Elternbildung
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Was wäre Ihre ideale Welt?

Familien, Institutionen und Gesellschaften mit viel weniger Gewalt, Missbrauch, Sucht und Vernachlässigung. Ich möchte, dass Familien, Organisationen und die Gesellschaft dazu inspiriert werden, sich und ihr Gegenüber ernst zu nehmen, liebevolle Beziehungen zu leben und sich gegenseitig von innen heraus mit Respekt zu behandeln.

Was ist, wenn Sie einmal nicht mehr da sind?

Mir ist es wichtig, dass meine Prinzipien auch ohne mich weiterleben. Ich will nicht, dass diese Haltung alleine an mir hängt. Wenn meine Person wichtiger wird als die Vision meiner Organisation familylab, ist das nicht gut. Ich mag die Personenzentriertheit nicht. Sie ist mir unangenehm. Mein Wunsch ist es, dass Werte gelebt werden und Menschen anständig miteinander umgehen. Stellen Sie sich vor, man trifft sich in zehn Jahren und streitet noch immer über den Wert Gleichwürdigkeit, statt diesen Wert zu leben und einen gleichwürdigen Dialog zu führen. Ich hoffe, es wird nicht so sein. Aber vielleicht ist das naiv. Ich weiss es nicht.

Zur Person Jesper Juul

Jesper Juul wurde am 18. April 1948 in Dänemark geboren. Mit 16 Jahren fuhr er als Koch zur See. Sie wurde sein Zufluchtsort. Der Zeit in der Kombüse folgten Jobs als Tellerwäscher in Bars und als Beton­arbeiter auf dem Bau.

Später erinnerte ihn sein Vater daran, dass er in jungen Jahren Lehrer werden wollte. Juul war sich unsicher. In der Bar, in der er jobbte, holte er den Oberkellner und würfelte. Das Schicksal entschied für den Lehrerberuf.

Er arbeitete in einem Kinderheim mit verhaltensauffälligen und kriminellen Jugendlichen. Dort wurde ihm bewusst, wie wichtig die Beziehung zwischen Eltern und Kindern ist.
Auf einer Fortbildung lernte er den amerikanischen Psychiater und Familien­therapeuten Walter Kempler kennen. Dessen Einfluss führte zu vielen der Methoden und Ansichten, die Therapeut Juul bis heute vertritt. Gemeinsam gründeten Kempler und Juul 1979 das «Kempler Institute of Scandinavia», das Juul 25 Jahre später verliess, um in Dänemark die erste Familien­­werkstatt familylab aufzubauen.

Familylab ist eine gemeinnützige Organisation, die inzwischen in 21 Ländern aktiv ist. «Mit familylab wollen wir die psycho­soziale Gesundheit und das Wohlergehen der heutigen und zukünftigen Eltern und Kinder wie auch der Fachpersonen verbessern», sagt Jesper Juul. «Ziel ist es, eine optimale Umgebung für ein gemeinsames, soziales, emotionales, kreatives und akademisches Lernen zu schaffen.»

Jesper Juul ist Autor von mehr als zwei Dutzend Büchern, die in viele Sprachen übersetzt wurden. Zu seinen bekanntesten Werken gehören: «Pubertät. Wenn Erziehen nicht mehr geht», «Wem gehören unsere Kinder?», «Die kompetente Familie», «Leitwölfe sein» und «Grenzen. Nähe. Respekt».

Privat lebte Juul zuletzt zurückgezogen in seiner Wohnung in Odder, Dänemark, zweifach geschieden und Single. 2012 erkrankte Jesper Juul an Transverser Myelitis, einer Entzündung des Rückenmarks. Er verbrachte 16 Monate in Rehabilitation in einem  dänischen Krankenhaus und sass seither im Rollstuhl. Seit 2014 schrieb er wieder. Am 25. Juli 2019 starb er nach einer Lungenentzündung im Alter von 71 Jahren.

Wir danken Jesper Juul

Bis zuletzt hat er regelmässig Texte für das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi geschrieben und wann immer es ihm noch möglich war Elternfragen beantwortet. Dieses Engagement für Eltern ist ausserordentlich.
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