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Elternbildung

Mein Kind hört mir nicht zu! 

Nach ein paar Änderungen des Drehbuchs werden Sie nicht mehr ständig an eine Wand reden.
Text: Fabian Grolimund
llustration:
Petra Dufkova/Die Illustratoren 
Kinder und Jugendliche, die nicht zuhören, sind für Lehrpersonen und Eltern unheimlich lästig. Das weiss ich aus Erfahrung. Von meiner Kindergartenzeit ist mir nur etwas geblieben: ihr ärgerlicher Gesichtsausdruck und die Worte: «Fabian! Hörst du zu!?» Ich war nicht frech, ich war einfach immer woanders. Bei der Geschichte hörte ich drei Minuten zu, dann dachte ich mir selbst aus, wie es weitergehen könnte. Manche Kinder sind verträumt, andere – besonders Jugendliche – blocken die Eltern ab. Was können wir als Eltern tun, damit uns Kinder und Jugendliche zuhören?

Wie Ihnen ein verträumtes Kind zuhört

 Die verträumte Art meiner Kindheit ist mir geblieben. Und es kommt leider immer noch vor, dass sich Menschen, die mir wichtig sind, darüber ärgern. Mein Sohn, drei Jahre alt, weiss hingegen, wie man mit Menschen meines Schlags umgeht. Wenn er nach Hause kommt und ich in meine Arbeit oder ein Buch vertieft bin, pirscht er sich an mich heran. Er legt mir seine kleine Hand aufs Knie und wartet, bis ich ihn anschaue. Dann sagt er: «Papa?», und macht eine kunstvolle kleine Pause, die mir Zeit gibt, zu nicken. Als Zweites warnt er mich vor: «Ich will dir etwas erzählen …» Nun wartet er auf mein «Ja?» und sagt, um den Ernst seiner Absicht zu betonen: «Etwas Langes.» 
Manche Jugendlichen hören nicht zu, weil sie sich selbst ungehört und unverstanden fühlen.
Manchmal habe ich fast das Gefühl, er liest heimlich meine Psychologiebücher. Auf jeden Fall hat er das Prinzip «Handeln statt reden» gut verinnerlicht, indem er mich durch eine Berührung ins Hier und Jetzt holt und zuerst Blickkontakt herstellt, um sich meine Aufmerksamkeit zu sichern. Und indem er mir sagt, was er vorhat – und mir damit die Möglichkeit gibt, mich darauf einzustellen. Während wir uns die Aufmerksamkeit von jüngeren Kindern relativ gut sichern können, indem wir einige Kommunikationsregeln beachten und uns beispielsweise auf Augenhöhe begeben und das Kind zuerst anschauen, werden Gespräche mit Jugendlichen oft deutlich anspruchsvoller.

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1 Kommentar

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Von Monika am 27.05.2017 09:14

Immer wieder sehr spannend... und wie wahr!!! Ich habe 4 Grosskinder im Alter von 2 und 10 Jahren... kann vieles bestätigen. Ich arbeite in der Nachschulbetreuung seit 15 Jahren... und ich kann sagen, ich habe schon viele Ideen angewendet und ausprobiert. Es funktioniert meistens... DANKE

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