Ulrike Légé: Rückblick auf die Lockdown-Zeit
Elternblog

Rückblick auf die Lockdown-Zeit

Der Corona-Lockdown ist vorbei. Unsere Bloggerin Ulrike Légé erinnert sich zurück und sagt, was sie vermisst und wo sie aber auch heilfroh ist, herrscht wieder normaler Alltag. Und was denkt eigentlich der Familienhund Sunny?
Text: Ulrike Légé
Bild: zVg / rawpixel.com
Wenn unser Hund eines nie verstehen wird an uns Menschen, dann unsere komplexen Gefühle. Jetzt hat uns der neue, alte Alltag wieder. Ich blicke auf die Lockdown-Zeit zurück und merke: Ich vermisse genau die Dinge, von denen ich eigentlich heilfroh bin, dass sie vorbei sind … Muss man das als Hund verstehen? Wahrscheinlich nicht. 

Zum Beispiel vermisse ich es überhaupt nicht, dass alle im Haus waren. Dauernd klapperte jemand in der Küche, polterte die Treppen herunter – selbst das Geräusch unserer Toiletten-Spülung, die von fünf Personen jede Stunde einmal gezogen wurde, ging mir auf die Nerven. Dann lieber eine Kuckucks-Uhr …
Hund Sunny nimmt es gemütlich.
Hund Sunny nimmt es gemütlich.
Ausserdem suchten sich all unsere Kinder plötzlich neue ökologische Nischen, um doch mal mit Mami oder Papi allein zu sein. Da stand die mittlere Tochter morgens um 6 Uhr an der Badewanne zum Schwätzen, unser Teenie wollte um Mitternacht noch mit uns Gamen und die Kleine entdeckte plötzlich ihre Lust am Gärtnern. Alle natürlichen Rückzugsgebiete, die in der Schweiz selbst jedem Reh zustehen – für uns Eltern waren sie plötzlich weg!

Gleichzeitig fehlt es mir ganz furchtbar, dass nicht mehr alle im Haus sind. Es war so richtig kuschelig. Draussen tobte das Virus, drinnen machten wir es uns gemütlich. Ein bisschen wie eingeschneit werden ohne kalte Füsse. Aber trotzdem mit viel Kartenspielen. Und Puzzeln. Und Malen. Und Filmeschauen zusammen.

Das Mama-Huhn mit all ihren kulinarischen Küken 

Immer wenn wir alle so zusammen sassen, fühlte ich mich glücklich wie Mama-Huhn mit all ihren Küken. Als ich dieses Hochgefühl mit der Familie teilte, prusteten die Kinder allerdings nur los, das sei ja klar. Hennen hätten immer so plusterige Puschel-Popos – ich seit dem Lockdown auch. Haha. Was mich zum nächsten Punkt bringt:

Ich vermisse unsere gemeinsamen Essen.Wir sind zwar eine halbfranzösische Familie, aber die Gourmand-Gene meines Mannes kamen erst in der Corona-Zeit so richtig zum Gelten. Was genau wir Lust hätten zu kochen und backen und dekorieren und essen – das waren plötzlich abendfüllende Diskussionen. 

Dann übernahm mal mein Mann die Regie in der Küche (Ratatouille! Quiche! Crêpes!). Mal unsere Youtube- und Fitness-beeinflusste 12-jährige Tochter (Gefüllte Gurken! Frische Ravioli! Tomatensalat!). Und mal unsere rein lustbetonte Kleine (Pfannkuchen! Nudeln! Pizza!). Nur der Teenie-Sohn erklärte von Anfang an kategorisch, seine Küchen-Expertise läge im Verputzen. Was er auch tat.

Andererseits bin ich froh, dass sie vorbei sind, all unsere gemeinsamen Essen. Wir haben gefühlt nichts anderes mehr anderes gemacht! Und wenn gerade niemand Lust hatte, sich Maestro-mässig in der Küche zu verwirklichen, wer musste dann ran und die Grundversorgung sicherstellen? Richtig, das Mami mit dem Puschel-Popo. Hinter all den Sterneköchen herputzen durfte sie auch. 

Ich stand Tag um Tag hinter unserem offenen Küchentresen und fühlte mich wie im Drive Through: Kaum war der letzte Kunde vom Frühstück fertig, kam schon der erste an fürs z’Nüni. Sogar unsere Teller sehen irgendwie müde aus, seit sie im Dauereinsatz waren …

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