, auf welche Eltern in der Erziehung die Schwerpunkte setzen sollten. Darauf schaut man in der Regel aber zu wenig. Man wertet die intellektuellen Fähigkeiten zu hoch.

Margrit Stamm, emeritierte Professorin an der Universität Fribourg und Direktorin des Forschungsinstituts Swiss Education in Aarau

Wie begleiten Eltern ihr Kind bestmöglich durch schwierige Zeiten?

Erstens: Eltern sollten sich bewusst machen, dass sie Fehler machen dürfen. Niemand ist perfekt, und es ist ein wichtiges Signal an Kinder, dies vorzuleben, aber sich auch entschuldigen zu können. Wer zu seinen Fehlern steht, erntet mehr Respekt, denn Kinder wollen und brauchen authentische Eltern als Vorbilder.

Zweitens: Eltern sollten immer hinter ihrem Kind stehen – egal, was passiert. Es ist wichtig, dass ein Kind spürt und auch hört, dass seine Eltern es lieben und mit ihm durch dick und dünn gehen, wenn es in Schwierigkeiten steckt oder wenn es sich nicht so verhält, wie man es erwartet.

Drittens: Beziehung basiert auf (Ur-)Vertrauen. Heisst: Das Kind soll wissen, dass seine Eltern für es da sind, wenn es sie braucht. Eine Beziehung zwischen Eltern und Kind wird gestärkt, wenn Eltern sich erstens für die Welt des Kindes interessieren, zweitens mit dem Kind reden, drittens durch Gestik und Mimik, viertens indem sie wertvolle Zeit miteinander verbringen – dazu zählen alle Momente, in denen ihnen das Kind etwas sagen, zeigen, fragen will – und fünftens, indem Eltern Präsenz zeigen.

Sarah Zanoni, Pädagogische Psychologin

100 Fragen und Antworten zu Erziehung, Familie und Schule

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  • 19 Fragen zum Thema Elternsein und Paarleben
    Ist es eigentlich in Ordnung, wenn man sich für sein Kind schämt? Soll man den Paar-Streit von Kindern fernhalten? Und wie findet man Zeit für sich, damit es gar nicht erst zu schwierigen Trennungsfragen kommt? 


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