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Den Geldwert verstehen lernen

Lesedauer: 3 Minuten

Finanzkompetenz ist die Fähigkeit, verantwortungsbewusst mit Geld umzugehen und durchdachte Konsumentscheidungen zu treffen. Wie bringen wir sie Kindern altersgerecht bei?

Text: Patrick Lehner
Bild: Alamy Stock Photo

In Zusammenarbeit mit mit Credit Suisse

Mein Sohn Lukas ist zehn Jahre alt. Er bekommt seit der ersten Klasse regelmässig Sackgeld. Allerdings gibt er jeweils alles sofort fürs Gamen aus und hat noch nie auf etwas gespart. Wie kann ich Lukas einen ­vernünftigen Umgang mit Geld beibringen, ohne ihn zu ­überfordern?

Céline, 39, aus Appenzell

Liebe Céline

So sehr man Kinder verwöhnen und ihnen Dinge abnehmen ­möchte, so wichtig ist es auch, sie auf das ­echte Leben vorzubereiten. Deshalb ist es sehr gut, dass Sie das Thema Geld mit Ihrem Sohn bereits jetzt angehen möchten. Denn Studien verzeichnen seit Längerem einen Anstieg der Verschuldung unter Jugendlichen in der Schweiz.

Zu den wichtigsten Ursachen gehören mangelnde Erfahrung im Umgang mit Geld und das Streben nach Anerkennung im Freundeskreis. Aber auch Verlockungen aus den Medien wie irreführende Werbung oder Glücksspiel-Elemente in Computergames können negativen Einfluss haben.

Sie zielen auf die schnelle Bedürfnisbefriedigung der konsumierenden Zielgruppe ab. Können Jugendliche solche Manipulationen nicht erkennen, besteht die Gefahr, in eine Schuldenspirale zu geraten.

Sackgeld als Erziehungsinstrument

Je älter das Kind, desto grösser werden seine Konsumwünsche und die Geldbeträge, mit denen es hantieren kann. Elterliche Kontrolle ist keine verlässliche und vor allem keine langfristige Strategie, den Nachwuchs vor schlechten Finanzentscheidungen zu bewahren. Hat das Kind den Wert von Geld jedoch früh genug kennengelernt, ist es später viel eher in der Lage, seine Finanzen selbst zu führen.

Finanzkompetenz ist also ein wichtiger Teil der Vorbereitung aufs Erwachsenenleben. Zu Hause lässt sich das Thema im Übrigen auch gut in verschiedenen Alltagssituationen ansprechen:

  • beim Einkaufen
  • im Zusammenhang mit Sackgeld und (Geld-)Geschenken
  • durch Einbezug des Kindes in das Familienbudget

Eines vorweg: Es ist gut, dass Ihr Sohn Sackgeld erhält. Das Taschengeld ist ein wichtiges Instrument, um ihm den Umgang mit Geld beizubringen. Für das Kind besteht die erste Hürde darin, sich die Ausgaben so einzuteilen, dass das Geld bis Ende Monat reicht. Weiterhin kann es mit dem eigenen Geld sparen lernen, um sich später grössere Wünsche zu erfüllen.

Dabei lautet ein wichtiger Grundsatz: Nie Geld vorschiessen, wenn das Sackgeld einmal nicht ausreicht – der bestehende Budgetrahmen muss eingehalten werden. Sind die Bedürfnisse ­grösser als der Taschengeldbetrag, ­können Sie überlegen, Ihrem Kind ausserordentliche Aufgaben im Haushalt als Nebenverdienst vorzuschlagen. Alltägliche Ämtli sollten nicht mit Geld belohnt werden.

Tipp

Man muss nicht immer über Geld sprechen. Für die ganz Kleinen kann man den Sachverhalt zum Beispiel auch auf Süssigkeiten übertragen:

Nehmen Sie drei Schokoladenriegel und geben Sie diese Ihrem Kind. Anschliessend sagen Sie ihm, dass es sich die Riegel über die nächsten Tage selbst einteilen soll. Das ist ein erster Schritt in Richtung eigenständiger Konsumentscheidungen.

Wichtig ist, dass Sparen nicht als etwas Negatives vermittelt wird, sondern Vorfreude auslöst: Das Kind verzichtet eine Weile auf bestimmte Sachen, kann sich dafür ­später jedoch etwas Schönes kaufen. Es gibt viele Apps, mit denen man Sparziele visualisieren und verfolgen kann. Eventuell bringt das den nötigen Spassfaktor, der Ihren Sohn zum Sparen motiviert.

Alltägliche Ämtli sollten nicht mit Geld belohnt werden.

Kommen wir nun vom Konsum­verzicht zum Konsum, der schliesslich den Endzweck von Geld darstellt. Erklären Sie Ihrem Kind das Preis-Leistungs-Verhältnis und dass teurere Anschaffungen sich langfristig mehr lohnen können als güns­tige, zum Beispiel, weil die Qualität höher ist und man sie nicht so schnell ersetzen muss.

Bewussten Konsum vorleben

Und denken Sie daran: Kinder kopieren ihre Eltern. Es ist schwieriger, dem Kind zu erklären, dass Verzicht für Sparzwecke wichtig ist, wenn man sich selbst nicht daran hält. Eine Möglichkeit, Kindern bewussten Konsum vorzuleben, ist, sie in die Haushaltsführung mit­einzubeziehen.

Das kann zum Beispiel so aussehen: Analysieren Sie vor dem wöchentlichen Einkauf gemeinsam, was in Haushalt und Vorrat ausgeht und ersetzt werden sollte. Daraufhin können Sie sich zusammen die Aktionen in den Supermarktprospekten anschauen und entscheiden, was Sie davon brauchen und was nicht.

Es ist schwieriger, dem Kind zu erklären, dass Verzicht für Sparzwecke wichtig ist, wenn man sich selbst nicht daran hält.

Halten Sie anschliessend alles auf einem Einkaufszettel fest. Wichtig ist, dass Sie und Ihr Kind dann auch gemeinsam einkaufen gehen – dies festigt den Lerneffekt. Eine tolle Abwechslung zum Supermarkt ist dabei der Ausflug auf den lokalen Bauernhof oder Wochenmarkt.

Schliesslich kann es bereichernd sein, offen mit dem Kind über seinen Konsum zu sprechen. So erfahren Sie, wie Ihr Sohn Kaufentscheidungen trifft: Kopiert er andere Kinder aus der Klasse oder seinem Freundeskreis? Oder erfüllt er sich mit seinem Taschengeld eigene Wünsche?

Geht Ihr Kind womöglich vernünftiger an Kaufentscheidungen heran, als Sie bislang angenommen haben? Falsche Kaufentscheidungen zu treffen, ist im Übrigen auch eine wichtige Erfahrung. Deshalb sollten Sie mit Ihrem Kind und mit sich selbst auch nicht zu streng sein.

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Patrick Lehner
ist Leiter Basisprodukte der Credit Suisse und Vater von vier Kindern.

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