Redaktionsblog
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Hanna Lauer, Onlineredaktorin

Ich arbeite vier Tage pro Woche, zur Zeit komplett im Home Office. Mir geht es gut, die erste Woche im Home Office war etwas seltsam. Aufzustehen und sich im Nachthemd an den Wohnzimmertisch zu setzen, Tag für Tag, war etwas gewöhnungsbedürftig. Zudem habe ich überdurchschnittlich viel gegessen und das ein oder andere Glas Wein zu viel getrunken. 
Was ich sehr geniesse, ist das zur Gitarre greifen in den Pausen, sowie den Kaffee in der Sonne auf dem Balkon zu geniessen. Diese Woche bin ich schon etwas geübter und hab mir ein kleines Sportprogramm, dreimal täglich, verordnet. Zudem greife ich öfters zu einer Tasse Tee statt Wein am Abend. Am meisten fehlen mir die Menschen um mich herum und ihre Umarmungen. Darauf freue ich mich, wenn wir die Krise überstanden haben.

Evelin Hartmann, stellvertretende Chefredaktorin. Zwei Mädchen, 4 und 7 Jahre alt. 

Mein Mann und ich arbeiten nun beide im Home Office. Das geht ganz gut. Wir sind es gewohnt, regelmässig von zuhause zu arbeiten, auch gleichzeitig. Aber jetzt sind die Kinder ebenfalls zuhause. Für uns heisst das: genauso früh aufstehen wie immer, damit der eine mit der Erstklässlerin arbeiten kann und der andere die Kleine davon abhält, ständig dazwischen zu funken. Um 9 Uhr ist das meiste schon geschafft. Dafür gabs einen grossen Stapel an Arbeitsmaterialien aus der Schule. Digitales Lernen? Fehlanzeige. 

Nach dieser Stunde lassen wir es erst einmal gut sein und die Kinder spielen. Noch können wir die beiden zu benachbarten Familien geben, einem übersichtlichen Kreis, von dem wir wissen, dass er seinen Radius ebenso eingeschränkt hat wie wir.  
Wenn wir die Wohnung für uns haben, können wir sehr konzentriert arbeiten. In den restlichen Stunden wechseln wir uns ab. Oft sitzen wir wieder am Schreibtisch, wenn die Kinder abends schlafen. Es ist auch schon vorgekommen, dass mein Mann und ich gleichzeitig einen Video Call haben. Dann tauchen die Kinder halt mal im Bild auf, um gleich wieder zu verschwinden. Mir scheint, das Verständnis für diese kurzen Störungen ist gross. Wir sitzen alle im selben Boot.  

Was mir aus dieser Zeit in Erinnerung bleiben wird? Auf jeden Fall die Titelmusik von Pippi Langstrumpf. Dieses Hörspiel läuft bei uns Stunde um Stunde – der Soundtrack unserer Tage. 
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Dominique Binder, Verlagsadministration

Ich arbeite 100 Prozent im Home Office. Zusätzlich schaue ich ab und an am Abend oder am Weekend kurz in die Mails. 
Mein Highlight: Ich kann länger schlafen und der Feierabend beginnt früher, da die Reisezeiten weg fallen. Dafür sind meine Tage recht einsam; der persönliche Austausch funktioniert nur noch mit Telefon oder Video-Call. 

Florina Schwander, Leitung Onlineredaktion. Eine Tochter, bald 6, und Zwillingsjungs, 4 Jahre alt. 

Letzte Nacht ist der eine Zwilling aufgewacht, hat sich aufgesetzt und hat voller Inbrunst gemeint: «Mama, ich habe mir die Hände gewaschen!». Danach hat er sich wieder hingelegt und ist sofort wieder eingeschlafen. Ich lag danach noch lange wach. 

Ich denke, meine Kinder werden die Corona-Zeit, oder «das doofe Colonawilus», wie die Jungs es nennen, ähnlich in Erinnerung behalten wie es bei mir Tschernobyl war. Ich habe danach jahrelang keine Milch getrunken, weil ich mir immer vorstellte, wie die Kühe damals doch das verseuchte Gras gegessen haben. So in etwa werden meine Kinder wohl über das Händewaschen denken in 40 Jahren. 

Mein Mann und ich sind beide zuhause und versuchen uns abwechselnd zu verschanzen im Bed Office, unser Schreibtisch steht nämlich jetzt im Schlafzimmer, um dann sofort den Schalter umzulegen und mit den Kindern etwas zu unternehmen – und sei das nur Fangis von Sofa zu Sofa. Diesen Schalter umzulegen ist nicht immer einfach, doch wir haben gemerkt, mit kleinen Kindern kann man die Arbeit nicht gut einplanen. Manchmal ergibt es sich, manchmal nicht. Und so holen wir die versäumte Arbeit oft abends nach, wenn die Kinder schlafen, das geht bei unseren Jobs zum Glück. 

Ich setze mich oft mit meinen Notizen ans Pulteck der Kinder, ab und zu «grümschelet» so jeder zufrieden etwas vor sich hin. Solche Momente berühren mich. 
In den ersten Tagen habe ich mich gefreut, wenn ich auf Insta eine tolle Bastelanleitung gesehen habe. Mittlerweile stressen mich die vielen Stundenpläne, strukturierten und durchorganisierten Sport-, Musik- und Lernsessions, die andere Eltern mit ihren Kindern durchziehen. Ich bin froh, wenn wir irgendwann alle angezogen und gut gelaunt am Frühstückstisch sitzen. Das mit dem Anziehen klappt nicht immer, die gute Laune erstaunlicherweise schon. Unsere Kinder sind in einem Alter, wo sie ihre Zeit eigentlich am liebsten mit uns verbringen. Sie sind happy, dass wir den ganzen Tag da sind. Ihren Freunden schreiben sie fleissig Postkarten und es wird viel telefoniert. Ich frage mich, wie das Familien machen, wo die Eltern nicht im Home Office arbeiten können oder keine Möglichkeit haben, mit ihnen zu Hause zu lernen. Solche Gedanken bedrücken mich und bringen mich dazu, dankbar zu sein dafür, wie wir es momentan haben zu fünft. 

So versuche ich, so geduldig wie möglich mit ihnen und mir zu sein und den neuen Familienalltag zu geniessen, so gut das geht. Und freue mich darauf, wenn das Händewaschen einfach wieder Händewaschen ist und nichts weiter. 

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