Christian Käser: «Dä Tod isch kei Schoggi»
Elternblog
Seite 2

Wie kann ich meinen Kindern die Angst vor dem Tod nehmen?

Wie redet man mit Kindern über den Tod, wenn man selber nur weiss, dass man nichts weiss? Mit Nietzsche oder Camus zu gehen und den Kindern zu propagieren, dass Gott selber tot sei und wir niemals wissen können, was danach kommt – das fällt mir dann doch etwas schwer.

Ich bin selber katholisch aufgewachsen und die Antwort ist dort auf den ersten Blick klar und verständlich: Wenn wir uns gut verhalten, dann werden wir belohnt mit dem Himmelreich. Bei mir hat das als Kind aber keineswegs funktioniert. Ich war überzeugt davon, dass Jesus mit seinem Satz «Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher in den Himmel» den Zahnarztsohn (der ich nun einmal war) nicht ins schöne Jenseits einlassen würde. Das machte mir Angst. Angst vor der Hölle. 

Die naheliegende Antwort, die ja auch der Pfarrer letztlich angewendet hat und die auch allgemein beliebt ist: Der Grossvater ist jetzt an einem besseren Ort.
 
Ja, dieser bessere Ort hat eine lange religiöse Tradition und ist eine urmenschliche Hoffnung mit klingenden Namen: Valhalla, Dschanna, Nirwana, die Ewigkeit. Was aber, wenn es einem als Eltern schwer fällt zu glauben, dass da noch was Besseres kommt? Was, wenn man selber damit hadert? Woran glaubt jemand, der nicht glaubt? Können Kinder diese Zweifel aushalten oder ist es erzieherisch geradezu eine Sünde (auch wieder so ein religiöser Begriff), sie in diesem Zweifel zu lassen?
 
Was mir selber letztlich geholfen hat war die grosse Anteilnahme, die Gespräche mit lieben Menschen, die nachgefragt haben. Die auch hören wollten wie es war, beim letzten Atemzug des Vaters dabei gewesen zu sein. Ja, ich hatte das Bedürfnis das zu erzählen, weil es mir sehr nahe gegangen ist und ich es verarbeiten wollte. 

Und was hat den Kindern geholfen?

Vermutlich der Alltag. Ja, das Leben geht weiter. Dinge zu verdrängen, gehört zur menschlichen Natur dazu und wir können als Familie froh sein, geht es uns nicht wie meiner Mutter, die in einer Wohnung lebt, wo jedes Möbelstück sie an ihren verstorbenen Ehemann erinnert. Eine Wohnung, die leer und still ist. Wir dagegen haben uns, haben den Lärm, den Streit, wir lachen, spielen und wollen Kuchen mit weisser Glasur. 
 
Geholfen haben uns auch zwei Bücher, die wir von lieben Menschen geschenkt bekommen haben. 
<div>Martina Schütze: Ich pass von oben auf dich auf. Herder 2016. 28 Seiten, ca. 23 Fr.&nbsp;</div>
Martina Schütze: Ich pass von oben auf dich auf. Herder 2016. 28 Seiten, ca. 23 Fr. 
<div>Britta Teckentrupp: Der Baum der Erinnerung. Ars Edition 2013. 32 Seiten, ca. 23 Fr.&nbsp;</div>
Britta Teckentrupp: Der Baum der Erinnerung. Ars Edition 2013. 32 Seiten, ca. 23 Fr. 
Zum einen das Buch «Ich pass von oben auf dich auf. Eine Geschichte vom Fortgehen und Dableiben» von Martina Schütze. Es erzählt in berührender Art vom Tod des geliebten Grossvaters Pico, der Geschichten erfinden kann, Rollator-Wettrennen macht und Mundharmonika spielt. Das zweite Buch ist von Britta Teckentrup und heisst «Der Baum der Erinnerung». Es erzählt vom Tod eines Fuchses im Wald und wie aus den Geschichten, die über den Fuchs erzählt werden ein Baum wächst mit allen schönen Erinnerungen an den Fuchs. Die beiden Bücher geben keine letzten Antworten sondern zeigen, wie der Humor und das Geschichtenerzählen die wohl wichtigsten Werkzeuge im Umgang mit der Trauer sind. 

Und wenn es mir immer noch nicht besser geht trotz den schönen Erinnerungen an meinen Vater, dann höre ich Züri West und Kuno Lauener raunt mir zu: «Irgendeinisch fingt ds Glück eim, irgend anere Bushautschteu, plötzlech schmöckt's wieder wie daheim, irgendeinisch fingt ds Glück eim.»
<div><strong>Christian Johannes Käser</strong> steht seit über 20 Jahren auf der Bühne. Seine vier Kinder (die Tochter ist 9, die drei Jungs 7, 4 Jahre und 1 Jahr alt) und seine Frau sind seine liebsten Kritiker. Der gebürtige Appenzeller lebt in Zürich. Improvisiert wird in allen Lebenslagen, ausser bei der Liebe zum Fussballverein. Da gilt nur eines: Hopp Sangalle!&nbsp;</div>
Christian Johannes Käser steht seit über 20 Jahren auf der Bühne. Seine vier Kinder (die Tochter ist 9, die drei Jungs 7, 4 Jahre und 1 Jahr alt) und seine Frau sind seine liebsten Kritiker. Der gebürtige Appenzeller lebt in Zürich. Improvisiert wird in allen Lebenslagen, ausser bei der Liebe zum Fussballverein. Da gilt nur eines: Hopp Sangalle! 

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3 Kommentare

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Von B am 28.04.2021 02:53

Kinder können viel besser mit Tod umgehen als Erwachsene. Deshalb sollte man ihnen auch den Verstorbenen zeigen und sie dabeilassen, denn oft können sie sogar verstorbene Seelen wahrnehmen. Ausserdem ist es nur ein körperlicher Tod, die Seele reist weiter.....

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Von Kate am 27.04.2021 08:14

Mein herzliches Beileid zu Ihrem Verlust. Mein Vater ist auch dieses Jahr im Januar gestorben. Ja, er hatte auch ein langes Leben aber es ist doch immer zu früh! Ich Meinem Sohn (4) sagte ich, Grosspapi IST noch, aber ohne einen Körper. Er hat ihn auch tot gesehen. Und es ist für ihn alles so selbstverständlich, er muss MICH trösten und erklären, dass er ja immer in unserem Herzen bleibt. Kinder sind unglaublich, man muss es ihnen einfach zutrauen.

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Von Susanne am 20.04.2021 19:29

Danke für den einfühlsamen Text. Ein weiteres, empfehlenswertes Buch zum Thema Trauer:
https://www.vier-tuerme.de/als-frau-trauer-bei-uns-einzog#

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