Redaktionsblog
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Was viele nicht wissen ... 

Diese Aufstellung ohne Anspruch auf Vollständigkeit macht vielleicht verständlich, weshalb nicht nur in unserem Umfeld so viele Eheschliessungen genau dann über die Bühne gehen, wenn die Frau schwanger ist oder beabsichtigt, es demnächst zu werden. Ohne die Romantik einer dieser Hochzeiten schmälern zu wollen: Ihr Timing zeugt doch davon, dass der Trauung nebst der Liebe auch der ganz pragmatische Wunsch nach einer sicheren rechtlichen Basis für das Zusammenleben zugrunde liegt.

Andererseits sind aber zwei weit verbreitete Annahmen falsch, die viele als massgebliche Vorteile der Ehe sehen. Erstens ist es nicht mehr so, dass der wirtschaftlich schwächere Elternteil – typischerweise die Frau – im Fall einer Trennung ohne vorherige Trauung finanziell viel schlechter dasteht. Seit 2017 gilt in der Schweiz ein neues Kindesunterhaltsrecht, in dem ein Betreuungsunterhalt für unverheiratete Ex-PartnerInnen eingeführt wurde. Dieser entspricht den Unterhaltszahlungen, auf die (immer noch im typischen Fall) die Mutter zuvor nur nach einer Ehescheidung Anspruch hatte.

Zweitens sind mit der Heiratsurkunde keineswegs alle wesentlichen Fragen zwischen den Ehepartnern klar und fair geregelt. Gerade bei asymmetrischen Einkommens- und Vermögensverhältnissen oder unterschiedlichen Vorstellungen der Lebensführung kann das Aufsetzen eines soliden Ehevertrags genauso sinnvoll sein wie ein Konkubinatsvertrag. Eine ganze Branche von Anwälten lebt nicht schlecht davon, dass vielen Paaren die Klärung der aktuellen und künftigen Verhältnisse vor ihrer Vermählung allzu unromantisch erscheint. 
Für ein dauerhaft gutes Familienleben ist es deshalb nicht so wichtig, ob die Eltern verheiratet sind oder nicht.
Es enden nun mal annähernd die Hälfte der Ehen in der Schweiz in einer Scheidung, und diese erfolgt im Durchschnitt nach 15 Jahren. Das entspricht in etwa der Lebensdauer einer Waschmaschine, Kinder grosszuziehen dauert länger. Für ein dauerhaft gutes Familienleben ist es deshalb nicht so wichtig, ob die Eltern verheiratet sind oder nicht. Entscheidend ist vielmehr, dass sie in guten wie in schlechten Zeiten jenen Bund fürs Leben ehren, der unabhängig von Kirche und Standesamt entstanden ist und bleibt: ihr Kind. 
Wilde Ehe oder trautes Familienheim? Der Tochter von Benjamin Muschg ist das herzlich egal. 
Wilde Ehe oder trautes Familienheim? Der Tochter von Benjamin Muschg ist das herzlich egal. 
In unserem Umfeld gibt es einige Familien mit unverheirateten Eltern, ebenso wie Ehepaare ohne Kinder. Wir schätzen uns glücklich, in einer Gesellschaft zu leben, in der auch diese Formen des Zusammenlebens problemlos möglich und breit akzeptiert sind. Die Ehe ist eine wunderbare Sache für alle, denen sie etwas bedeutet. Und es gibt für ein Gemeinwesen viele gute Gründe, ein familienfreundliches Umfeld zu schaffen und Eltern dabei zu unterstützen, Kinder grosszuziehen.

Ehe und Familie sind aber zwei Paar Schuhe, und ihre Gleichsetzung durch den Gesetzgeber ist kaum mit einer liberalen Grundhaltung und immer weniger mit der Realität vereinbar. Wem würde etwas weggenommen, wenn jede Familie sich vom Staat auf dieselbe Weise getragen fühlen könnte? Und wenn alle die Entscheidung für oder gegen das Heiraten frei von der Abwägung finanzieller oder rechtlicher Konsequenzen fällen dürften? Natürlich auch unabhängig von Geschlecht und sexueller Orientierung. «Ich unterstütze die Homoehe», sagte der amerikanische Autor und Countrysänger Kinky Friedman einmal so schön. «Ich finde, sie haben ein Recht, genauso unglücklich zu sein wie der Rest von uns.»

Die nächste Frage geht an Evelin Hartmann, stellvertretende Chefredaktorin: 

«Liebe Evelin, du machst regelmässig mit deiner Familie Ferien an einem Ort, wo dein Mann schon in seiner Kindheit immer im Urlaub war. Wie ist das so?»  
Benjamin Muschg
Die Antwort folgt in rund zwei Wochen ... 
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Zum Autor:

Benjamin Muschg ist Leiter Produktion beim ElternMagazin Fritz+Fränzi und wohnt mit seiner Partnerin und der dreijährigen Tochter in Zürich. 

Bisher erschienen in der Rubrik «Wir fragen uns»: 










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