Jahresbericht Stiftung Elternsein 2019
Elternbildung

Jahresrückblick der Stiftung Elternsein

Die Stiftung Elternsein ist nicht nur Herausgeberin des Schweizer ElternMagazins Fritz+Fränzi, sie begleitet Jugendliche und Eltern bei der Berufswahl, engagiert sich gegen Cybermobbing und arbeitet an einem Projekt für benachteiligte Kinder. 
Text: Thomas Schlickenrieder
Bilder: Patrik Luther und Florina Schwander
Ich mag es, Eltern mit ihren Kindern zu beobachten – im Tram, auf der Strasse, im Restaurant. Ich schaue in die Augen der Kinder und sehe Vertrautheit, Verbundenheit. Diese Momente machen mich froh.

Leider erlebe ich auch Situationen, bei denen dieses zarte Band zwischen Eltern und Kindern zu fehlen scheint. Ich sehe Eltern, die ungeduldig sind mit ihren Kindern, sie wie ein lästiges Anhängsel behandeln. Sie drücken ihrem Nachwuchs das Smartphone in die Hand, um sich ungestört unterhalten oder sich selber mit dem Handy beschäftigen zu können.

«Aber Sie kennen die Umstände doch gar nicht», höre ich Sie sagen. «Sie wissen ja gar nicht, wie anstrengend der Tag dieser Mütter und Väter war, wie wenig Zeit mal wieder blieb, Arbeit, Einkauf, das Abholen der Kinder von Hort oder Krippe unter einen Hut zu bringen. Da kann man als Eltern schon mal genervt sein.» Sie haben natürlich recht. Ich kenne die Umstände nicht – aber als Vater von zwei inzwischen erwachsenen Kindern weiss ich nur zu gut, wie komplex und anspruchsvoll das Elternsein sein kann.

Ellen Ringier hat das früh erkannt. Die Juristin und zweifache Mutter war sich sicher, dass die Erziehung von Kindern immer grössere Anforderungen an uns Eltern stellen wird. 2001 gründete sie die Stiftung Elternsein und baute im Alleingang einen Kleinverlag auf. Die Stiftung definierte vier Ziele: Eltern mit Informationen in ihren vielfältigen Aufgaben zu unterstützen, dem Thema «Erziehung» im öffentlichen Raum Gehör zu verschaffen, den Dialog zwischen Eltern und Lehrpersonen zu verbessern und die Diskussion über das Thema «Vereinbarkeit von Beruf und Familie» mit anzuschieben. Fritz+Fränzi sei ihr «gedrucktes Sozialprojekt», sagte Ellen Ringier einmal.

Mit der Ausgabe 12/19  halten Sie, liebe Leserin, lieber Leser, die 150. Ausgabe von Fritz+Fränzi in den Händen. Dass dieses Jubiläum auf die letzte Ausgabe dieses Jahres fällt, beschert uns einen besonderen Jahresabschluss. Die weiteren Highlights sollen dabei aber nicht vergessen gehen. 2019 war ein intensives Jahr, ein Jahr der grossen und kleinen Veränderungen.

Mehr Leserinnen und Leser

Seit Jahren verlieren Printmedien Auflage und Leserinnen und Leser an die digitalen Medien. Nicht so unser Elternratgeber. Zum fünften Mal in Folge konnten wir unsere Leserzahlen steigern. Gemäss der am 10. Oktober publizierten Leserschaftsstudie MACH Basic der WEMF AG für Werbemarktforschung informieren sich inzwischen 204 000 Leserinnen und Leser regelmässig mit unserem Magazin. Damit ist das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi der meistgelesene Elternratgeber der Schweiz – eine einzigartige Erfolgsgeschichte.

Dossier

Besonders stolz sind wir auf unsere aufwendig recherchierten, bis zu 30 Seiten starken Dossiers. Unsere Autorinnen und Autoren beleuchten jeweils ein Thema von allen Seiten, werten die aktuellsten Studien aus, sprechen mit Experten und Betroffenen, analysieren und ordnen ein.

Jedes der zehn diesjährigen Dossiers hätte es verdient, von mir erwähnt und gewürdigt zu werden. Erlauben Sie mir, zwei besonders hervorzuheben: In der Juni-Ausgabe erschien das Heft «100 Fragen – 100 Antworten». Das war kein herkömmliches Themendossier, sondern eine Sammlung von 100 relevanten Elternfragen, die von 30 Expertinnen und Experten beantwortet wurden. Unsere Autorin begann im Februar 2019 mit der Recherche. Drei Monate Arbeit für ein Dossier! Glauben Sie mir – so viel Zeit gestattet sich heute kaum ein anderes Medienunternehmen, um einen Beitrag dieses Umfangs zu erarbeiten.

Das zweite Dossier, das ich erwähnen möchte, trägt den Titel «Generation Smartphone». Es existieren Tausende von Beiträgen, Büchern, Empfehlungen zum Thema Medienkompetenz. Was will man zu diesem Thema Neues schreiben?, habe ich mich gefragt. Unsere Autorin hat eine überzeugende Antwort geliefert. Ihr Ansatz: Das Smartphone ist mitten in unserer Gesellschaft angekommen. Es zu verteufeln, bringt nichts. Aber es ist höchste Zeit, sich Gedanken zu machen, wie uns Eltern ein achtsamer Umgang gelingt, um unseren Kindern einen selbstbestimmten Gebrauch digitaler Gerärte vorzuleben. Ein grossartiges und unglaublich inspirierendes Dossier.
Talk im Kulturpark: Am 2. September 2019 sprachen Chefredaktor Nik Niethammer und Psychologe Fabian Grolimund (l.) über das Thema «Wie Schule gelingt».
Talk im Kulturpark: Am 2. September 2019 sprachen Chefredaktor Nik Niethammer und Psychologe Fabian Grolimund (l.) über das Thema «Wie Schule gelingt».

Online

Auf www.fritzundfraenzi.ch finden Sie mittlerweile über 1500 kuratierte Beiträge zu den Themen Familie und Erziehung, Schule und Bildung, Ernährung, Gesundheit, Pubertät und Sexualität. Bestimmt wissen Sie das längst – die stetig steigenden Klickzahlen deuten jedenfalls darauf hin. Im Vergleich zu 2018 haben wir die Zahl der Seitenzugriffe um 100 Prozent, die Zahl der Nutzer sogar um 160 Prozent steigern können. Auf Facebook folgen uns inzwischen rund 18 500 Menschen, über die Kanäle Pinterest und Twitter kommen noch einmal rund 5500 hinzu. 27 000 Menschen haben unseren Newsletter abonniert, der 14-täglich erscheint.
Anzeige

Stefanie Rietzler

Wenn Sie Fritz+Fränzi regelmässig lesen, kennen Sie Stefanie Rietzler. Die Psychologin und Buchautorin leitet zusammen mit Fabian Grolimund die Akademie für Lerncoaching in Zürich. Die beiden haben bereits mehrere Dossiers für uns verfasst. Seit September schreibt Stefanie Rietzler auch als Kolumnistin für Fritz+Fränzi – im Wechsel mit Fabian Grolimund. (Lesen Sie hier ihre aktuelle Kolumen: Wie reagiert Ihr Kind auf Lob?)

«Geborgen, mutig, frei»

Die beiden Psychologen haben in diesem Jahr ein weiteres Buch herausgegeben. «Geborgen, mutig, frei» ist eine Sammlung der besten Kolumnen aus fünf Jahren Fritz+Fränzi. Der Ratgeber ist mit eindrücklichen Schwarz-Weiss-Bildern des Franzosen Alain Laboile illustriert.

Jesper Juul

Am 25. Juli verstarb unser langjähriger Kolumnist Jesper Juul im Alter von 71 Jahren nach langer schwerer Krankheit in Odder, Dänemark. Caroline Märki, Gründerin von familylab.ch, einem Beratungsnetzwerk für Familien und Fachpersonen, kannte Jesper Juul seit vielen Jahren. Sie schrieb für Fritz+Fränzi einen berührenden Nachruf über einen Mann und Freund, «der mein Leben verändert und unendlich bereichert hat».

Wir sind Caroline Märki dankbar, dass wir seit der Oktober-Ausgabe jeden Monat ein Kapitel aus Jesper Juuls mittlerweile vergriffenem Buch «Wir sind für dich da. 10 Tipps für authentische Eltern» abdrucken dürfen. Auch nach seinem Tod lebt der bedeutendste Erziehungstherapeut Europas in allen Menschen weiter, die von ihm gelernt haben.

LCH und VSLCH

Bei unseren Inhaltspartnern sind 2019 wichtige personelle Entscheidungen gefallen, die die Stiftung Elternsein nachhaltig betreffen. Beat W. Zemp leitete während knapp 30 Jahren die Geschicke des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz. Im August schied er aus dem Amt des Präsidenten. Wir verabschiedeten den charismatischen obersten Lehrer der Schweiz mit einem grossen Interview in Fritz+Fränzi.

In der Ausgabe 12/19 begrüssen wir seine Nachfolgerin Dagmar Rösler. Die Primarlehrerin und zweifache Mutter sagt, dass sie nicht in die Fussstapfen ihres Vorgängers treten möchte, sondern ihre eigene Spur legen will. Wir wünschen der neuen Präsidentin nur das Allerbeste! Und freuen uns, dass wir Beat W. Zemp mit seinem immensen Erfahrungsschatz im Beirat der Stiftung Elternsein als beratendes Mitglied begrüssen dürfen.

Auch beim Verband Schulleiterinnen und Schulleiter Schweiz VSLCH gab es im August einen Führungswechsel. Eines seiner ersten Interviews gab der neue Präsident Thomas Minder Fritz+Fränzi. Im kommenden Jahr lesen Sie regelmässig von ihm und seinen Schulleiterinnen und Schulleitern: Der VSLCH verfasst ab Februar 2020 im Wechsel mit dem LCH eine Kolumne für Fritz+Fränzi.

Kampagne gegen Cybermobbing

Kennen Sie unsere Aktion «Wenn Worte weh tun»? 2018 ins Leben gerufen, richteten wir uns mit der Kampagne gegen Cybermobbing in diesem Jahr direkt an Kinder und Jugendliche. Sie wurden im Rahmen von Workshops, die wir an zahlreichen Schulen durchführten, direkt mit den Folgen von Cybermobbing konfrontiert. Aufgrund der vielen positiven Rückmeldungen setzen wir die Kampagne 2020 fort. Wir sind überzeugt, dass wir mit unserer Vor-Ort-Aktion eine grössere Wirkung erzielen als mit einer Plakat- oder Flyeraktion.

Ferienlager für benachteiligte Kinder

Neben der Produktion von zehn Stammheften, dem sechsten Berufswahl-Heft und vier weiteren Ausgaben unserer Kindergartenreihe – sie läuft mittlerweile im dritten Jahr überaus erfolgreich – hat sich die Stiftung Elternsein für das nächste Jahr ein Projekt vorgenommen, das mir persönlich besonders am Herzen liegt. Es betrifft benachteiligte Kinder, die in den Ferien mehrheitlich alleine und unbetreut zu Hause sind, weil ihre Eltern sich weder Ferien leisten können noch Geld für eine Kinderbetreuung vorhanden ist. Diesen Kindern fehlen Kultur- und Naturerlebnisse, sinnliche Erfahrungen mit den Eltern jenseits des Alltagsstresses. Momente, die wichtig sind für die kindliche Entwicklung und die körperliche und psychische Gesundheit eines Kindes.

Seit geraumer Zeit treibt mich die Idee um, wenigstens einigen dieser Kinder Ferienerlebnisse schenken zu können. Im Sommer 2020 ist es so weit: Zusammen mit der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi organisieren wir in Trogen im wunderschönen Appenzell ein Ferienlager für benachteiligte Kinder. Zu gegebener Zeit werden wir Sie ausführlich über diese Aktion informieren.

Neue Angebote für Eltern

Dabei wollen wir es nicht bewenden lassen. Seit Monaten brütet eine Projektgruppe der Stiftung Elternsein unter anderem über diesen Fragen:

  • Wo drückt Eltern der Schuh?

  • Was können wir zusätzlich für die Eltern in der Schweiz leisten?

  • Sollen wir ein Beratungsangebot aufbauen? 

  • Wie können wir mithelfen, die Prämien der Krankenkassen zu senken?

  • Welche Anregungen und Angebote wünschen sich Eltern im Freizeitbereich?

Es ist ein ebenso spannender wie anspruchsvoller Prozess. Ich hoffe, dass wir bereits im kommenden Jahr das Leben von vielen Familien in der Schweiz mit zusätzlichen Angeboten bereichern und unterstützen können.
Mit der Elternbildung ist es so eine Sache. Ist das Kind noch klein, sind die meisten Mütter und Väter hoch motiviert, sich mit anderen Eltern auszutauschen, Fachliteratur zu lesen, Erziehungskurse zu besuchen. Mit dem zweiten Kind lässt diese Motivation oft nach, auch, weil der Stress zunimmt.

Tatsache aber ist: Als Vater oder als Mutter lernt man nie aus. Das haben mich meine beiden Kinder gelehrt, die mittlerweile flügge sind.

Am Ende dieses Beitrags bleibt mir, Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, herzlichst zu danken. Für Ihre Treue. Und Ihre Aufmerksamkeit. Neben Ihren Aufgaben und Pflichten nehmen Sie sich Zeit, Ihre elterlichen Kompetenzen zu entwickeln. Das ist nicht selbstverständlich.

Für die Weihnachtstage wünsche ich Ihnen friedvolle Momente und ein liebevolles Zusammensein mit Ihrer Familie. Das kostbarste Geschenk, das Sie einem Menschen, und ganz besonders Ihren Kindern, machen können, ist Ihre Zeit.

Wir lesen uns wieder im kommenden Februar. Machen Sie’s gut!
<div><strong>Thomas Schlickenrieder</strong> ist Geschäftsführer der Stiftung Elternsein und Verlagsleiter des Schweizer ElternMagazins Fritz+Fränzi. Er ist Vater von zwei erwachsenen Kindern und lebt in Stäfa ZH.</div>
Thomas Schlickenrieder ist Geschäftsführer der Stiftung Elternsein und Verlagsleiter des Schweizer ElternMagazins Fritz+Fränzi. Er ist Vater von zwei erwachsenen Kindern und lebt in Stäfa ZH.

Das macht die Stiftung Elternsein

Die Stiftung Elternsein setzt sich zum Ziel, Eltern in ihren erzieherischen und schulischen Fragen zu unterstützen.

Eltern von Babys und Kleinkindern sind in der Regel in einem engmaschigen Betreuungsnetz aufgehoben. Später löst sich dieses Betreuungsangebot auf und die Eltern sind, wenn die eigentliche Erziehungsarbeit beginnt, oft auf sich allein gestellt. Die Stiftung Elternsein fördert und entwickelt die elterlichen Kompetenzen und unterstützt Mütter und Väter in ihrer anspruchsvollen Aufgabe, ihre Kinder zu selbständigen, glücklichen und empathischen jungen Erwachsenen zu erziehen.

Nach ihrer Gründung 2001 konzentrierte sich die Stiftung Elternsein zunächst auf die Herausgabe des Schweizer Eltern-Magazins Fritz+Fränzi. Seit einigen Jahren entwickelt die Stiftung ihr Portfolio weiter und gibt heute jedes Jahr neben zehn Ausgaben des Elternmagazins ein Berufswahl-Spezial und vier Sonderausgaben für Eltern von Kindergartenkindern heraus. Zudem bietet sie ein umfangreiches Onlineangebot, einen Newsletter und ein eigenes Elternvideo-Programm mit inzwischen 37 Filmbeiträgen. Die Stiftung Elternsein führt eigene Kampagnen und Sammelaktionen durch und organisiert jährlich im Rahmen von «Talk im Kulturpark» Elternveranstaltungen.

www.elternsein.ch

0 Kommentare

Zugehörige Tags

Hat Ihnen unser Artikel gefallen? Unterstützen Sie unser Engagement für Eltern mit einer Spende!

Diesen Artikel kommentieren

Diese Webseite nutzt Cookies. Cookies werden zur Benutzerführung und Webanalyse verwendet und helfen dabei, diese Webseite zu verbessern. Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit unserer Cookie-Police einverstanden. Mehr Infos hier.