Elternbildung
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Die Folgen von Scheidungen 

In diesem Kontext sind gründliche und qualitative Studien über die Folgen von Trennungen und Scheidungen eine unverzichtbare Notwendigkeit. Mit «qualitativ» meine ich, dass die betroffenen Kinder und Jugendlichen nur selten von ihren tatsächlichen Erlebnissen, Gefühlen und Erfahrungen berichten, wenn sie mit standardisierten Fragen konfrontiert werden.

Es bedarf mehrerer individueller Befragungen mit unterschiedlichem Abstand zur Scheidung selbst. Des Weiteren möchte ich anregen, auch in den Schulen «Scheidungsgruppen» zu gründen.

Scheidungskinder stecken oft in einem doppelten Dilemma. Die Hälfte von ihnen verstummt, wird einsam und zieht sich in sich selbst zurück. Die andere Hälfte wird einsam, ruhelos und aggressiv. Die Erklärung dafür ist wohlbekannt, nämlich dass die Zurückhaltung der Kinder der Rücksicht gegenüber ihren Eltern geschuldet ist. 
Scheidungen sind heute so normal, dass Kinder ihren Schmerz als ungewöhnlich empfinden.
Die andere besteht darin, dass Scheidungen heutzutage so normal und gesellschaftlich akzeptiert sind, dass die Kinder ihren eigenen Schmerz als abweichend und ungewöhnlich empfinden. Es gibt immer andere Kinder in der Klasse, die ebenfalls geschiedene Eltern haben, mit dieser Situation aber scheinbar gut klarkommen. Gerade Scheidungskinder bedürfen eines neutralen Erwachsenen und einer Gruppe von Kindern, die sich in der gleichen Situation befinden. 

Unsere Erfahrungen mit trauernden Kindern lehren uns, dass diese Gruppen nicht nur unglaublich wertvoll für ihre Mitglieder sind, sondern noch ernsteren psychischen und sozialen Problemen vorbeugen. Zudem lassen sich solche Gruppen leicht etablieren und steuern. 

Es gibt viele empathische und kompetente Lehrpersonen und Schulpsychologen und -psychologinnen, die solche Gruppen nach einer kurzen Schulung betreuen könnten.
Das hätte den wichtigen Nebeneffekt, dass die betreuenden Per­sonen einen viel differenzierteren Eindruck von den Schülern und ihrem Verhalten bekommen würden, wo­durch sich viele vorgefasste Diagnosen und Zuschreibungen erübrigen würden.

Mehr zum Thema Scheidung und Trennung:

Lesen Sie in unserem grossen Online-Dossier zum Thema Trennung.In Interviews, Erfahrungsberichten und Expertenmeinungen  lernen Sie, wie Sie Ihr Kind in dieser Zeit unterstützen können.

Über Jesper Juul:

Nehmen Sie Ihr Kind ernst – begegnen Sie ihm mit Respekt. Kinder brauchen keine Grenzen – sondern Beziehung. Eltern müssen nicht konsequent sein – sondern glaubwürdig.

Der dänische Familientherapeut Jesper Juul hat wie kein anderer in den vergangenen Jahrzehnten Menschen mit seinen Erziehungs- und Beziehungsprinzipien geprägt. Der Gründer des Beratungsnetzwerks familylab und Autor von über 40 Büchern («Dein kompetentes Kind», «Aus Erziehung wird Beziehung») war zweimal verheiratet. Er hinterlässt einen Sohn aus erster Ehe und zwei Enkelkinder.


Jesper Juul starb am 25. Juli 2019 im Alter von 71 Jahren nach langer Krankheit in Odder, Dänemark.

Die Kolumnen von Jesper Juul entstehen in Zusammenarbeit mit familylab.ch
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