Wie lebt es sich im traditionellen Familienmodell?
Redaktionsblog

Wie lebt es sich im traditionellen Familienmodell?

In unserer Serie «Wir fragen uns ...» stellen wir von Fritz+Fränzi uns gegenseitig Fragen aus dem grossen Familienuniversum. Auf die Frage von Florina Schwander, Leitung Onlineredaktion, antwortet Patrik Luther, stellvertretender Verlagsleiter. 
Text: Patrik Luther
Bild: Rawpixel
«Lieber Patrik, deine Frau und du, ihr lebt zusammen mit euren beiden Töchtern das traditionelle Familienmodell: Du arbeitest 100 Prozent, sie kümmert sich um Kinder und Haushalt. Wie läuft das so?» 
Liebe Florina, ich danke Dir, dass Du diese Frage stellst. Gerade in Corona-Zeiten mit der unerwarteten Umstellung auf mehr Homeoffice, Einführung von Homeschooling und der Mehrarbeit in der «Firma Zuhause», ploppen die Herausforderungen der verschiedenen Formen des Zusammenlebens so richtig auf. Ein guter Zeitpunkt also, das «Wie läuft das so?» auseinander zu pflücken.

Direkt vorneweg: Es läuft in etwa so, wie wir uns das vorstellen. Die Wohlfühl-Waage wird jedoch auf beiden Seiten mit ständig neuen Bedürfnissen gefüllt: Links die erfüllbaren, rechts diejenigen, die etwas zurückgestellt werden müssen.
Familie Luther im Ferien-Modell
Familie Luther im Ferien-Modell
In unserem Setting, dem «traditionellen Familienmodell», gelingt es uns, die Schale der Bedürfnisse, denen wir nachkommen können, immer etwas höher zu gewichten. Natürlich ist es so, dass die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie aus vielen Gründen eine Herkulesaufgabe ist. Gerade die Verzichtskosten auf eine lineare Job-Entwicklung bei meiner Frau sind gross und der künftige Wiedereinstieg eine kaum abschätzbare Herausforderung.

Diese nehmen wir an, denn wir glauben stark an das Leben im Hier und Jetzt. Das auch im Wissen, dass ein Leben in der Gemeinschaft mit heranwachsenden Kindern einem steten Wandel unterworfen ist. Dies erzeugt eine Dynamik, welche wir als «unser Leben» erkennen.

Weg mit der Wertung

Was mich etwas unangenehm berührt, ist die wertende Haltung, die beim Ausdruck «traditionelles Familienmodell» meist mitschwingt. Damit meine ich das Meinungsbild der guten Tradition, der optimalen Basis für die Mannenkarriere, die «genetische» Argumentation der Mutter-/Kindbindung und abgeleitet die Rollenteilung von Frau am Herd und Mann am Schreibtisch. 

Das ist mir zu einfach und entspricht nicht unserer Familien-Haltung, und Du kennst mich ja, liebe Florina, da muss ich tiefer in die Gedanken-Box greifen. Mit der Kategorie «Familienmodell: traditionell» wird eine schnelle Einordnung möglich und gleichzeitig können allgemein-verständliche Werte angedockt werden: «Die Luthers leben, wie die Meiers, das klassische Familienmodell.» Und das stimmt wahrscheinlich in den wenigsten Fällen: Egal wie klassisch oder kompliziert eine Familie lebt, eine jede unterscheidet sich von der anderen, egal welches Label dran hängt. 

Dürfte ich die Frage für uns umformulieren, so könnte sie in etwa so klingen: «Lieber Patrik, Du und Deine Familie trainiert die dynamische und auf alle Familienmitglieder Rücksicht nehmende Lebensgemeinschaft, die in eurem Fall aus Mami, Papi und zwei Kindern mit fünf Jahren Altersunterschied besteht. Ihr habt Euch aktuell so aufgeteilt, dass Du zu 100 Prozent auswärts und Deine Frau zu 100 Prozent zuhause arbeitet und ihr, in der gemeinsamen Zeit, das Erleben, Arbeiten, Kochen, Putzen und Betreuen der Kinder fair aufzuteilen versucht. Wie läuft das so?»

Faire Familie: Was ist das?

Dieser Versuch der Frage-Umformulierung zeigt, wie bunt und komplex das Zusammenleben heute ist. Es zeigt auch auf, wie die Individualität jedes einzelnen Mitglieds der Lebensgemeinschaft das Gesamtmodell prägt und jetzt kommt's: Das Zusammenleben laufenden Anpassungen unterworfen ist. Es wirft aber auch gleichzeitig eine neue Frage in den Raum: Was und für wen ist denn fair wirklich fair?
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Was und für wen ist denn fair wirklich fair?
Von aussen betrachtet ist «fair» wohl dann, wenn die erfüllbaren Bedürfnisse im Moment überwiegen, auch wenn dies nur in einem leichten Mass ist. Die Innensicht von «Fair», jedes einzelnen Familienmitglieds, hat damit aber nichts zu tun, denn da spielen individuelle Faktoren eine entscheidende Rolle. Für unsere Kleine ist es total fair, wenn sie ein Guetzli mehr bekommt als die Grosse. Für diese ist es total unfair, wenn Mami am Abend weg ist, um sich mit Freundinnen zu treffen. Für Mami ist es fair, wenn Papi den Abend- und Morgendienst übernimmt und für mich ist es unfair, dass die Kids einem Teller Pasta mit Fertigsauce, meinem liebevoll zubereiteten Gemüserisotto den Vorrang geben.

Wie oben beschrieben gestalten wir unser Zusammenleben im Wissen, dass wir im Trainingsmodus sind und auch noch ein Weilchen bleiben werden. Wir haben nicht den Anspruch auf richtig oder perfekt, aber wenn uns etwas gut gelingt, dann feiern wir dies ordentlich und gemeinsam. Dies bedeutet gleichzeitig, dass wir nicht die absolute Sicherheit suchen, sondern dem ständigen Wandel den nötigen Raum und Zeit einräumen. Ich bin sicher, dass es viele spannende Lebensmodelle gibt da draussen und ich glaube, es lohnt sich bei jedem Familienmodell mal wieder nachzufragen: Und wie läuft das so?

Die nächste Frage geht an Nik Niethammer, Chefredaktor: 

«Lieber Nik, deine Kinder sind neun und elf Jahre alt. Welche Themen beschäftigen sie aktuell?»
Die Antwort folgt in rund zwei Wochen ...

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Bisher erschienen in der Rubrik «Wir fragen uns»: 














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