Elternbildung
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Wie man Selbstmitgefühl lernt

Ein liebevoller, akzeptierender Umgang mit sich selbst wird in der Psychologie mit dem etwas umständlichen Begriff Selbstmitgefühl umschrieben. Diese Haltung lässt sich trainieren.
Selbstmitgefühl besteht aus drei Komponenten. Jeder Teilaspekt hilft dabei, sich selbst freundlicher zu begegnen. 
  1. Achtsamkeit: Annehmen, was ist
    Unangenehme Gefühle oder Pro­bleme möchten wir oft gar nicht wahrnehmen. Wir versuchen sie zu unterdrücken, flüchten uns in Grübeleien, weisen anderen die Schuld zu. Eine akzeptierende Haltung unseren Gefühlen gegenüber nimmt ihnen ihre Bedrohlichkeit. Dazu können wir uns etwas sagen wie: «Du bist nervös – das darf sein.» Oder: «Ich bin gerade so wütend, das hat mich richtig verletzt.» Teilweise nimmt die emotionale Spannung bereits ab, wenn wir das Gefühl ausdrücken können – auch nur im Stillen. Wir geben uns damit die Erlaubnis, die ganze Palette unserer Emotionen zu empfinden, ohne uns dafür zu verurteilen.
     
  2.  Sich verbunden fühlen: Du bist nicht alleine
    Mit Problemen, Schwächen und unangenehmen Gefühlen fühlen wir uns häufig alleine: Wir haben den Eindruck, wir seien die einzige Person, die sich «so blöd anstellt», mit ihrem Gewicht hadert oder mit bestimmten Schwächen und Schwierigkeiten kämpft.

    Es ist tröstlich, wenn wir uns in solchen Momenten bewusst machen können, dass solche Erfahrungen zum Menschsein dazugehören und viele andere Ähnliches erleben. Vielleicht können wir etwas zu uns sagen wie: «Es ist schlimm, wenn man verlassen wird. Es tut gerade richtig weh. Aber ich bin nicht alleine mit diesem Gefühl – ganz viele Menschen mussten das schon erleben.» Wenn wir uns in unserem Schmerz mit anderen verbunden fühlen, gelingt es uns auch eher, uns anderen anzuvertrauen und sie um Unterstützung zu bitten.

  3. Freundlichkeit: Sich behandeln als jemanden, den man mag
    Warum sollten wir nachtreten, wenn wir bereits am Boden liegen? Viel hilfreicher wäre es, uns Mitgefühl entgegenzubringen. Wir können uns in einem schwierigen Moment daran erinnern und uns fragen: «Was würde ein guter Freund in dieser Situation zu mir sagen? In welchem Ton?» Wir dürfen uns dazu vorstellen, dass dieser Mensch neben uns steht und zu uns spricht. 
Freundlich zu sich selbst sein? Das fühlt sich oft erstmal lächerlich an.
Wenn wir uns bemühen, uns selbst wertschätzender und freundlicher zu begegnen, kann das zu Beginn etwas komisch und fremd wirken. Vielleicht kommen wir uns dabei ein wenig lächerlich vor. Manchmal drückt sich die strenge, vorwurfsvolle Stimme in den Vordergrund und verdrängt unsere Vorsätze. Bleiben Sie beharrlich.

Fragen Sie sich eine Zeit lang regelmässig:
 
  • Wie geht es mir gerade? 
  • Was fühle ich?
  • Wie möchte ich mit mir umgehen?
  • Was würde mir helfen? 
  • Wem kann ich mich anvertrauen?
 
Grämen Sie sich nicht, wenn Sie sich selbst verurteilen – Sie sind am Üben. Sie können die Chance im Nachhinein nutzen. Sagen Sie sich zum Beispiel: «Mensch, jetzt warst du gerade richtig gemein zu dir und es geht dir schlecht. Was würde dir jetzt gut tun.»

Strenge, kritische innere Stimmen übernehmen wir meist von anderen Menschen. Teilweise, weil wir selbst Eltern hatten, die anspruchsvoll, fordernd, kühl, kritisch oder abwertend waren. Teilweise aber auch, weil sich unsere Eltern – bei aller Freundlichkeit anderen gegenüber – selbst so behandelt haben und wir uns diese Haltung bei ihnen abgeschaut haben. Wenn wir uns selbst annehmen und uns freundlich begegnen, machen wir nicht nur uns selbst ein Geschenk, sondern auch unseren Kindern. 

Über Fabian Grolimund

 Fabian Grolimund ist Psychologe und Autor («Mit Kindern lernen»). In der Rubrik
«Elterncoaching» beantwortet er Fragen aus dem Familienalltag. Der 40-Jährige ist verheiratet
und Vater eines Sohnes, 6, und einer Tochter, 3. Er lebt mit seiner Familie in Freiburg.

www.mit-kindern-lernen.ch
www.biber-blog.com

Fabian Grolimund schreibt in jeder Ausgabe des ElternMagazins Fritz+Fränzi eine Kolumne. Sie möchten das nicht mehr verpassen? Dann abonnieren Sie jetzt unser Magazin.
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