Redaktionsblog

Wie bekommt ihr Beruf und Familie unter einen Hut?

In unserer Serie «Wir fragen uns ...» stellen wir von Fritz+Fränzi uns gegenseitig Fragen aus dem grossen Familienuniversum. Auf die Frage des stellvertretenden Verlagsleiters Patrik Luther antwortet Produktionsleiter Florian Blumer:
Text: Florian Blumer
Bild: Abobe Stock
«Lieber Florian, du und deine Frau, ihr seid beide berufstätig. Wo liegen für dich die Herausforderungen in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf? Und wie macht ihr das konkret?»
Patrik Luther, stellvertretender Verlagsleiter
Lieber Patrik

Theoretisch ist die Sache simpel. Meine Partnerin und ich wussten schon lange, bevor wir uns kannten: Wir wollten beide beruflich etwas Gescheites machen, Kinder aufziehen und einen Haushalt führen, gemeinsam und zu gleichen Teilen mit dem zukünftigen Partner – ein 50:50-Modell also. Ich war sehr erstaunt, als ich eines Tages las, dass in der Schweiz gerade mal fünf bis sechs Prozent der Familien dieses Modell leben.
 
Vor knapp drei Jahren ist mit der Geburt unserer Tochter aus der Theorie Praxis geworden, und hier wird's etwas komplizierter. Ich arbeite 80 Prozent, meine Frau auch. Obwohl wir keine Fans von viel Planung sind, gibt es zu Hause einen Ämtli- und Putzplan. Der befindet sich, gut versteckt, auf der Innenseite der Küchenschranktür und führt ein entsprechend bescheidenes Leben. 
 
Doch ohne ihn wären wir verloren und würden in Dreck und Chaos versinken – gegen diese Monster des Alltags befinden wir uns in einem permanenten Kampf. Kein Wunder: Wenn man von 100 Prozent Einsatzzeit ausgeht, bleiben jedem von uns gerade mal 20 Prozent für die Kinderbetreuung und den Haushalt übrig. 
 
Das ist schlicht zu wenig – für den Haushalt: Es kommt vor, dass die gewaschene Wäsche tagelang in der Wohnung herumsteht und darauf wartet, gefaltet und versorgt zu werden. Auch die Playmobil-Piraten samt ihres reichen, kleinteiligen Schatzes oder das Bäbi inklusive ebenfalls üppiger Ausstattung finden von alleine oft tagelang den Weg zurück in Mikas Kinderzimmer nicht.
Mittwoch ist Papatag. Und wann immer möglich unternehmen Florian Blumer und seine Tochter dann etwas Besonderes. Bild: privat
Mittwoch ist Papatag. Und wann immer möglich unternehmen Florian Blumer und seine Tochter dann etwas Besonderes. Bild: privat
Bei der Kinderbetreuung hingegen läuft's nach Plan: Montags ist Mamatag, dienstags Kita, mittwochs Papatag, donnerstags Kita, freitags Grosseltern.
 
Mein Lieblingstag ist der Mittwoch. Oft sind Mika und ich an diesem Tag unterwegs, zu Freunden, auf Familienbesuch in anderen Landesteilen oder auch nur zu zweit, mit dem Velo in den Kinderzoo, mit Zug und Schlitten auf den Uetliberg oder auch nur zum Einkaufen. Wenn ich mittwochs doch arbeiten muss, springen die Grosseltern ein. Und was an diesem einzigen «arbeitsfreien» Tag unter der Woche natürlich auch immer ansteht: einkaufen, aufräumen, Wäsche machen, Rechnungen einzahlen und so weiter. 

 
Ein Tag pro Woche mit Mika ist natürlich wenig.  Aber mit weniger als 70, 80 Prozent geht es für mich beruflich nicht mehr auf, das Gleiche gilt für meine Frau. Und dieser eine Tag ist dafür umso wertvoller – ich würde ihn für kein Geld der Welt hergeben.
 
Welcher Mikas Lieblingstag ist, weiss ich nicht. Ich glaube, sie mag alle Tage. Sie geht jedenfalls auch sehr gerne in die Kita. Und wir freuen uns darüber, dass sie an zwei Tagen die Woche von absoluten Kinderprofis betreut wird, die sich mit Entwicklungsstand und altersgerechten Spielen auskennen. Und sie kann jeweils einen ganzen Tag lang mit anderen Kindern spielen, diskutieren und streiten.

Alles super also? Jein.

  • Nein, weil wir viel zu wenig Zeit für uns selbst und zu zweit haben – wie alle Eltern kleiner Kinder.

  • Ja, weil wir Freunde in der Nachbarschaft haben, die immer wieder für uns hüten (und wir für sie). 

  • Nein, weil das ausgeklügelte System natürlich nur so lange reibungslos funktioniert, als dass nichts Unvorhergesehenes passiert. 

  •  Ja, weil wir ziemlich gut sind im Improvisieren. Und weil meine Frau als Doktorandin momentan noch recht flexibel ist und notfalls einspringen oder Mika später in die Kita bringen kann. 

  • Nein, weil wir noch nicht wissen, wie das wird, wenn sich das bald ändert. 

  • Ja – man darf es nie laut sagen, drum schreib ich es hier ganz leise –, weil Mika so gut wie nie krank ist.

  • Nein, weil wir in einem Land leben, in welchem das Parlament zwei Wochen Vaterschaftsurlaub als «wirtschaftsfeindlich» ablehnt, Geld verdienen vor Familienglück kommt und Staat und Wirtschaft vieles unternehmen, um das 50:50-Modell zu verunmöglichen. 

  • Ja, weil wir privilegiert sind und dieses System trotzdem leben können, da wir Berufe haben, die es uns erlauben, Teilzeit zu arbeiten. 

  • Ja, weil es, zumindest bis jetzt, zumindest mit einem Kind, unter dem Strich aufgeht für uns.

  • Nein, weil ich trotz 50:50 bei Mika immer noch klar die Nummer Zwei bin, wenn die Mama dabei ist.

  • Ja, weil ich die Nummer 1 bin, wenn Mika und ich zu zweit unterwegs sind – und wenn sie dann sagt «Papa, ich ha Di gärn», all die «Nein, weil …»s wie Schnee in der Frühlingssonne schmelzen und sich in Luft und Liebe auflösen.
Florian Blumer, Redaktor und Leiter Produktion beim Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi, lebt mit seiner Frau eine Arbeitsteilung 50:50. Seine Tochter ist bald 3 Jahre alt.

Die nächste Frage geht an Bianca Fritz, Leitung Online-Redaktion:

«Wie ist das eigentlich als (noch) Kinderlose für ein ElternMagazin zu arbeiten?»
Florian Blumer, Leiter Produktion

Die Antwort folgt in zwei Wochen ...

Bisher erschienen in der Rubrik «Wir fragen uns»: 


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