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Elternbildung

Wie Eltern ihr Kind bei Streit im Freundeskreis unterstützen

«Diese blöde Kuh! Mit der rede ich nie wieder!» Mit Tränen in den Augen schlägt Marie die Haustür hinter sich zu und stürzt sich in die Arme ihrer Mutter. Die Mutter drückt sie fest an sich und sagt nichts. Sie weiss, dass die beiden bald wieder dicke Freundinnen sein werden.
Text: Fabian Grolimund
Illustration:
Petra Dufkova/Die Illustratoren
In Freundschaften erleben Kinder auch schwierige und konfliktreiche Phasen. Diese bieten ihnen die Möglichkeit, ihre sozialen Fähigkeiten zu trainieren und zu sozial kompetenten Erwachsenen heranzureifen. Als Eltern können Sie Ihr Kind auf diesem Weg begleiten. Natürlich gibt es kein Patentrezept für den Umgang mit Krisen und Streit – aber einige hilfreiche Ideen.

Bleiben Sie gelassen

Wenn man ein tränenüberströmtes Kind in den Armen hat, wünscht man sich nichts mehr, als seine Welt sofort wieder in Ordnung zu bringen. Man will wissen, was los ist, die ganze Geschichte hören und das Problem aus der Welt schaffen. Greift Maries Mutter jedoch gleich zum Hörer und ruft Sophies Mutter an, um das Missverständnis zu klären oder den Streit zu schlichten, beraubt sie ihr Kind wichtiger Erfahrungen.

Viele Konflikte können Kinder gut alleine lösen. Sie benötigen nur jemanden, der sie auffängt. Als Eltern können Sie Ihr Kind umarmen, es fragen, was vorgefallen ist, und einfach zuhören. Manchen Kindern hilft auch die Frage: «Du bist ja ganz aufgelöst – was würde dir jetzt gut tun?» Sie können dem Kind Vorschläge machen: «Willst du es mir erzählen oder soll ich dich einfach halten? Möchtest du dich ablenken?» Manche Kinder möchten die Geschichte gleich loswerden, andere möchten nicht darüber reden und sind froh, wenn man nicht weiter nachbohrt.
Wer sofort die Mutter der besten Freundin anruft, um zu klären, beraubt sein Kind wertvoller Erfahrungen.
Als ich in der ersten Klasse war, schlug ich meiner Mutter Folgendes vor: «Wenn es mir nicht gut geht, komme ich nicht herein, sondern klingle an der Tür. Dann musst du aufmachen und fragen: Fabian, was ist denn los? Dann kann ich es erzählen.» So konnte ich selbst bestimmen, ob ich darüber reden wollte oder nicht, oder mir vor der Tür noch einen Moment Zeit lassen.
Manche Menschen haben grosse Angst vor Zurückweisung. Sie tun alles, um Konflikte zu vermeiden, und fürchten stets, eine Freundschaft oder Beziehung könnte in die Brüche gehen. Leider führt Unsicherheit oft zu klammerndem, anbiederndem, forderndem oder misstrauischem Verhalten, welches es Kindern und Jugendlichen erschwert, schöne und stabile Freundschaften aufzubauen. Der befürchtete Bruch wird Realität.

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