Mit Eigensinn raus aus dem Corona-Blues!
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Mit Eigensinn raus aus dem Corona-Blues!

Unsere Autorin Ulrike Légé ist mit ihren drei Kindern zuhause. Wie sie die Corona-Krise bewältigt und warum Eigensinn gerade jetzt so wichtig ist, verrät sie hier.
Text: Ulrike Légé
Bilder:
pixabay.com/hadevora / zVg
Autorin Ulrike Légé ist schon seit mehreren Wochen zu Hause in Isolation. In einem früheren Artikel beschreibt sie mit 10 Tipps, wie man in der Familien-Isolation einen kühlen Kopf bewahrt.
Seit ein paar Tagen habe ich das Gefühl, mein Leben entgleitet mir jeden Tag ein Stück mehr. Entscheidungen werden mir aus der Hand genommen, Freiräume werden eingeschränkt. Morgens alleine und in Ruhe arbeiten, nachdem alle aus dem Haus gegangen sind? Vorbei! Die Kinder nachmittags mit einem Haufen Freunde spielen zu lassen? Unverantwortlich! Mit meinem Mann abends in unserem Lieblingscafé auf dem Dorfplatz zu sitzen? Verboten! Einen Einkaufsbummel geniessen? Unmöglich!

Ich gestalte gar nicht mehr selbst, sondern reagiere nur noch auf das, was da draussen tobt. Ich versuche im Wirbel an neuen Informationen und widersprüchlichen Anforderungen nicht unterzugehen: Bitte Arbeitspläne fürs Homeschooling ausdrucken, gestressten Kindern helfen – aber dabei meine eigenen Deadlines nicht vergessen! Bitte nur selten einkaufen – aber nicht hamstern! Bitte frische Luft geniessen – aber niemandem zu nahe kommen! Bitte zuhause bleiben – aber keinen Lagerkoller kriegen!
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Und so langsam legt sich über meine Tage ein grauer Corona-Schleier. Ich bin schon mittags hundemüde, aber funktionieren muss ich trotzdem. Mein Kopf dröhnt, ich mag nichts mehr lesen, niemandem mehr zuhören, doch «Schotten runter» geht nicht als arbeitende Mutter. Versteht mich nicht falsch, ich weiss, dass jede neue Einschränkung ihren Sinn hat und ich halte sie ein. Aber es ist verflixt anstrengend. Zu Beginn der Krise war ich geschockt, dann verfiel ich in hektischen Aktivismus, um unseren neuen Alltag zu organisieren. Jetzt läuft er halbwegs rund und ich spüre den Corona-Blues.

Der Weg aus dem Corona-Blues

Der einzige Weg da raus führt über meinen Eigensinn. Nein, ich meine nicht, jetzt eigensinnig wieder am Rheinufer zu grillieren. Sondern meinem neuen, plötzlich so ganz anderen Leben wieder meinen eigenen Sinn zu geben. Nicht mehr nur auf das zu reagieren, was mir alles von aussen vorgegeben wird.

Ich muss mir in dieser grauen, eingeschränkten, isolierten Existenz ein paar bunte, selbstgestaltete Räume gewähren. Platz machen für kleine Herzensprojekte, statt nur Häkchen auf meine To-Do-Liste setzen. Ich mag und kann jetzt nicht noch die Garage aufräumen, frische Mottensäckchen verteilen oder Kinderschränke ausmisten. Worauf ich wirklich Lust habe, ist, endlich mal einen Sauerteig anzusetzen. Oder Sämlinge für den Garten in einem alten Eierkarton zu ziehen und eine Fantasy-Story für meine Kinder zu erfinden.
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Die Sämlinge sind noch am Entstehen, Kresse ging schneller: Ulrike Légés jüngste Tochter ist stolz. (Bild: zVg)
Die Sämlinge sind noch am Entstehen, Kresse ging schneller: Ulrike Légés jüngste Tochter ist stolz. (Bild: zVg)
Es braucht einen gewissen Trotz. Ich muss mich bewusst gegen einiges entscheiden, was sicherlich vernünftiger wäre. Meine Vernunft brauche ich gerade auf, um all die neuen Verhaltensregeln umzusetzen und den Anforderungen der Corona-Krise gewachsen zu sein. Aber selbst wenn ich schon 48 Jahre alt bin: Meine Vernunft reicht nicht für 24 Stunden, sieben Tage die Woche!

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