Redaktionsblog
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Claudia Landolt, leitende Autorin. Vier Kinder zwischen 8 und 15 Jahren.

Wie behalte ich aktuell die Nerven? Eine gute Frage. Kaffee hilft da ungemein, und Yoga sowieso. Mit vier Kindern und einem Hund zuhause im Home Office. Ich bin also sozusagen im Exil – wie so viele auch. Und zuweilen denke ich, ich kenne mich nicht mehr in mir aus – wie so viele andere Müttern und Väter auch. Zu sehr beschäftigt mich die aktuelle Lage der Welt und insbesondere die Dinge, die noch auf uns zukommen werden. Ich sorge mich sehr! Um Familie, Freunde, aber auch Ärzte und Pflegepersonal in unserem Freundeskreis. Und auch um all jene Familien, die auf kleinstem Raum nun Wochen daheim sein müssen. 

Ich hoffe fest, dass wir alle gesund bleiben. Aber dann, wenn die Gedankenspirale sich dreht und dreht, besinne ich mich auf meinen Yoga – und vertraue. Ich sehe, wie meine Kinder das neue Jetzt supergut meistern und aufgestellt sind. Dann finde ich zur Freude zurück und bin sehr dankbar. 

Auch finde ich es gerade ganz schön, dass meine Kinder so viel zuhause sind, nicht ganz so früh aufstehen müssen wie sonst. Überhaupt muss ich mir nicht mehr vier verschiedene Stundenpläne und tausend verschiedene Freizeitaktivitäten und -termine merken. Die Tage haben sich merklich verlangsamt und meine Kinder haben sich dem neuen Rhythmus schon angepasst. Ich übe noch. Wir gehen jeden Tag mit dem Hund spazieren und kochen oder backen gemeinsam. 

Mein Büro und Musikzimmer ist zum zweiten Wohnzimmer geworden. Aufgaben werden an unseren PCs gemacht, gezeichnet an unseren Pulten oder auf dem Sofa, der Hund thront mittendrin und schön aufgeräumt ist längst nichts mehr. Nach zehn Tagen im Ausnahmezustand fühle ich mich als Organisationsqueen und schlage mich selbst zur Ritterin, denn ich habe ich mich daran gewöhnt, dass alle schulischen Aufträge über mein Handy, meine Mail und einer App laufen und ich fortwährend irgendetwas erledigen soll: Aufgaben abholen, Aufträge erteilen, ausdrucken, dieses erklären, damit die Kinder beschäftigt sind, denn Notendruck, Termin- und Prüfungsstress gibt es ja keinen mehr. Zu tun aber trotzdem. In fünf Minuten ein Facetime mit dem Schlagzeuglehrer? Omm. «Mama, was heisst «flair»?, während eines wichtigen Telefonats = Doppel-Omm. «Mama, unser Wlan spinnt!» schreit es von oben. Triple-Omm. 
Arbeitsorganisation ist ja für uns Erwachsene in diesen Zeiten ja schon schwierig, wie soll es denn für Kinder sein? Ich übe mich in tiefer, entspannter Bauchatmung. Was ist wirklich wichtig, was nicht? In diesen Zeiten besinnt man sich darauf. Ein ebenso toller Nebeneffekt: Durch den intensiven Austausch mit den Lehrpersonen ist das Verhältnis mit einem Schlag persönlicher und intensiver geworden. Das finde ich schön. Denn das einzige, das zählt, ist das Herz. Offen und weit. Nicht mehr und nicht weniger.

Meine Tipps, damit Home-Officing, Home-Schooling, Home-Haushalting und Home-Bespassungsclowning eben nicht Home-Nervenzusammenbruching ergibt:

  • Morgens mit den Kindern in Ruhe frühstücken. Ich stehe viel früher auf, mache Yoga, 15 Minuten Meditation und habe etwas Zeit für mich. Danach: Kaffee schlürfen, durchatmen, die Sorgen ausschütteln
  • Vorbereitung: Wer hat heute welche Aufgaben, welche Telefonkonferenzen oder Facetime-Chats? Das definiert den Tag und auch die Essenszeiten.
  • Omm. Noch einen Kaffee schlürfen.
  • Struktur: Schulzeiten sind fix. Dein Kind hat aber um 10.00 Uhr seine Hochphase? Oder um 12.00 Uhr? Oder abends um 19.00 Uhr? Das gilt es zu beachten, wenn man einen Tagesplan erstellt. Bei uns gilt: Um 8 Uhr gibt’s Zmorge. Jeder hilft bei der Zubereitung, beim Ab- und Aufräumen. Danach kurzes Gassi mit dem Hund. Um 9 Uhr gibts für die Jüngeren myschool auf SRF, dann wird gearbeitet (ich inklusive) bis zum Zmittag, Was gegessen wird, besprechen wir am Zmorge. Auch hier gilt: Wer kocht, muss nicht aufräumen. Und umgekehrt.
  • Die Kinder machen eine Mittagspause, ich arbeite durch und erledige Dringliches. Danach spielen sie im Garten oder kommen mit auf eine Runde Waldjogging oder Spazieren mit dem Hund. Ohne Zeitdruck, lieber die Bäume und die erwachende Natur beobachten.
  • Musikinstrument spielen, Facetime-Chats mit Lehrern oder der Klasse.
  • Kaffee für mich. Durchatmen. Lachen. Kuscheln. Omm.
  • Haushalt erledigen, Einkaufen per Velo im kleinen Quartierladen, Aufräumen, Staubsaugen – all dies wird gemeinsam erledigt.
  • Ich geh wieder an den Computer, die Kids dürfen frei wählen, sich langweilen, spielen, zeichnen. Einer geht Fotografieren. Der andere bastelt ein Kochbuch. Der dritte hört Musik und liegt rum. Der vierte spielt Basketball vor dem Hauseingang. Freiraum, wie schön bist du!
  • Kochen. Essen. Musik hören. Der wunderbare Pianist Igor Levit gibt jeden Abend von 19 bis 20.30 Uhr ein Hauskonzert in seiner Wohnung (zu hören über IGTV). Die ganze Familie hört gebannt zu. Die Magie der Musik ... Das ist unser neues, liebgewonnenes Ritual in Corona-Zeiten.
  • Bettzeitrituale, Kuscheln, Bücher vorlesen oder mit den Grossen auf dem Sofa quatschen: Auch dafür haben wir nun, da sämtliche Sportaktivitäten und abendliches Büffeln für Prüfungen auf Eis gelegt wurden, viel mehr Zeit.
  • Wir gehen alle viel, viel früher ins Bett. Lesen. Ein Buch, keine News. Dankbarkeit. Hoffnung.

Wie geht es Ihnen?

Nicht nur wir sind im Home-Office, bei vielen von Ihnen steht der Alltag seit mehreren Wochen auch Kopf. Wir möchten von Ihnen wissen: Wie geht es Ihnen und Ihrer Familie? Wie läuft es mit dem Lernen zu Hause? Was klappt gut, was weniger, was motiviert Sie und Ihre Kinder? Schicken Sie uns Ihre Erfahrung an online@fritzundfraenzi.ch.

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