Elternbildung
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16. Ist es für Kinder ein Problem, wenn die Eltern getrennte Schlafzimmer haben?

Das ist für die Kinder nicht weiter von Interesse, wenn es die Eltern gut miteinander haben, ihre Interaktion im Alltag wohlwollend und konstruktiv ist und die getrennten Schlafzimmer lediglich Ausdruck von Pragmatismus oder dem Bedürfnis nach ungestörter Ruhe und eigenem Freiraum sind. 

Sind getrennte Schlafzimmer aber Ausdruck von emotionaler Entfremdung oder Konflikten, realisieren Kinder dies. Sie nehmen Spannungen zwischen den Eltern seismografisch wahr und werten in diesem Fall getrennte Schlafzimmer als beunruhigend, wenn die Eltern beispielsweise immer dann getrennt schlafen, wenn ein Streit eskaliert ist, oder wenn sie getrennte Schlafzimmer haben, weil sie sich nicht mehr vertragen und sich auseinandergelebt haben. In diesem Fall können Kinder die Situation als Frühwarnsignale deuten, als Vorstufe einer möglichen Trennung oder Scheidung, und darauf emotional reagieren. 

Guy Bodenmann, Kinder- und Jugendpsychologe
Mit der Juni-Ausgabe ist das umfangreichste Dossier in der Geschichte des Schweizer ElternMagazins Fritz+Fränzi entstanden: 29 namhafte Expertinnen und Experten – Jesper Juul Fabian Grolimund, Margrit Stamm, Philipp Ramming, Allan Guggenbühl, Eveline Hipeli und viele mehr – beantworten die 100 wichtigsten Fragen zur Erziehung und zum Familienleben.   Das komplette Heft können Sie als Einzelausgabe hier bestellen. 
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17. Was macht es mit Kindern, wenn die Eltern nur wegen ihnen zusammenbleiben?

Wenn Eltern den Kindern zuliebe zusammenbleiben möchten und von diesem Wunsch beseelt Anstrengungen zur Verbesserung ihrer Partnerschaft unternehmen, ist das ein valabler Grund. Wenn sie hingegen nicht in der Lage sind, ihren Kindern ein angemessenes Familienklima zu bieten, das getragen ist von Positivität und Wertschätzung, und chronische Spannungen und destruktive Konflikte das Zusammenleben vergiften, schadet dies den Kindern mehr als eine gelungene Trennung. Mehrere Studien zeigen, dass eine andauernd negative Familiendynamik für Kinder schädlicher ist als die Scheidung per se. 

Guy Bodenmann, Kinder- und Jugendpsychologe

18. Wie schaffen es Eltern, im stressigen Familien- und Arbeitsalltag Paar zu bleiben?

Paare brauchen ausreichend Zeit. Doch gerade die ist bei Paaren mit mehreren Kindern häufig sehr eingeschränkt. Dessen ungeachtet sollte das Paar versuchen, sich immer wieder kleine Inseln für die Partnerschaft herauszunehmen, sei dies abends bei einem Gespräch vor dem Zu-Bett-Gehen, indem ein fixer Paarabend installiert wird oder sich das Paar Zeit für gemeinsame Aktivitäten nimmt.

Zeit zu zweit ist wichtig für das «Wir-Gefühl» und dafür, trotz der Elternschaft ein Paar bleiben zu können, das seine eigenen Ansprüche an Austausch, Nähe, Intimität und Sexualität hat. Sich Zeit für die Partnerschaft zu nehmen, fällt einfacher, wenn man auf ein soziales Netz zurückgreifen kann und die Kinder in dieser Zeit von Grosseltern, Freunden oder Nachbarn gut versorgt werden.

Fehlt diese Unterstützung, ist es für Paare oft schwierig, regelmässige Zeitinseln für die Partnerschaft zu finden. Dennoch sollten sich auch sie kleine Momente im Alltag aussparen. Ausreichend Zeit füreinander zu haben, ist zudem eine wichtige Voraussetzung für die Sexualität. Und diese wiederum ist eine weitere wichtige Ressource, welche es als Paar trotz Elternschaft zu pflegen gilt. 

Guy Bodenmann, Kinder- und Jugendpsychologe

19. Wie schaffen es Eltern, ihr Kind loszulassen?

Es tut weh, sehr weh, wenn das Kind kein Kind mehr ist. Sie als Eltern schaffen es, mit diesen Gefühlen umzugehen, indem Sie sich ihres Schmerzes bewusst werden und sich nicht gegen ihn wehren, sondern ihn «umarmen» und mit ihm sind. Es ist wichtig, einen Partner oder eine Freundin zu haben, mit dem oder der man über diesen Schmerz reden kann. 

Grundsätzlich gilt: Je besser sich ein Kind abnabeln kann, desto gesünder ist es. Es hat die Freiheit, sein Leben leben zu dürfen und muss sich nicht um die Traurigkeit oder die Probleme seiner Eltern kümmern. Nicht das Kind ist verantwortlich, dass es der Mutter beziehungsweise dem Vater gut geht, sondern die Eltern selbst. 

Caroline Märki, Elterncoach
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