Mathias Voelchert: «Wenn wir konstruktiv streiten, lernen unsere Kinder das auch»
Elternbildung
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Für viele Eltern ist ein harmonisches Familienleben das höchste Gut. Was passiert, wenn man den Kindern ­Harmonie vorgaukelt, es aber ­innerlich brodelt?

Sie merken es und werden alarmiert. Die Kinder merken, dass da was nicht stimmt und Mama und Papa ihnen etwas vorspielen.

Was kommen da für Gefühle bei ­Kindern hoch?

Ich kann meinen Eltern nicht trauen.

Das heisst, den Streit auf abends ­zu verlegen, ist auch keine Lösung?

Nein. Die Eltern müssen den Kindern sagen: «Wir haben unterschiedliche Meinungen zu verschiedenen Sachen, versuchen aber eine Lösung zu finden.»

Ein Streit zwischen meinem Mann und mir eskaliert vor den Kindern. Wie gehe ich danach auf meine Kinder zu?

Wenn wir uns wieder beruhigt haben, müssen wir uns mit den Kindern hinsetzen und in Worte fassen, was da gerade passiert ist. Eltern können sagen: «Wir sind immer noch nicht derselben Meinung, aber wir haben uns wieder beruhigt. Und wir wollen euch sagen, dass wir manchmal unvernünftig sind und blöde Sachen machen. Der Streit war so eine blöde Sache. Wir sind nicht perfekt und machen auch Fehler.» Es ist wichtig, auf die Gefühle der Kinder einzugehen. In so einer Situation haben sie ja Angst. Sie haben Angst, dass die Eltern auseinandergehen, sich trennen. Dass die Familie kaputtgeht. Wenn die Kinder aber sehen, dass sich die Eltern danach wieder vertragen, kann das eine wunderbare Erfahrung für sie sein. Es zeigt ihnen, wie belastbar ihre Familie ist. Nach dem Motto: Ein Streit haut uns nicht um. Meine Eltern streiten zwar, kommen dann aber wieder zusammen. Das ist eine wichtige Information für die Kinder. Sie spüren, dass sie nicht existenziell gefährdet sind.
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Wann sollte man sich Hilfe holen?

Wenn destruktiver Streit immer wieder auftritt und man den Eindruck hat, dass man es alleine nicht schafft, ist eine Beratung oder eine Kurzzeittherapie hilfreich.
<div><strong>Katharina Hoch </strong>ist freischaffende Journalistin und lebt mit ihrer Familie in München. Beim Streiten mit ihrem Mann fragt sie sich oft, ob sie ein gutes Vorbild für ihre Kinder ist. Nach dem Interview mit Mathias Voelchert war sie allerdings beruhigt. Jetzt weiss sie, dass sie gar nicht so viel falsch macht.</div>
Katharina Hoch ist freischaffende Journalistin und lebt mit ihrer Familie in München. Beim Streiten mit ihrem Mann fragt sie sich oft, ob sie ein gutes Vorbild für ihre Kinder ist. Nach dem Interview mit Mathias Voelchert war sie allerdings beruhigt. Jetzt weiss sie, dass sie gar nicht so viel falsch macht.

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