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Elternbildung

Eltern oder Liebende sein – oder beides?

Eltern haben ein Recht auf Zweisamkeit, denn es sollten nicht immer nur die Kinder im Zentrum stehen. Wie kann man mit Kindern in einer erfüllten Paarbeziehung bleiben? Und wann ist es besser, getrennte Wege zu gehen?
Text: Jesper Juul
Illustration:
Petra Dufkova/Die Illustratoren

Frage einer Mutter:

«Seit Längerem haben mein Mann und ich keine gute Beziehung mehr. Wir sind sehr jung zusammengekommen und waren verrückt nacheinander. Seit unsere zwei Buben, drei und sechs Jahre alt, auf der Welt sind, existiert unsere Beziehung fast nicht mehr. Ich gehe voll auf in der Mutterrolle und in der Liebe zu unseren Kindern. Sex hatten wir seit meinen Schwangerschaften kaum mehr, auch nicht auf meine Initiative hin. Ich fühle mich von meinem Mann schlecht behandelt. Er kritisiert mich oft, verspottet mich und gibt mir, wenn überhaupt, einsilbige Antworten. Er ist unfreundlich zu meiner Familie und oft gereizt. Für unsere Buben ist mein Mann ein wunderbarer Vater. Er spielt mit ihnen und tollt mit ihnen im Wald herum. Aber er kann dann ganz plötzlich sehr wütend und laut werden, etwa, wenn die Jungs am Morgen etwas länger haben, um sich anzuziehen.
Eine Beziehung braucht die Aufmerksamkeit beider Erwachsenen, um zu überleben.
Jesper Juul
Im Beisein von unseren Kindern versuchen mein Mann und ich uns zu beherrschen. Wir organisieren uns gut, sodass die Kinder nicht zu viel mitbekommen. Ich halte mich zurück mit meiner Meinung, weil ich Angst habe, dass er dann gemeine Kommentare fallen lässt. Wir streiten eigentlich nicht, aber es herrscht eine unruhige Stimmung. Es gibt aber immer wieder Zeiten, in denen alles völlig normal abläuft. Wir erledigen unseren Alltag, und mein Mann sagt vor den Kindern, dass er glücklich sei und er die Welt in Ordnung finde. Er ist kein Mann der grossen Worte, und es fällt ihm schwer, Gefühle und Gedanken zu äussern. 

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