Elternbildung
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Was hilft gegen Scham?

1. Entgiftung:

Überlegen Sie für sich oder gemeinsam mit Ihren Kindern: Was tut uns gut? Wie fühlen wir uns, nachdem wir in den sozialen Me­­­dien unterwegs gewesen sind, einen Artikel in «Joy», «Shape» oder «Men's Health» gelesen oder Germanys Next Topmodel geschaut haben? Wenn man sich danach regelmässig unzulänglich, dick und wenig erfolgreich vorkommt, tut es gut, einen Bogen um diesen Mist zu machen.

Vielleicht treiben wir dann wieder Sport und achten auf unsere Ernährung, um uns wohl zu fühlen, gesund zu bleiben und aus Freude an der Bewegung.

Wie wichtig diese Unterscheidung ist, zeigt eine Studie, die untersuchte, wie sich Kommentare von Fitnesstrainern auf Frauen auswirken. Solche, die auf Kraft und Ge­­sundheit abzielten, wie «diese Übung stärkt besonders die obere Beinmuskulatur», sorgten dafür, dass sich die Frauen fit und wohl fühlten. Betonten die Trainer hingegen, dass eine Übung «zur Reduktion von Fett oder Cellulite» beiträgt, waren die Frauen eher beschämt.

2. Austausch mit anderen:

Scham macht uns einsam und gibt uns das Gefühl, die einzige Person zu sein, die mit Unzulänglichkeiten und Schwächen kämpft. Entsprechend heilsam ist es, sich mit anderen darüber auszutauschen.

Nach einem Seminar zum Thema ADHS meinte eine Mutter: «Es tut so gut, zu wissen, dass andere die gleichen Kämpfe austragen und man nicht alleine ist.»
3. Bedingungslose Wertschätzung:

In einer Studie der niederländischen Psychologin Eddie Brummelman erhielten Jugendliche drei Wochen vor der Zeugnisvergabe die Aufgabe, an Menschen zu denken, «die sie immer akzeptieren und wertschätzen, unabhängig davon, wie man sich verhält oder wie gut man in etwas ist». Anschliessend sollten sie sich eine konkrete Situation vor Augen führen, in der sie von anderen akzeptiert und wertgeschätzt wurden, obwohl sie selbst einen Fehler gemacht hatten. Diese Übung führte dazu, dass sich diese Jugendlichen bei einem schlechten Zeugnis weniger selbst verurteilten und schämten.

4. Schuld statt Scham:

Forscherinnen wie Brené Brown (2012) betonen, dass wir mit Schuld oder Scham auf eigene Fehler reagieren können. Menschen, die sich in erster Linie schämen, denken: Ich bin falsch! Sie fühlen sich unzulänglich und nicht liebenswert. Ihr Selbstwertgefühl leidet und sie neigen zu Rückzug, Vertuschung und entwickeln eher psychische Störungen.
Fragen Sie sich zuerst, ob Scham angebracht ist. Denn oft schämen sich die Falschen, diejenigen, die gar nichts falsch gemacht haben.
Menschen, die sich bei Fehlern vorwiegend schuldig fühlen, denken: Ich habe mich falsch verhalten! Das Gefühl ist unangenehm, aber es motiviert uns dazu, uns zu entschuldigen, Verantwortung zu übernehmen und unser Verhalten zu ändern. Es ist sozial adaptiv.

Als Eltern können wir Kinder auf diese Weise durch das Gefühl von Schuld begleiten und gemeinsam überlegen, wie sie sich entschuldigen und die Sache wiedergutmachen können. Vielleicht mit Fragen wie:

  • Was ist passiert?
  • Was meinst du, wie geht es dem anderen Kind jetzt?
  • Wie geht es dir dabei?
  • Wie könntest du es wieder in Ordnung bringen?
Das Kind spürt: Ich habe einen Fehler gemacht, aber meine Eltern stehen zu mir und nehmen mich trotzdem an.

5. Sich fragen, ob Scham angebracht ist:

Oft schämen sich die Falschen. Diejenigen, die gar nichts falsch gemacht haben. Ich kann mich an einen Jungen erinnern, der einen krummen Schneidezahn hatte, weswegen er gehänselt wurde. Seine Mutter meinte: «Wir haben darüber gesprochen, wie man mit der Situation umgehen könnte. Er wollte mit der Klasse reden und sagte seiner Lehrerin, dass er etwas loswerden müsse. Er sagte zu seiner Klasse, dass er so gerne so schöne Zähne hätte wie sie und dass es für ihn sehr schlimm sei, dass das nicht so sei. Und dass er einfach nicht verstehen könne, warum sie deswegen so gemein zu ihm seien. Es war totenstill, gab rote Köpfe.»

Danach habe die Klasse ihren Sohn sogar verteidigt, wenn andere Schüler auf dem Pausenplatz dumme Sprüche machten, so die Mutter.

Über Fabian Grolimund:

Fabian Grolimund ist Psychologe und Autor («Mit Kindern lernen»). In der Rubrik «Elterncoaching» beantwortet er Fragen aus dem Familienalltag. Der 40-Jährige ist verheiratet und Vater eines Sohnes, 6, und einer Tochter, 3. Er lebt mit seiner Familie in Fribourg. www.mit-kindern-lernen.ch, www.biber-blog.com

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