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Elternbildung
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Womit haben die Betroffenen zu kämpfen?

Diese Besonderheit der Hochsensitivität, die spezielle Art der Wahrnehmung und Informationsverarbeitung, führt zu verschiedenen auch negativ erlebten Begleiterscheinungen, mit denen Betroffene zuweilen zu kämpfen haben. Weil kaum etwas einfach so abprallt, was Hochsensitive beobachten, spüren und wahrnehmen, wollen sie verarbeiten, durchdenken und verstehen. Die Menge an Informationen führt dazu, dass diese Kinder viel Zeit brauchen, um Geschehnisse zu verarbeiten.

Strömen zu viele Eindrücke auf ein hochsensitives Kind ein, kann es zu einer Reizüberflutung kommen. Betroffene Kinder fühlen sich in der Folge erschöpft, geraten unter Stress, möchten sich von der Aussenwelt abschirmen oder sind gereizt. Entgegen ihrer sonst so ruhigen Art beginnen sie dann zu quengeln, zu schreien, zu weinen oder werden aggressiv.
Hochsensitiv ist nicht das Gleiche wie ADS oder ADHS.
Dieses Verhalten weist – nebst dem oben erwähnten Konzentrationsmangel – Parallelen zur Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADS) und/oder zur Aufmerksamkeits-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) auf. Doch ein von ADS / ADHS betroffenes Kind kann sich auch in einem friedlichen Umfeld nur schwer oder kaum konzentrieren, auch dann nicht, wenn es das wirklich möchte. Ein hochsensitives Kind kann sich unter optimalen Bedingungen ganz im Gegensatz dazu überdurchschnittlich gut konzentrieren.

Viele Hochsensitive leiden still. Wenn nichts so klappt, wie sie es möchten oder glauben, dass es von ihnen erwartet wird, reagieren sie unsicher, überreizt, überfordert. «Dann fängt der Magen an zu flattern, es wird einem schlecht oder man kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Man ist innerlich wie verschwommen, fühlt sich wie im Nebel», beschreibt Brigitte Küster die Gefühlslage.

Zweifel am Selbstwert und düstere Gedanken

Schlafprobleme, Kopf- und Bauchschmerzen können hinzukommen, manchmal auch Angststörungen; Zweifel am Ich, depressive Verstimmungen, der tiefe Wunsch, anders zu sein. «Mit der höheren Empfindsamkeit geht eben auch eine grössere Anfälligkeit für psychische Leiden einher», sagt Diplompsychologin Sandra Konrad von der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg und Deutschlands Expertin für Hochsensitivität. Hier kann es hilfreich sein, wenn Eltern sich Unterstützung bei Psychologinnen, Therapeuten, Kinderärztinnen oder Heilpädagogen holen, die sich mit dem Thema Hochsensitivität auskennen.
Hochsensitive Kinder stossen nur selten auf Verständnis.
Hochsensitive Kinder stossen nur selten auf Verständnis.
Psychische Probleme entwickeln vor allem jene Hochsensitiven, die als Kinder unter belastenden Bedingungen aufwuchsen. Der Schweizer Entwicklungspsychologe und internationale Spezialist für Hochsensitivität, Michael Plüss, hat deshalb den Ausdruck «Orchideenkinder» kreiert. «Kinder, die in einem fürsorglichen, unterstützenden und hilfsbereiten elterlichen Umfeld aufwachsen, sind wie Orchideen: Bei schwierigen, ungünstigen Bedingungen gehen sie rasch zugrunde, aber mit der richtigen Pflege entwickeln sie sich zu wunderschönen, prachtvollen Blumen.»
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